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Bernard Arnault - Porträt eines Luxus-Moguls

Von AFP

5. Mai 2020

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Ihm gehört das zweitgrößte Vermögen der Welt: Bernard Arnault, 70 Jahre alt, hat mit LVMH ein Luxusimperium aufgebaut, das von Mode über Spirituosen, Parfüms und Kosmetik reicht. Die Art, wie er es aufbaute schmiedeten seinen Ruf als ein Business Mastermind, aber auch als rücksichtsloser Geschäftsmann.

Das ultimative Kronjuwel, das der Milliardär als letztes erbeutet hat, wurde Ende vergangenen Jahres Teil des Konglomerats: der amerikanische Juwelier Tiffany, für den seine Gruppe 16,2 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt hat. Es war die größte Akquisition in der Geschichte von LVMH.

Bernard Arnaults Karriereweg

Bernard Arnault wurde am 5. März 1949 in der Nähe von Roubaix, im Norden Frankreichs, geboren. Nach seinem Abschluss an der renommierten Ecole Polytechnique trat er in das väterliche Bauunternehmen ein und überzeugte diesen, es in einen Immobilienentwickler umzuwandeln.

Nach drei Jahren in den Vereinigten Staaten, wo er eine Tochtergesellschaft gründete, kehrte er 1984 nach Frankreich zurück, kaufte das verschuldete Textilunternehmen Boussac und übernahm damit das Geschäft der Konkurrenz mit dem Versprechen, die Arbeitsplätze zu erhalten.

Dennoch erlegte er dem Unternehmen einen drastischen Sozialplan auf und behielt nur wenige Sparten bei, darunter das Modehaus Christian Dior.

Dior ist der allererste Kontakt mit der Welt der Mode für den damals 35-jährigen: „Dieser magische Name, in dem wir Gott und Gold wiederfinden, hat mich schon immer beeindruckt. Als die Lebensumstände mich in die Lage versetzten, diesen mythischen Namen zu kaufen, sagte ich meinen Teams, dass wir um diese Marke herum den weltweit führenden Luxuskonzern aufbauen würden", vertraute er 1999 dem Figaro Magazine an.

Er tat dies, indem er LVMH erwarb, das aus der 1987 erfolgten Fusion zwischen dem Kofferhersteller Louis Vuitton und der Wein- und Spirituosengruppe Moët-Hennessy entstanden war. Die Rivalität zwischen den beiden Eigentümerfamilien nutzte er gewieft aus und übernahm 1989 nach 17 Gerichtsverfahren die Firma.

Kluge Schachzüge

Kenzo, Guerlain, Fendi, Celine, Chaumet, Sephora, Bulgari... Im Laufe der Jahre wuchs das Portfolio der Gruppe, das mittlerweile 75 - darunter 25 weltliche Häuser - umfasst, um einige renommierte Marken an.

Bernard Arnaults Misserfolge sind selten, aber bitter: Zum Beispiel als sein großer Rivale François Pinault, an der Spitze von PPR (Pinault Printemps Redoute, heute Kering), ihm 1999 das italienische Label Gucci vor der Nase wegschnappte, an dem er 34% des Kapitals hielt.

Oder wenn er vergeblich versucht, das Traditionshaus Hermès in die Hände zu bekommen, indem er anonym versucht, Anteile zu kaufen. Diese Aktion bringt ihm eine von der Autorité des marchés financiers (AMF), der französischen Marktaufsicht, verhängte Geldbuße von acht Millionen Euro ein, ermöglicht ihm aber auch einen stattlichen Veräußerungsgewinn von 2,4 Milliarden Euro aus dem Verkauf der von ihm erworbenen Aktien.

„Er hat einen unglaublichen Wettbewerbsgeist, eine bemerkenswerte Intelligenz und auch einen Mangel an Einfühlungsvermögen, der oft das Kennzeichen großer Unternehmer ist. Aber er ist kein Howard Hughes, er ist nicht isoliert und hat sich immer mit den Besten umgeben“, sagte Arnaud Cadart, Portfoliomanager bei Flornoy & Associés, gegenüber AFP.

Für ihn ist er „wirklich von dem, was er tut, besessen—was seinen Erfolg erklärt. Er hat seit 40 Jahren nicht klein beigegeben, er will in jedem Wettkampf der Stärkste sein, und er ist zugleich auch ein hochmoderner Manager, der die Ingenieurmethoden im Luxusbereich eingeführt hat.“

„Französischer Räuber“, „Husar des Luxus“, „Geschäftswolf“, „diskreter Schatzjäger“ oder sogar „Engel der Zerstörung“ für den Journalisten Airy Routier, Autor einer nicht autorisierten Biographie des Milliardärs ist er all das. Seit Jahren überlegt sich die Presse neue Spitznamen, um seinen unersättlichen Appetit zu beschreiben und seinen Raubtierkapitalismus zu kritisieren.

„Terminator“

Sowohl der Konzern als auch der Direktor wurden von den Medien oft als „Meister der Steueroptimierung“ dargestellt: Aber Gerüchte über eine Steueranpassung oder eine Regelung mit den französischen Steuerbehörden wurden nie bestätigt, das Unternehmen gab lediglich an, dass es seine Steuern in Frankreich zahlt, und zwar 1,25 Milliarden Euro im Jahr 2018.

„Leute, die ihm freundlich gesinnt sind, nennen ihn Konquistador, seine Feinde Terminator. Das ist wahrscheinlich der Preis, den man heute als Manager bezahlt. Es bleibt abzuwarten, ob ein guter Finanzier auch ein guter Industrieller ist“, schrieb 1989 Patrick Poivre d'Arvor im Magazin JDD.

Im Juli 2019 wurde Bernard Arnault vom Forbes-Magazin und der Agentur Bloomberg, die sein Vermögen auf über 100 Milliarden Dollar geschätzt haben, als zweitreichster Mann der Welt vor Bill Gates und hinter Jeff Bezos genannt.

Er war zweimal verheiratet und hat fünf Kinder, von denen die meisten in der Familiengruppe arbeiten. Auch in seiner Freizeit ist er Pianist und ein großer Liebhaber der Kunst, der er die Louis Vuitton Stiftung gewidmet hat.(AFP)

Bild: Bernard Arnault / AFP - Francois Guillot