Collins-Chef Benjamin Otto künftig Stratege für Otto Group

Nach dem erfolgreichen Start des Internet-Handelsprojekts Collins übernimmt der bisherige Chef Benjamin Otto mehr Verantwortung für die Otto Group. Vom 1. Juni an wolle er als gestaltender Gesellschafter den Digitalisierungsprozess im Konzern voranbringen, kündigte der 39-Jährige am Montag in Hamburg an. "Ich stehe für die Zukunft von Otto. Ich habe Interesse und Lust, meine Erfahrungen einzubringen." Die Mehrheit an dem Handels- und Dienstleistungsriesen hält die Michael-Otto-Stiftung, in der die Otto-Familie ihre Anteile gebündelt hat.

"Wir sind aus den Kinderschuhen mit Collins herausgewachsen. Das gibt mir die Möglichkeit, die Weichen in der Otto Group zu stellen", sagte Benjamin Otto. Aus mehreren Aufsichtsgremien heraus will er mit seinem Vater Michael Otto, Aufsichtsratschef der Otto Group, weitere Strategien für das "digitale Zeitalter" entwickeln. Er werde nicht in den Vorstand wechseln, stellt der Junior klar. "Auf der obersten strategischen Ebene kann ich am meisten bewirken." Über die Nachfolge von Vorstandschef Hans-Otto Schrader, dessen Vertrag Ende 2016 ausläuft, soll in diesem Herbst entschieden werden.

Geschäftsmodell erbringt Erlöse in Millionenhöhe

Die Online-Handelsplattform Collins wird künftig vom bisherigen Co-Chef Tarek Müller (25) allein geführt. "Wir sind positiv überrascht vom eigenen Erfolg", sagte Müller. Der Online-Händler erzielte in den zehn Monaten des Rumpfgeschäftsjahr 2014/15 (28. Februar) einen zweistelligen Millionenumsatz im unteren Bereich. Eine halbe Million Kunden - "richtig, richtig krass" (Müller) - bestellen Bekleidung und Accessoires über die Internetauftritte "About You" und die eigene Modemarke "Edited". "Wir wachsen durch das Weiterempfehlen", ergänzte Müller. Für 2016/17 sollen Erlöse in dreistelliger Millionenhöhe hereinkommen. Zum Ergebnis wurden keine Angaben gemacht.

Einen ebenfalls dreistelligen Millionenbetrag hatte die Otto Group für das Start-Up bereitgestellt, mit der sie Amazon , Zalando & Co im Internethandel die Stirn bieten will. "Dass Collins so gut angenommen wurde, überrascht mich. Die hohe Kundenbindung macht mir sehr viel Mut", sagte der Vize-Vorstandschef der Otto Group, Rainer Hillebrand. Die Expansion ins deutschsprachige Ausland - nach Österreich und in die Schweiz - ist schon in Angriff genommen worden.

"Wir konnten beweisen, dass unser Geschäftsmodell funktioniert", erläuterte Benjamin Otto. Auf der offenen Handelsplattform können neben den 200 Collins-Mitarbeiter auch Entwickler, Markenanbieter und Händler von außen ihre Ideen einbringen und werden dafür über Provisionen vergütet. 600 Kreative seien registriert, berichteten die Collins-Chefs.

Für den einzelnen Kunden - Zielgruppe sind die 20- bis 40-Jährigen - gibt es individuell zugeschnittene Angebote über einen "Personal Feed", in den seine favorisierten Marken, Farben, Styles und Apps einfließen. "Die Kunden bleiben länger und kaufen mehr", bilanzierte Müller. Die Hälfte der Zugriffe (traffic) komme bereits über mobile Endgeräte.

Die Otto Group weist für das Geschäftsjahr 2014/15 (28. Februar) 12 Milliarden Euro Umsatz aus. Allerdings war der Zuwachs mit 0,5 Prozent nur schwach, und möglicherweise schreibt der Konzern rote Zahlen. Er beschäftigt rund 54 000 Mitarbeiter. (DPA)