Ehemaliger Elite Modelagentur-Chef: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Missbrauchsvorwürfen

Paris - Nach Jean-Luc Brunel, steht nun eine weitere Presönlichkeit aus dem Modelbusiness im Visier der Justiz: Die Pariser Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung gegen Gérald Marie, den ehemaligen europäischen Chef der berühmten Agentur Elite, eingeleitet, nachdem ihn vier Frauen der Vergewaltigung beschuldigt hatten.

Der Jugendschutz untersucht Anschuldigungen der "Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen", so die Staatsanwaltschaft. Der Fall bezieht sich auf Ereignisse, die sich zwischen 1980 und 1998 ereignet haben und verjährt sein könnten.

Gérald Marie, aktuell Direktor der Management-Agentur Oui, war damals der Europachef von Elite, der wichtigsten Modelagentur der Welt, die 1971 in Paris von John Casablancas und Alain Kittler gegründet wurde.

Elite ist weltweit bekannt, weil die Agentur einige der größten Namen des Modelbusiness — wie Naomi Campbell, Claudia Schiffer, Cindy Crawford, aber auch Linda Evangelista, einst Ehefrau von Herrn Marie — hervorgebracht hat.

Die französische Gratiszeitung 20Minutes verkündete Ende September die Anklage des sexuellen Missbrauchs und die drei Vergewaltigungsanzeigen gegen Marie.

In der Anklage behauptet die ehemalige BBC-Journalistin Lisa Brinkworth, dass er sie sexuell belästigt habe, als sie in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1998 mit Gerald Marie in einem Mailänder Club unterwegs war. Diese Begegnung fand statt, nachdem sie die Modeindustrie als Model infiltriert hatte, um "sexuell unangemessenes Verhalten einiger Model-Agenten" in einer Dokumentation für die BBC zu untersuchen.

Nach der Ausstrahlung der Dokumentation, die einen Skandal verursachte, gab Elite den Rücktritt der zwei der beteiligten Führungskräfte, darunter Gérald Marie, bekannt, setzte sie jedoch einige Tage später wieder ein und reichte Verleumdungsklagen gegen die BBC und den Starreporter des Programms, Donal MacIntyre ein. 1999, während des Skandals von Thierry Ardisson in der Show "Tout le monde en parle" wurde Gérald Marie dazu befragt, der die Sache als "Non-Affaire" weggewischte.

"Keine Opfer vergessen"

Diese Fakten scheinen verjährt zu sein, aber Anne-Claire Lejeune, die Anwältin der ehemaligen Journalistin, erinnert an die Existenz einer Vereinbarung, die seinerzeit zwischen der BBC und Elite im Anschluss an die Verleumdungsklage getroffen wurde. Darin wurde es Frau Brinkworth verboten, über den Fall zu sprechen. Diese Vereinbarung "sollte es ermöglichen, die Verjährungsfrist auszusetzen", sagte Lejeune gegenüber der AFP. Die Beschwerde von Frau Brinkworth ist nicht die einzige. Offenbar beschuldigen drei weitere Ex-Models Herrn Marie der "Vergewaltigung" in Paris.

Die Amerikanerin Jill Dodd meldete eine Vergewaltigung, die sich angeblich im Jahr 1980 ereignete, in dem Jahr, in dem sie 19 Jahre alt wurde; eine andere Amerikanerin, Carre Sutton, klagt den Modelboss "zahlloser" Vergewaltigungen im Jahr 1986 an, als sie 17 Jahre alt war, und die Schwedin Ebba Karlsson, geboren 1969, klagt ihn einer Vergewaltigung an, die sich angeblich 1990 ereignete. Diese Taten sind verjährt.

Die AFP versuchte erfolglos, den Anwalt von Herrn Marie zu kontaktieren. Letzterer hat am Samstag die Vorwürfe gegenüber der Sunday Times "kategorisch dementiert".

„Dies ist ein ermutigender erster Schritt und eine Erleichterung für die Opfer", sagte Lejeune. „Ich hoffe, dass diese Untersuchung anderen den Mut geben wird, ihre Stimme zu erheben. Die Justiz zögert nicht mehr, Ermittlungen zu scheinbar verjährten Taten einzuleiten, so dass "keine Opfer vergessen werden", erklärte der Pariser Staatsanwalt Rémy Heitz im Februar nach einem Zeugenaufruf zum Fall des pädophilen Schriftstellers Gabriel Matzneff.

Frankreichs Modewelt geriet bereits 2019, während der US-Untersuchung des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, der im Juli 2019 im Gefängnis starb, als er beschuldigt wurde, Dutzende von Minderjährigen sexuell missbraucht zu haben, ins Auge der Fahnder.

In Frankreich wurde anschließend eine Untersuchung eingeleitet und ein Zeugenaufruf gestartet. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der Franzose Jean-Luc Brunel, Gründer der Model-Agenturen Karin Models und MC2 Model Management, der der "Vergewaltigung" und des "sexuellen Übergriffs" beschuldigt wird und angeblich für Herrn Epstein junge Mädchen aus bescheidenen Verhältnissen in die Vereinigten Staaten "gebracht" haben soll, indem er ihnen die Aussicht auf eine Model-Karriere anbot. Er sagte, er stehe "der Justiz zur Verfügung". (AFP)

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bild: Pexels

 

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