Führungswechsel bei Adidas: Die Ära Hainer endet im Herbst

Bei Adidas geht eine Ära zu Ende: Vorstandschef Herbert Hainer, der den Sportartikelkonzern aus Herzogenaurach seit 2001 führt, wird seinen Posten im kommenden Herbst aufgeben. Der Nachfolger steht schon fest: Es ist Kasper Rorsted. Der 53 Jahre alte Däne leitet seit 2008 den Konsumgüterkonzern Henkel.

Adidas gab den Führungswechsel am Montag bekannt. Demnach wird Rorsted am 1. August in den Vorstand berufen und am 1. Oktober den Vorstandsvorsitz übernehmen. Hainer wird am 30. September abtreten, einige Monate vor dem Ende seines laufenden Vertrages im März 2017. Er habe sich „bereit erklärt“, sein Vorstandsmandat vorzeitig abzugeben, weil sein designierter Nachfolger „bereits ab dem Sommer für sein neues Amt zur Verfügung steht“, erklärte das Unternehmen. Im August und September soll Hainer im Vorstand mit Rorsted zusammenarbeiten, um „einen reibungslosen Übergang an der Spitze des Konzerns zu gewährleisten“.

Aufsichtsratschef Igor Landau rühmte die Verdienste des scheidenden Chefs: „Herbert Hainer hat für die Adidas-Gruppe Enormes geleistet“, erklärte er. „Unter seiner Führung hat sich der Umsatz der Adidas-Gruppe verdreifacht, der Gewinn und die Mitarbeiterzahl haben sich vervierfacht, der Wert des Unternehmens ist von drei Milliarden Euro auf 18 Milliarden Euro gestiegen.“ Zudem sei Adidas unter Hainers Ägide „zum nachhaltigsten Unternehmen Europas und zu einem der attraktivsten Arbeitgeber der Welt geworden“.

Doch Haiders Zeit bei Adidas war zuletzt keine ungetrübte Erfolgsgeschichte mehr. 2014 brach der Gewinn ein, das Unternehmen verlor im Laufe des Jahres etwa ein Drittel seines Börsenwertes, auch weil es seine Gewinnziele nach unten korrigieren musste. Im Russland-Geschäft und bei der Golfsparte kriselte es auch zuletzt noch mächtig. Hinzu kamen empfindliche Niederlagen: So verlor Adidas in den USA seinen zweiten Platz hinter dem weit enteilten Marktführer Nike. Der junge Konkurrent Under Armour, der Quartal für Quartal mächtige Zuwächse verbuchen kann, erwirtschaftet inzwischen auf dem weltgrößten Markt für Sportartikel höhere Umsätze als das Traditionsunternehmen aus Herzogenaurach.

Kasper Rorsted, der Vorstandschef des Konsumgüterkonzerns Henkel, wird Anfang Oktober die Nachfolge Hainers antreten

Anderswo liefen die Geschäfte für Adidas besser, im Fußballsegment ist das Unternehmen nach wie vor die weltweite Nummer eins. Und so sahen die jüngsten Zahlen trotz aller Probleme insgesamt gar nicht schlecht aus: In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 verbesserte der Konzern seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 16,7 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro. Der Nettogewinn nach Minderheitenanteilen wuchs immerhin um 7,6 Prozent auf 678 Millionen Euro.

Angesichts des schwachen Jahres 2014, der anhaltenden Schwierigkeiten in einigen Regionen und Segmenten und des mittlerweile gewaltigen Rückstandes auf den Branchenführer Nike waren solche Fortschritte wichtigen Aktionären aber schon länger nicht mehr genug. Bereits vor Monaten waren daher Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied Hainers laut geworden. Und so sorgte die Ankündigung des Führungswechsels am Montag dafür, dass der Kurs der Adidas-Aktie zwischenzeitlich um mehr als elf Prozent in die Höhe schnellte. Bei Börsenschluss war immerhin noch ein Zugewinn von rund sechs Prozent übriggeblieben.

Die neue Euphorie der Anleger wurde nicht nur von Hainers Abschied befeuert, sondern auch von der Erfolgsbilanz seines Nachfolgers. Rorsted hat Henkel in den vergangenen Jahren auf Effizienz getrimmt und den Aktionären satte Kursgewinne beschert. Darauf hoffen nun auch die Adidas-Anleger.

Entsprechend groß waren auch die Vorschusslorbeeren, die Rorsted, der vor seinem Aufstieg an die Spitze von Henkel unter anderem für Oracle, Compaq und Hewlett Packard, aber nie in der Sport- oder Bekleidungsbranche gearbeitet hatte, von seinem zukünftigen Arbeitgeber erhielt. „Kasper Rorsted ist der perfekte Kandidat, um als Vorstandsvorsitzender der Adidas AG die Nachfolge von Herbert Hainer anzutreten“, sagte Aufsichtsratschef Landau. „Ich bin überzeugt, dass er gemeinsam mit dem Topmanagement der Adidas-Gruppe die dynamische Wachstumsstrategie des Unternehmens fortsetzen und die Adidas-Gruppe zu neuen Erfolgen führen wird.“

Fotos: Adidas AG
 

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