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Flipkart übernimmt eBay in Indien

Nach Sicherung von 1,4 Milliarden US-Dollar (1,29 Milliarden Euro) durch die US-Unternehmen eBay und Microsoft und das chinesische Tencent in einer Finanzierungsrunde zu Beginn des Monats macht der indische Online-Marktplatz Flipkart, der inzwischen mit 11,6 Milliarden US-Dollar (rund 10,65 Milliarden Euro) bewertet wird, mit der Übernahme von eBay India weiter.

Von der Kooperation versprechen sich beiden E-Commerce-Unternehmen Vorteile: Während Flipkart durch den Zugriff auf eBays gesamtes Inventar seinen indischen Kunden ein größeres Angebot bieten und damit gezielter gegen den Rivalen Amazon vorgehen kann, können eBay-Händler den indischen Markt einfacher erreichen. Beide Unternehmen setzen verstärkt auf den grenzübergreifenden Handel.

Der Verkauf von eBays Indien-Geschäft an Flipkart für 500 Millionen US-Dollar (rund 459 Millionen Euro) soll laut eBay-Finanzchef Scott Schenkel in der zweiten Jahreshälfte vollzogen werden; Geschäftsführer Devin Wenig ist optimistisch angesichts der neuen exklusiven Partnerschaft.

eBay ist im Jahr 2004 auf den indischen Markt getreten, während Flipkart im Jahr 2007 gegründet wurde. 2015 lag die Bewertung des indischen Start-ups noch bei 15 Milliarden US-Dollar (13,77 Milliarden Euro).

Foto: ebay India Website
Recht und Praxis: Saint Laurent – Ist "anstößige" Werbung in Deutschland verboten?

„Herabwürdigend, unterwürfig und sexistisch“ - das sind die Meinungen zur aktuellen Werbekampagne der Luxusmarke Saint Laurent, welche kürzlich in Paris für Wirbel gesorgt hat. Ein Plakat zeigt ein Magermodel, welches sich auf einen Hocker stützt, das andere ein Model, das in Pelzmantel und Netzstrumpfhose mit gespreizten Beinen auf dem Boden liegt. Laut dem französischem Werberat ARPP setzen diese Plakate das Bild der Frau in der Gesellschaft herab. Das Modehaus wurde deshalb dazu aufgefordert, die umstrittenen Werbeplakate wieder abzuhängen.

Aufmerksamkeitswerbung, ob nun mit oder ohne Produktbezug, ist in Deutschland an der Tagesordnung. Solche Werbung soll das Unternehmen mit gesellschaftspolitischen Themen in ein positives Licht rücken und den Bekanntheitsgrad steigern. Auch "Schockwerbung" ist in Deutschlang keine Seltenheit. Unternehmen setzen diese Form der Werbung ein, um den Absatz ihrer Ware mit emotionaler Werbung zu fördern. Solche Imagewerbung ist – jedenfalls im Grundsatz – wettbewerbsrechtlich zulässig.

Im Grundsatz erlaubt, aber mit Grenzen

Es gibt jedoch Grenzen. Eine absolute Grenze ist stets das Grundgesetz und dort vor allem die Menschenwürde. Problematisch sind damit Werbekampagnen mit diskriminierenden Inhalten sowie die Darstellung von Gewalt, Erniedrigung, Brandmarkung, Verfolgung oder Ächtung. Auch Verstöße gegen die "guten Sitten" können unter Umständen untersagt werden. Hierhin gehört zum Beispiel die Fallgruppe der gefühlsbetonten Werbung, z.B. mit leidenden Tieren. Verstöße können jedoch immer nur durch eine Einzelfallbetrachtung festgestellt werden, so dass sich klare Grenzen nicht abstrakt bestimmen lassen.

Der Fall Benetton

Ein bekanntes Beispiel in diesem Zusammenhang ist der "Benetton-Fall": Bereits 1995 entscheid der Bundesgerichtshof (BGH), dass das Modelabel Benetton nicht mit aidskranken Menschen, der Darstellung von Kinderarbeit und ölverpesteten Enten für seine Kleidung werben darf, da diese Art der Aufmerksamkeitswerbung gegen die Menschenwürde verstoße und sittenwidrig sei. Die Urteile des BGH wurden jedoch vom Bundesverfassungsgericht nach einem insgesamt neun Jahre andauernden Rechtsstreit wieder gekippt. Das Gericht gab der Meinungsfreiheit Benettons jeweils den Vorrang und erklärte die Werbung für zulässig.

Auch sonstige gesetzliche Grenzen kommen in Betracht. Auf französischen Laufstegen zum Beispiel sind seit Dezember letzten Jahres Magermodels gesetzlich verboten. Eine solches Verbot lässt sich in den deutschen Gesetzen allerdings bislang nicht finden.

Recht und Praxis: Saint Laurent – Ist "anstößige" Werbung in Deutschland verboten?

Bei der kommerziellen Kommunikation sind aber ggf. nicht nur die gesetzlichen Grenzen einzuhalten. Darüber hinaus wurden von der Wirtschaft freiwillige Grenzen festgelegt. Der Deutsche Werberat, ein Organ der freiwilligen Selbstkontrolle, trägt Verantwortung für ein geordnetes Werbeverhalten in Deutschland. Beim Werberat gingen im letzten Jahr deutlich mehr Beschwerden vor allem gegen sexistische Werbung ein – teils waren diese begründet, teils unbegründet.

Auch in der Politik scheint sexistische Werbung immer mehr zum Thema zu werden. Seit April 2016 gibt es einen Entwurf zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, welcher ein Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung vorsieht. Es bleibt abzuwarten, ob die Spielregeln für Werbung in Deutschland damit strenger werden.

Janina Voogd ist Rechtsanwältin und Senior Associate in der Praxisgruppe Gewerblicher Rechtsschutz im Münchener Büro der Sozietät Noerr LLP. Sie berät nationale und internationale Unternehmen in allen Bereichen des Marken- und Designrechts. Darüber hinaus berät sie im Wettbewerbsrecht sowie in Domain-Streitigkeiten. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Beratung von Unternehmen in der Modebranche. Janina Voogd ist Lehrbeauftragte für Marken- und Designrecht an der AMD Akademie Mode & Design in München.

Bild: Saint Laurent campaign, Yves Saint Laurent und YSL, Facebook

Baur: Klassischer Versandhandel verhagelt die Bilanz

Die in letzter Zeit etwas ins Hintertreffen geratene Baur-Gruppe, unterstrich im Geschäftsjahr 2016/2017 wieder ihre Ertragsstärke. Die Tochter der Otto Group konnte eigenen Angaben zufolge bei leicht verminderten Umsätzen das Ergebnis steigern und erwirtschaftete über alle Geschäfte hinweg eine durchschnittliche Umsatzrendite von rund fünf Prozent.

Allerdings konnte das Unternehmen vor allem auf dem Dienstleistungs-Sektor punkten, während das traditionelle Versandhandelsgeschäft weiter herbe Rückschläge hinnehmen musste. Als größter Ladenhüter erwies sich beim Baur Versand einmal mehr der Modebereich. Wie das Management auf die eigene Analyse, die dem Modegeschäft und vor allem DOB besonders eine besonders unbefriedigende Entwicklung bescheinigt, reagieren wird, bleibt abzuwarten.

Es könnte jedoch gut sein, dass das Fashion-Sortiment bei Baur ordentlich ausgemistet und zugunsten des prosperierenden Geschäfts mit Wohnaccessoires weiter zurückgefahren wird. Schließlich setzte der Baur Versand im abgelaufenen Geschäftsjahr sechs Prozent weniger um als im Vorjahr.

Zumindest soll der Markenauftritt künftig Zielgruppen affiner ausgestaltet werden. Ein Spezialist für „Fashion“ und „Home“ wolle man werden, heißt es. Zudem setze man verstärkt auf das Segment „Lifestyle“ und wolle eine stärkere Kundenbindung durch „Inspiration, Beratung und Community“ erreichen.

So aufgestellt, soll Baur künftig auch wieder zu einer positiven Umsatzentwicklung der Unternehmensgruppe beitragen. „Die angestoßenen Maßnahmen eröffnen hohes Wachstumspotenzial und lassen im Geschäftsjahr 2017/2018 einen Umsatzsprung der Baur-Gruppe auf über 700 Millionen Euro erwarten“, so das Management.

Foto: Baur

Flächenexpansion: Oasis mietet sich bundesweit bei Karstadt ein

Die britische Modemarke Oasis drückt bei der Umsetzung seiner ambitionierten, internationalen Expansionspläne auf’s Tempo und plant, noch in diesem Jahr eine nahezu flächendeckende Präsenz auf dem deutschen Markt zu erreichen.

Ein umfassender Deal mit dem Warenhausbetreiber Karstadt soll nun dabei helfen, das anspruchsvolle Timing der Briten einzuhalten. Sogenannte „Concessions Stores“, eine Art Shop-in-Shop-System, sollen bereits am 28. April eröffnet werden – zunächst in der Hamburger Mönckebergstraße, in den darauffolgenden Wochen dann in Saarbrücken, Frankfurt und Bremen. In einer zweiten Eröffnungsphase ab Mitte Juli sollen dann weitere Stores in Giesen und Hannover folgen.

Die Expansion sei „die logische Folge der internationalen Expansionsstrategie von Oasis“, lässt das Label wissen. Neben Schweden, Russland, Singapur, Chile, Kuwait und Zypern ist die Marke in 24 Ländern mit eigenen Shops vertreten. Mit der Eröffnung des Concessions Store mit Karstadt zählt die Modemarke eigenen Angaben zufolge 112 internationale Standorte.

Foto: Oasis

Berliner Polit- und Wirtschaftsallianz will grüne Labels fördern

Der rot-rot-grüne Senat in Berlin setzt seine ökologischen Ansprüche langsam in die Tat um, zumindest im Modegeschäft. So soll die lokale Textilwirtschaft stärker gefördert werden, um der umweltschädlichen Fast Fashion Kultur regionale Produktionen zu fairen Bedingungen entgegenzusetzen. Besondere Zuwendung sollen Berliner Labels erhalten, die nachhaltig und ökologisch produzieren.

Dafür hat sich die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe mit dem Fashion Council Germany und der Messe Frankfurt (Veranstalter von Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin) zusammengeschlossen. Gemeinsam stelle man noch diese Woche ein neues „Mentoring-Programm zum Thema Nachhaltigkeit für Berliner Designer und Designerinnen“ auf, heißt es.

Berlin sei schließlich der Standort für innovative Anwendungen im FashionTech und Smart Wearables-Bereich, Standort starker Onlinehändler und aufstrebender Modelabels sowie mit der Berlin Fashion Week Heimat der wichtigsten Leitveranstaltung im Modebereich, so die Begründung des Förder-Trios. Zudem werde der Ruf nach Nachhaltigkeit in der Modebranche immer lauter. „Viele Modelabels haben großes Interesse, ihre Kollektionen zu fairen Bedingungen und umweltschonend herzustellen. Zunehmend mehr Konsumenten achten bei dem Kauf darauf, unter welchen Bedingungen und in welcher Region Kleidungsstücke produziert wurden“, so die Messe Frankfurt.

Präsenz auf grünen Messen im Lostopf

Ramona Pop, die verantwortliche Berliner Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, erhofft sich von der Initiative vor allem eine Stärkung der Nachwuchs-Labels, die sich in den letzten Jahren in stets wachsender Zahl in der Hauptstadt angesiedelt haben: „Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir mit dem Mentoring- Programm die Themen nachhaltige Produktion und Kreislaufwirtschaft stärken sowie die Basis an nachhaltig produzierenden Start-ups in Berlin verbreitern.“ Gezieltes Coaching solle den Unternehmen helfen, sich erfolgreich im Markt zu positionieren.

Bis zum 7. Mai 2017 können sich nun in Berlin ansässige Designerinnen und Designer für die Teilnahme an dem sechsmonatigen Mentoring-Programm bewerben und somit von den angebotenen Coachings und Workshops durch „Experten im Kreativ-, Produktions- und Vertriebsprozess als auch im Strategie- und Medienbereich“ profitieren. Nach Abschluss der Bewerbungsphase wählt eine Jury, bestehend aus nationalen Design- und Nachhaltigkeitsexperten, zwei Modelabels aus, die das Mentoring-Programm 2017 durchlaufen werden.

Neben dem Mentoring und den Workshops ermöglicht die Messe Frankfurt den ausgewählten Modelabels zudem eine Teilnahme am Greenshowroom in Berlin im Rahmen der Fashion Week im Sommer 2017. Bewerbungen können den Initiatoren zufolge ab sofort über ein Uploadtool auf der Website www.fashion-week-berlin.com hochgeladen werden.

Foto: Thomas Lohnes, Getty Images / Messe Frankfurt

Löhne in Bangladesch: Ist das Existenzminimun in Sicht?

KOMMENTAR Während im Rahmen des vierten Jahrestages des Rana Plaza-Unglücks die Aufmerksamkeit auf Brandschutz, Gebäude- und allgemeine Sicherheit am Arbeitsplatz gelegt wurde- was in der Tat löblich ist - ist jedoch ein wichtiger Faktor im Leben der Arbeiter zu kurz gekommen: ihre Löhne. Mit einem Mindestlohn von 35 US-Dollar und Monatslöhnen von Bekleidungsarbeitern bei 61 US-Dollar (beziehungsweise 68 US-Dollar, je nach Quelle), hat Bangladesch noch einen langen Weg vor sich, bis es das Existenzminimum erreicht.

Wie die schockierende Illustration oben zeigt, verdient ein durchschnittlicher Bekleidungsarbeiter in 18 Monaten soviel, wie der Leiter/die Leiterin einer Modemarke in seiner/ihrer Mittagspause. Dieser Vergleich wurde als Teil der "Garment Worker Diaries" angelegt, einem einjährigen Forschungsprojekt von Microfinance Opportunities in Zusammenarbeit mit Fashion Revolution, unterstützt von der C&A Foundation. Das Projekt sammelt Daten zum Leben von Bekleidungsarbeitern in Bangladesch, Kambodscha und Indien und ist etwas mehr als halb abgeschlossen.

Leider scheint es in Bangladesch wenig Handlungssielraum zu geben, denn die beiden Parteien an den entgegengesetzten Enden des Spektrum liegen sich in den Haaren: Während Bekleidungsarbeiter und Gewerkschaften auf ihre mickrigen Löhne und lange Arbeitsstunden aufmerksam machen, die das Leben der Arbeiter mühsam und ungesund machen, bedienen Fabrikbesitzer und Branchenverbände wie der BGMEA ihre liebste Abschreckungstaktik: dass Auftraggeber und Aufträge fernbleiben und in billigere Länder wie zum Beispiel Äthiopien abwandern würden, sollten die Löhne in Bangladesch steigen.

Würden sich Auftraggeber wirklich aus Bangladesch zurückziehen, sollten die Löhne steigen?

Auftraggeber werden sich auf keinen Fall plötzlich zurückziehen, besonders nicht aus einem starken textil- und bekleidungsproduzierendem Land wie Bangladesch. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen: Zum einen gibt es außer China und Indien kein anderes Land, das eine bereitwillige und junge Arbeiterschaft in Millionenhöhe bereitstellen kann. Zum anderen gibt es auch kaum ein anderes Land, das einen so niedrigen Mindestlohn hat wie Bangladesch. Nachbarn in der Region wie Sri Lanka und Myanmar, die sich bereits am unteren Ende des Spektrums befinden, liegen mit rund 88 US-Dollar pro Monat schon darüber, während Länder wie Vietnam, Pakistan und Indien ebenfalls darüber liegen.

Drittens hat sich Bangladesch Textil- und Bekleidungszentren mit Infrastruktur und Liefernetzwerken über Jahre aufgebaut; diese kann auch ein aufstrebendes textil- und bekleidungsproduzierendes Land wie Äthiopien nicht über Nacht nachbauen. Zudem werden Auftraggeber, die darüber nachdenken, ihr Beschaffungsland zu wechseln, vorher sorgfältig Vor- und Nachteile wie diese abwägen.

Viertens, schauen wir uns Chinas Beispiel noch einmal an. Hier sind die Löhne in den letzten paar Jahren tatsächlich stark angestiegen; sie haben sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht und mit durchschnittlich 239 US-Dollar pro Monat fast das Existenzminimum erreicht. Davon ist Bangladesch mit 61 (oder 68) US-Dollar pro Monat noch meilenweit entfernt. Außerdem sind die Löhne in China nicht von einem Jahr aufs andere gestiegen, sondern über einen Zeitraum von zehn Jahren; die gleiche schrittweise Entwicklung wäre in Bangladesch zu erwarten.

Löhne in Bangladesch: Ist das Existenzminimun in Sicht?

Und dies würde Herstellern, fünftens, genug Zeit geben, um mit ihren internationalen Auftraggebern er(n)ste Gespräche zu führen und sie um Unterstützung zu bitten, wenn es darum geht, ihren Arbeitern und Arbeiterinnen faire Löhne zu zahlen. Und welcher große Einzelhändler, welche renommierte Marke könnte keine positive Publicity gebrauchen? Wer wäre nicht gern die erste Marke oder der erste Einzelhändler, der Fabriken beschäftigt, die Löhne am Existenzminimum zahlen oder sich sonst gut um ihre Arbeiter kümmern? Besonders angesichts von Kunden, die zunehmend hinterfragen, wo und zu welchen Bedingungen die Kleidungsstücke hergestellt werden, die sie tragen. Und die zunehmend ihre Einkaufsentscheidung von der Antwort beeinflussen lassen.

Was uns zu der nächsten Überlegung bringt: Wenn Fabrikbesitzer zögern, die von ihnen gezahlten Löhne zu steigern, dann gibt es viele andere Wege, in denen sie ihren Arbeitern helfen können. Durch Essensrationen zum Beispiel: Reis, Gemüse und Hülsenfrüchte sind billiger, kauft man sie in großen Mengen. Und diese Lebensmittel würden den Speiseplan der Arbeiter durchaus bereichern. Dann gibt es noch die Krankenversicherung - warum sich nicht mit einem großen Versicherer zusammentun und Arbeitern und ihren Familien kostenlose oder subventionierte Versorgung anbieten?

Es gibt viele Möglichkeiten, durch die Fabrikbesitzer und internationale Auftraggeber helfen können - und helfen sollten. Wenn schon nicht aus humanitärer Sicht, dann doch wenigstens aus wirtschaftlicher. Denn glückliche und gesunde Arbeiter und ihre Familien sind bessere Arbeiter mit weniger Ausfällen durch Krankheitstage oder Notfällen zu Hause. Außerdem würden sie sich gut überlegen, ob sie ihren Job wechseln, wenn sie sich bei ihrem Arbeitgeber gut aufgehoben fühlen. Und damit würde auch der Verlust von Kenntnissen und fabrikeigenem Wissen vermieden werden.

Eine Ausweitung dieser Anstrengungen sind Projekte wie "The Garment Worker Diaries" - Fashion Revolution wird die Erkenntnisse, die sich aus der genauen Beobachtung aus dem Leben der Arbeiter in verschiedenen Entwicklungsländern ergeben, auswerten und dazu nutzen, "sich für Veränderungen im Verhalten der Verbraucher und Unternehmen und Richtlinien einzusetzen, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bekleidungsarbeitern weltweit verbessern". Hoffen wir mal, dass Auftraggeber, Hersteller und andere Branchenakteure auch zuhören.

Abbildung 1: von Georgia Keeling für Money Fashion Power; Statistikquelle: Labour Behind the Label; Abbildung
2: Stitches to Riches via worldbank.org

Kering steigert Umsatz im ersten Quartal um 31 Prozent

Der französische Luxusgüterkonzern Kering hat einen Blitzstart ins Geschäftsjahr 2017 hingelegt. Im ersten Quartal konnte der Mutterkonzern des deutschen Sportartiklers Puma seinen Umsatz mächtig steigern. Das geht aus einem Zwischenbericht hervor, den Kering am Dienstag vorlegte. Wachstumstreiber waren vor allem die edlen Modemarken der Unternehmensgruppe. Vor allem das lange kriselnde Label Gucci erlebte einen rasanten Aufschwung.

In den ersten drei Monaten des Jahres stieg der Konzernumsatz aus fortgeführten Geschäften um 31,2 Prozent auf 3,57 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis, also bereinigt um Währungseffekte und Veränderungen in der Gruppenstruktur, wuchsen die Erlöse um 28,6 Prozent. Nach Angaben des Unternehmens wurden zweistellige Zuwächse in allen Marktregionen mit Ausnahme von Japan erzielt.

Konzernchef François Pinault freute sich über die „rasante Beschleunigung des Umsatzwachstums“, die zu neuen Rekordzahlen geführt habe. Neben „etwas besseren Rahmenbedingungen“ seien die „gewissenhafte Umsetzung unserer Strategie“ und die „kreative Kühnheit“ der einzelnen Marken für den Aufschwung verantwortlich gewesen.

Im Luxusgütersegment wuchsen die Erlöse um 34 Prozent

Besonders erfolgreich war die Luxusgütersparte: Ihre Umsätze wuchsen im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 34,0 Prozent (währungsbereinigt +31,6 Prozent) auf 2,42 Milliarden Euro. Überdurchschnittlich entwickelte sich dabei der eigene Einzelhandel: In den Boutiquen des Konzerns stiegen die Erlöse währungsbereinigt um 36,6 Prozent, im Online-Geschäft wurden sie sogar um 60,1 Prozent verbessert. Der Großhandelsumsatz übertraf das Vorjahresniveau währungsbereinigt um 20,2 Prozent.

Von den im Segment geführten Marken verzeichnete Gucci die höchsten Zuwächse: Die Erlöse des Modehauses stiegen um 51,4 Prozent (währungsbereinigt +48,3 Prozent). Der Konzern führte das auf den „durchschlagenden Erfolg der kreativen Neuerfindung“ des Labels zurück. Deutlich zulegen konnte auch Yves Saint Laurent (+35,4, währungsbereinigt +33,4). Bei Bottega Veneta stiegen die Erlöse um 4,7 Prozent (währungsbereinigt +2,3 Prozent), der gemeinsame Umsatz der übrigen Luxusmarken des Konzerns, zu denen unter anderem Balenciaga, Brioni, Stella McCartney und Alexander McQueen zählen, wuchs um 12,3 Prozent (währungsbereinigt +11,1 Prozent).

In der Sparte Sport und Lifestyle sorgte der deutsche Sportartikelhersteller Puma mit einem starken Quartal dafür, dass die Erlöse um 16,5 Prozent (währungsbereinigt +14,0 Prozent) auf 1,06 Milliarden Euro wuchsen. Der Umsatz von Puma stieg um 17,9 Prozent (währungsbereinigt +15,3 Prozent) auf 1,01 Milliarden Euro, die gemeinsamen Umsätze der Marken Volcom und Cobra schrumpften demgegenüber um 3,5 Prozent (währungsbereinigt -6,3 Prozent) auf 55,2 Millionen Euro.

Foto: Gucci Facebook-Page
Ludwig Beck: Kleines Umsatzminus im ersten Quartal

Der Münchener Modehändler Ludwig Beck AG ist mit einem leichten Umsatzrückgang ins neue Jahr gestartet. Das geht aus den Zahlen für das erste Quartal 2017 hervor, die das Unternehmen am Dienstag veröffentlichte. Der Verlust fiel ähnlich hoch aus wie im Vorjahreszeitraum. Angesichts der vorliegenden Resultate bestätigte der Vorstand seine Jahresprognosen.

Im ersten Quartal belief sich der Bruttoumsatz des Konzerns auf 36,6 Millionen Euro. Damit lag er um 1,9 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresniveau von 37,3 Millionen Euro. Im traditionellen Kerngeschäft, das neben dem Stammhaus am Münchener Marienplatz unter anderem auch den Online-Shop einschließt, sanken die Bruttoerlöse um ein Prozent auf 20,8 Millionen Euro, im zweiten Konzernsegment, dem 2015 übernommenen Herrenmodehändler Wormland, schrumpften sie um drei Prozent auf 15,8 Millionen Euro.

Der Nettoumsatz auf Konzernebene ging um 1,9 Prozent auf 30,8 Millionen Euro zurück. Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen im deutschen Modehandel bewertete der Vorstand die Geschäftsentwicklung in den ersten drei Monaten insgesamt als „zufriedenstellend“.

Der Nettoverlust belief sich in den ersten drei Monaten auf 2,6 Millionen Euro

Beim Ergebnis profitierten die Münchener von Einsparungen – und vom Wetter: „Durch die kalte Witterung konnte die margenschwächere Winterware im Verhältnis zum Vorjahr überproportional gut abverkauft werden“, erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung. So lag der operative Verlust auf EBIT-Basis mit 2,4 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Während die Sparte Ludwig Beck ein kleines Plus erwirtschaftete (0,1 Millionen Euro), stieg der Betriebsverlust im Segment Wormland von 2,4 auf 2,6 Millionen Euro. Der Konzernverlust vor Steuern blieb mit 2,7 Millionen Euro konstant, der Fehlbetrag nach Steuern stieg leicht von 2,5 auf 2,6 Millionen Euro.

Die vorgelegten Quartalszahlen gaben dem Vorstand keinen Anlass, etwas an den Jahresprognosen zu ändern. So rechnet er für 2017 weiterhin mit einem Warenumsatz auf Konzernebene zwischen 170 und 180 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll vier bis sechs Millionen Euro erreichen. Im vergangenen Jahr hatte das EBIT bei 6,3 Millionen Euro gelegen.

Foto: Ludwig Beck AG
LVMH plant vollständige Übernahme von Christian Dior

Der französische Luxusgüterkonzern Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) hat am Dienstag angekündigt, das Modehaus Christian Dior Couture komplett übernehmen zu wollen. Sollte das Vorhaben gelingen, wird der Konzern die Traditionsmarke in seine Mode- und Lederwarensparte integrieren.

LVMH hält bereits rund 74 Prozent der Anteile an Christian Dior. Für die noch ausstehenden Aktien bietet die Arnault Family Group, die Finanzholding des Konzernchefs Bernard Arnault, den gegenwärtigen Anteilseignern eine Kombination aus Bargeld und Anteilsscheinen am französischen Modehaus Hermès. Das Angebot ist mit einem Wert von 260 Euro pro Aktie so bemessen, dass die Anteilseigner einen Aufschlag von rund 15 Prozent auf den aktuellen Börsenkurs von Christian Dior erhalten werden. Geplant sind zudem alternative Angebotsvarianten, die eine vollständige Zahlung in bar oder in Hermès-Aktien vorsehen.

LVMH will durch die Übernahme Strukturen vereinfachen und seine Modesparte stärken

„Dieses Projekt bildet einen wichtigen Meilenstein für die Gruppe“, erklärte LVMH-Chef Bernard Arnault. „Die Transaktion erlaubt es uns, Strukturen zu vereinfachen, was die Märkte seit langem gefordert haben.“ Außerdem werde die Mode- und Lederwarensparte von LVMH durch die Übernahme „einer der ikonischsten Marken der Welt“ gestärkt, so Arnault.

Nach Angaben von LVMH unterstützt die Unternehmensführung von Christian Dior die Pläne. Ein offizielles Kaufangebot will der Konzern Ende Mai abgeben, die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Voraussetzung ist die Zustimmung der zuständigen Wettbewerbs- und Finanzbehörden.

Foto: Christian Dior Facebook-Page

Der Sportartikelhersteller Puma ist mit einem Gewinnsprung in das neue Geschäftsjahr gestartet. Das Konzernergebnis habe sich im ersten Quartal mit 49,6 Millionen Euro fast verdoppelt, wie der Adidas-Konkurrent am Dienstag mitteilte. Puma hatte bereits Mitte April vorläufige Zahlen für das Quartal genannt und dank der guten Entwicklung die Jahresprognose erhöht.

So stieg der Umsatz um 18 Prozent auf rund 1 Milliarde Euro. «Zum ersten Mal in unserer Unternehmensgeschichte haben wir einen Quartalsumsatz von über 1 Milliarde Umsatz erzielt», erklärte Vorstandschef Björn Gulden. Dabei trugen alle Regionen zum Wachstum bei; Umsatztreiber war erneut das Geschäft mit Schuhen.

Wie Puma weiter mitteilte, konnte das Unternehmen Ausrüsterverträge für zwei weitere bekannte Fußballclubs abschließen. Ab der Saison 2018/19 stattet Puma den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach sowie den französischen Club Olympique Marseille aus. Bislang ist Puma Ausrüster unter anderem von Borussia Dortmund. (DPA)