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Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft - Einblicke vom Sankalp Global Summit 2023

Von Simone Preuss

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Sankalp Global Summit 2023. Bild: Sumit Suryawanshi für FashionUnited

Der Sankalp Global Summit, eine der weltweit größten Plattformen für integrative Entwicklung mit Schwerpunkt auf Unternehmertum und Impact Investing, fand am 19. Oktober 2023 in Mumbai statt. Die 15. Ausgabe bot mehr als 25 Veranstaltungen, Hunderte von Delegierten aus Indien und dem Ausland und eine große Reichweite in den sozialen Medien.

Das Programm war in sechs Hauptthemenbereiche unterteilt: Landwirtschaft und Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen, Kreislaufwirtschaft, saubere Energie und Dekarbonisierung bis zum Netto-Nullpunkt, Impact Entrepreneurship und Investieren, widerstandsfähige Gemeinschaften sowie Gender und Lebensgrundlagen. FashionUnited verfolgte den Themenbereich Kreislaufwirtschaft mit drei Sitzungen, da dieser dem Textil- und Bekleidungssektor gewidmet war.

Dekarbonisieren

Moderator Siddharth Lulla (links) mit Amit Kumar, Akash Singh, Nikesh Raj und Annie George (von links nach rechts). Bild: Sumit Suryawanshi for FashionUnited

Die erste Podiumsdiskussion widmete sich der Frage, was auf dem Weg zu einer dekarbonisierten Textil- und Bekleidungsindustrie in Südasien nötig sei. Im Hinblick auf die im Pariser Abkommen für 2030 festgelegte Frist für die Reduzierung der Emissionen um 45 Prozent hat sich die Textil- und Bekleidungsindustrie verpflichtet, die Emissionen in der gesamten Lieferkette drastisch zu senken. Allerdings sehen sich Marken und herstellende Betriebe auf ihrem Weg zur Dekarbonisierung mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, darunter ein begrenztes Know-how und Verständnis sowie ein mangelnder Zugang und ein begrenztes Bewusstsein für kohlenstoffarme Lösungen.

Für Annie George, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit bei Decathlon, kommt es darauf an, den Verbrauch zu reduzieren, saubere Energien zu nutzen und die Auswirkungen auf den Betrieb auszugleichen beziehungsweise um Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Rückführbarkeit am Ende der Lebensdauer auf Produktseite. Während alternative Komponenten und umweltfreundliches Design wichtig sind, verweist sie auch auf die Tradition einer Marke, mit der Designer:innen arbeiten müssen. In Bezug auf die Produktion geht es darum, neue Betriebe zu finden oder die alten umzuwandeln, aber in beiden Fällen sind langfristige Beziehungen der Schlüssel.

Waste to Value - Schuhe von Neema’s aus recycelten PET-Flaschen und eine Tasche aus Gummi von Chamar. Bild: Sumit Suryawanshi für FashionUnited

Nikesh Raj, Leiter des Umweltprogramms, Klima und Kreislaufwirtschaft bei H&M, stimmte dem zu. Für ihn beginnen Innovationen auf der Produkt- und Herstellungsebene, zum Beispiel mit recycelten Materialien und solchen ohne Plastik, die zu besseren Produkten führen. Die Herstellung bleibt eine Herausforderung, da sie nicht vollständig unter der Kontrolle der Marke liegt. Hier können drei Fragen den Prozess leiten, nämlich welche Ambitionen andere Marken haben, ob die Lösung bereits woanders getestet werde und ob sie einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gehe. Gemeinsam genutzte Lieferbetriebe können viele Erkenntnisse liefern, und er stimmte zu, dass langfristiges Engagement der Schlüssel sei.

Amit Kumar Singh Parihar, Leiter des Programms für saubere Energie bei der Shakti Sustainable Energy Foundation, wies darauf hin, dass man sich zusammensetzen müsse, um eine ganzheitliche Lösung zu finden. Zudem sollte man die erforderlichen Aspekte abwägen, um ein Programm gemeinsam mit Marken aufzubauen.

Akash Singh, Senior Investment Director bei Sagana Capital, nannte die Skalierung als eine der Herausforderungen, ebenso wie das Testen, um festzustellen, ob eine Technologie für die Einführung bereit sei. „Viele Start-ups haben damit zu kämpfen”, sagte er. „Außerdem müssen Forschung und Entwicklung auf die Kommerzialisierung ausgerichtet sein. Marken sind der Markt und können den Weg weisen“, fügte er hinzu. „Etwas kreislauffähig zu machen, ist schwierig und erfordert innovatives Denken und eine verantwortungsvolle Verarbeitung am Ende des Lebenszyklus.“

„Denken Sie daran, dass es keine Alternative gibt; die Dekarbonisierung findet statt, aber sie muss schneller gehen“, schloss George. „Ohne einen kreislauforientierten/nachhaltigen Ansatz würden wir nicht überleben“, stimmte Raj zu. „Generation Z verlangt danach. Wenn wir jetzt nicht bereit sind, werden wir nie bereit sein.“

Zirkuläre Mode

Abeer Al Fouti (Online), Mansi Kabra, Leena Dandekar, Nalini Shekar, Kazi Faisal Bin Seraj (Online) und Krishna A. (von links nach recht). Bild: Sumit Suryawanshi für FashionUnited

Die zweite Podiumsdiskussion beschäftigte sich damit, wie die Branche einen gerechten und inklusiven Übergang zu zirkulärer Mode schaffen könnte. Dabei ging es auch um die Fragen, ob es sich die südasiatischen Länder leisten könnten, zirkulär und nachhaltig zu sein, ob man den Planeten auf Kosten der Menschen retten kann und ob wir die Modeindistrie wirklich verlangsamen können, ohne das Einkommen einer riesigen Bevölkerung zu beeinträchtigen. Zu den Teilnehmenden gehörten Insider aus dem gemeinnützigen Sektor, dem Finanzierungs- und Entwicklungssektor sowie diejenigen, die mit den Müllbergen zu tun haben: Müllsammler:innen und ihre Organisationen.

Mansi Kabra vom gemeinnützigen Arbeitsinnovationsunternehmen Good Business Lab wies darauf hin, dass in den meisten aktuellen Geschäftsmodellen die Arbeitskraft eines Unternehmens als „Kosten“ betrachtet wird. „In diesem Modell sind die Arbeitnehmer:innen benachteiligt. Man muss den Unternehmen zeigen, dass Arbeit keine Kosten, sondern eine Investition ist. Es besteht ein direkter Zusammenhang mit der Rentabilität des Unternehmens, zum Beispiel durch die Schulung von weiblichen Arbeitskräften und ihren Führungskräften in Soft Skills, was zu einer Verbesserung der Kapitalrendite führt“, erklärte sie.

Die Diskussion konzentrierte sich auf drei Schlüsselbereiche: die Stärkung von Arbeitnehmerinnen, die Behandlung von Textilien als Ressourcen und nicht als Abfall sowie die Reduzierung von Verbrauch und Produktion. Für Leena Dandekar von der Raintree Foundation ist die Lösung ganz einfach, denn die Kreislaufwirtschaft stützt sich nur auf drei Säulen: Reduce, Reuse, Recycle. „Reduzieren sollte immer an erster Stelle stehen. Danach sollte die Wiederverwendung kommen und erst dann sollte etwas recycelt werden“, mahnte sie. (Weitere Einzelheiten zu dieser Veranstaltung finden Sie in einem separaten Artikel.)

Kreislauffähige Garderobe

Moderator Siddharth Lulla (links) mit Priya Shah, Rohan Batra, Harshit Kakkar, Bheem Kumar und Shikha Shah (von links nach rechts). Bild: Sumit Suryawanshi für FashionUnited

In der dritten Podiumsdiskussion ging es um eine kreislauffähige Garderobe und die Veränderungen, die man bei der Materialauswahl für eine regenerative Zukunft vornehmen muss. Dementsprechend widmete sie sich alternativen Materialien wie recycelten, regenerativen und Materialien der neuen Generation. Außerdem wurde untersucht, wie sich die Anforderungen der Industrie an die Wirtschaftlichkeit mit den Investitionen und der Unterstützung beim Aufbau von Kapazitäten in Einklang bringen lassen, die für die Verbreitung solcher Materialien erforderlich sind.

Die Podiumsteilnehmer:innen waren sich einig, dass angesichts der Tatsache, dass 96 Prozent der derzeitigen Materialien einen Fußabdruck verursachen, „Business as usual“ nicht funktionieren wird. Daher sind herstellende Betriebe, Marken, Recyclingbetriebe, Innovator:innen und Investor:innen gefragt, um eine Lösung zu finden - wie etwa eine kreislauffähige Garderobe.

Priya Shah vom Frühphasen-Klimainvestor Theia Ventures wies darauf hin, dass aufgrund der Nachfrage der Verbraucher:innen und der nächsten Generation die Bereitschaft bestehe, einen Aufpreis für zirkuläre Mode zu zahlen. „Es gibt so viele landwirtschaftliche Abfälle in Indien; lassen Sie uns diese in die Textilkette einbringen“, schlug sie vor und verwies auf die Investitionen von Theia in Unternehmen wie CanvaLoop Fibre Private Limited, das nachhaltige Fasern und Garne aus Hanf, Bananen, Brennnesseln, Ananas, Leinsamen und Reis aus landwirtschaftlichen Abfällen entwickelt, und AltM Biomaterials, das diese für flüssige Formulierungen wiederverwendet.

Shikha Shah, Gründerin und CEO von AltMat, dessen Schlüsseltechnologie landwirtschaftliche Abfälle in nachhaltige Biomaterialien für Branchen wie Textilien und Verpackungen umwandelt, wies darauf hin, dass der Modebetrieb letztendlich ein Geschäft sei. „Es geht um Innovation, Ästhetik und Nachhaltigkeit, die in der Regel nicht zusammenkommen; die Verantwortung liegt bei den Innovator:innen. Das bedeutet, dass wir über Kapselkollektionen und die Herstellung hinausgehen und von der Effizienz zu einer innovativen Denkweise übergehen müssen“, stellte sie fest.

KKR Spinning Mills bietet Lösungen für die Herstellung hochwertiger Textilien aus recycelten Materialien für Kunden wie H&M und Decathlon an. Harshit Kakkar, Leiter des Überseemarktes, räumte ein, dass es derzeit noch mehr mechanisches Recycling für Massenprodukte und weniger chemisches Recycling gebe. „Alle tragen ihren Teil dazu bei, aber die Menschen müssen zusammenkommen; die Kluft zwischen Qualität und Gemeinschaft muss überbrückt werden“, mahnte er.

Auf die Frage nach den wichtigsten Herausforderungen für Marken sagte Rohan Batra, Leiter Nachhaltigkeit and CSR bei Marks & Spencer, dass Marken „nicht einfach übernehmen können. Das funktioniert nur bei Designermode, nicht bei 5 Millionen Stück pro Monat. Marks & Spencer kann nicht mit kleinen Kapselkollektionen experimentieren“. Er wies auch auf das Durchschnittsalter der Marks & Spencer-Kund:innen (41 Jahre in Indien; 57 Jahre in Großbritannien) als eine Herausforderung bei der Förderung von Innovationen hin. „Der Kundschaft fehlt es an Wissen“, sagte er.

Shahi Exports arbeitet mit dem Start-up-Unternehmen AltMat zusammen und hat seine Produkte mit Blick auf drei Märkte getestet: die USA, EU und Australien. Für Bheem Kumar, Senior Manager der Stoffinnovationszelle bei Shahi, sind wissenschaftlich fundierte Aussagen der Schlüssel. „Wir können nicht einfach sagen: 'Wir haben 90 Prozent Wasser gespart', wir müssen diese Behauptung untermauern, wofür viele Tests und Daten erforderlich sind. Tatsächlich kann der Nachweis einer Behauptung teurer sein als die Technologie selbst.“

Die letzte Frage an die Diskussionsteilnehmer:innen lautete, was Marken brauchen, um bis 2030/40 zu 100 Prozent zirkulär zu sein. Für Shikha Shah dreht sich alles um Prozesse, Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette und die Identifizierung von Scope 1-3-Zielen, während Batra die Skalierbarkeit als größte Herausforderung sieht. Kumar würde keine Kompromisse bei der Qualität eingehen, die den Anforderungen der Kundschaft entsprechen muss, was bedeutet, dass man Textilabfälle aus zuverlässigen Quellen braucht. Für Shikha Shah geht es zudem um Schnelligkeit und Finanzierbarkeit: „Es ist eine Notlage, keine Frage der Absicht“, sagte sie und fügte hinzu: „Das Gute kommt nicht von allein, es braucht Geld.“

Die Sitzung endete mit einem Vortrag von Graham Ross, dem Mitbegründer der in Australien ansässigen chemischen Recyclinganlage Block Texx. Ross gründete das Unternehmen vor fünf Jahren zusammen mit seinem Kollegen Adrian Jones, der ebenfalls aus der Modebranche stammt. Block Texx ist auf das Recycling von Polyester-Baumwoll-Mischungen, 100 Prozent Baumwolle, 100 Prozent Polyester und künstliche Zellulose spezialisiert. „Wir sind ein kleines Unternehmen, aber es ist ein großer Schritt für das Textil-zu-Textil-Recycling“, sagte Ross.

Alle drei Sitzungen lieferten neue Erkenntnisse und Ansätze dazu, was nötig wäre, um eine Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Es herrschte Einigkeit darüber, dass das Streben nach Kreislaufwirtschaft die neue Normalität ist. Niemand möchte zurückbleiben, aber Marken, insbesondere größere, scheinen nur aufzuholen und den Wünschen der Verbraucher:innen zu folgen, anstatt proaktiv zu handeln und ihre Nachfrage zu beeinflussen. Dieser Antrieb scheint auf der Innovationsebene zu erfolgen, wo Start-ups derzeit die Führung übernehmen. Die Skalierbarkeit und der Nachweis von Umweltansprüchen bleiben jedoch eine Herausforderung, ebenso wie Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit.

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