Charles Vögele kapituliert in Belgien

Der schweizerische Bekleidungshändler Charles Vögele beendet nach rund 17 Jahren seine Präsenz in Belgien. Am Montag gab das in Pfäffikon ansässige Unternehmen bekannt, der Verwaltungsrat habe „im Rahmen der kontinuierlichen Evaluation zur Optimierung der Organisation den Rückzug aus dem belgischen Markt entschieden“. Nach eigenen Angaben verfügt Charles Vögele dort derzeit über 41 Filialen.

Die Schweizer betraten den belgischen Markt 1999. Großer Erfolg war ihnen dort aber nicht beschieden. „Trotz intensiver Turnaround-Bemühungen und operativer Fortschritte hat Belgien nie operative Gewinne erzielt“, räumte Verwaltungsratspräsident Max Katz ein. Probleme bereiteten zudem „die schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen, die erhebliche Komplexität des belgischen Marktes und die kritische Konsumentenstimmung“, so Katz. Angesichts der „Herausforderungen“, mit denen der Bekleidungshändler derzeit „in allen Regionen“ konfrontiert sei, sehe das Unternehmen „keine Möglichkeit zur Sanierung der Länderorganisation“, hieß es aus Pfäffikon. Das belgische Management werde in den kommenden Tagen zusammen mit dem lokalen Betriebsrat „über die weiteren Schritte beraten, um die Zukunft der belgischen Organisation zu sichern“.

Der schweizerische Bekleidungshändler machte im vergangenen Jahr mehr als sechzig Millionen Franken Verlust

Charles Vögele hat seit Jahren mit Problemen zu kämpfen. Bereits 2011 beschloss das Unternehmen ein umfangreiches Sanierungsprogramm, mit dem der Turnaround geschafft werden sollte. Nach zwischenzeitlichen Fortschritten musste der Bekleidungshändler im vergangenen Geschäftsjahr aber einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen. Der Umsatz ging deutlich zurück, der Nettoverlust stieg von 10,8 auf 61,8 Millionen Schweizer Franken (56,3 Millionen Euro).

Das Unternehmen machte vor allem widrige Rahmenbedingungen für die enttäuschenden Zahlen verantwortlich. Fatal waren die Folgen des sogenannten „Frankenschocks“, nachdem die Schweizer Zentralbank Anfang 2015 die Kursbindung der Lokalwährung an den Euro aufgehoben hatte. Neben den daraus resultierenden negativen Währungseffekten verdarben auch „der intensive Wettbewerbs- und Preisdruck in der Schweiz sowie der deutlich zu warme Herbst“ die Jahresbilanz. Angesichts der anhaltenden Schwächen wird das Unternehmen immer wieder als möglicher Übernahmekandidat gehandelt. Das Management hofft indessen weiter auf die Wirkung der Restrukturierungsmaßnahmen.

Foto: Charles Vögele
 

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