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China visiert weiterhin Myanmar als billiges Produktionszentrum an

Angesichts hoher Löhne im eigenen Land und Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Arbeitskräften sieht sich die herstellende Industrie in Chinas Perlflussdelta bereits seit einiger Zeit nach Alternativen um, darunter auch die Verlagerung der Produktion in relativ leicht zugängliche Märkte in Südostasien, wobei Myanmar auf Chinas Wunschliste ganz oben steht.

Das Land ist das flächenmäßig größte auf dem südostasiatischen Festland, ist reich an Rohstoffen und verfügt über eine junge Bevölkerung. Um die Stabilität der politischen Lage zu prüfen, war jüngst ein Team des Hongkonger Rats für Handelsentwicklung (HKTDC) vor Ort und hat seine Ergebnisse im Bericht "Myanmar Rising: The Garment Sector Takes Off" zusammengefasst.

Besonders attraktiv ist der geringe Mindestlohn von rund 90 US-Dollar im Monat, der derzeit der niedrigste der Region ist. Im Vergleich: Laos liegt bei rund 100 US-Dollar, Kambodscha bei 140 US-Dollar und Vietnam bei rund 150 US-Dollar Mindestlohn im Monat.

Myanmar hat den niedrigsten Mindestlohn der Region

Myanmar erfreut sich zudem Steuerfreiheiten auf dem EU-Markt, der etwa 23 Prozent der Bekleidungsexporte des Landes auffängt. Andere wichtige Märkte sind Japan und Südkorea und natürlich China. Niedrige Importzölle wirken sich ebenfalls zu Myanmars Vorteil aus.

Wurde noch Anfang des Jahres erst vorsichtig mit einem Exportvolumen von 4 Milliarden US-Dollar gerechnet, so erwartet der Verband der Bekleidungshersteller Myanmars (MGMA) inzwischen, dass das Exportvolumen der Branche bis 2020 auf 12 Milliarden US-Dollar ansteigen und sie rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze schaffen wird.

Der Aufstieg von Myanmars Bekleidungsindustrie liegt noch nicht lange zurück, geht aber rasend vor sich; erst 2014 fing er an und erwirtschaftete 1,5 Milliarden US-Dollar durch Exporte. 2015 beschäftigte die Branche rund 250.000 Arbeiter und Arbeiterinnen.

Chinesische Fabriken sind für diesen Aufstieg genauso verantwortlich wie taiwanesische und südkoreanische, die in Myanmar gern einen Ableger aufmachen. Günstige Änderungen der Regierung für Auslandsdirektinvestitionen (ADI), eine Lockerung oder Aufhebung der Wirtschaftssanktionen durch andere Länder und Vergünstigungen für ausländische Investoren wie Steuerbefreiung in den ersten fünf Jahre und die zollfreie Einfuhr von Rohstoffen werden Myanmar auch weiterhin zu einem ernstzunehmenden Beschaffungsziel der Bekleidungsbranche machen.

Foto: Dieter Wendelken / pixelio.de