Denim-Macher in der Kritik: Levi's, Kontoor und The Children’s Place reagieren auf Anschuldigungen

Ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht des Worker Rights Consortiums (WRC) deckte sexuellen Missbrauch und Nötigung von Arbeiterinnen durch Vorgesetzte in drei Bekleidungsfabriken des taiwanesischen Jeansherstellers Nien Hsing Textile Co., Ltd. auf. Dieser stellt Denim-Bekleidung für US-amerikanischen Marken wie Levi Strauss & Co., The Children’s Place und Kontoor Brands in Lesothos Hauptstadt Maseru her. Jetzt haben die drei Unternehmen Stellung genommen und zusammen mit anderen Akteuren der Branche einen Aktionsplan aufgestellt.

„Als globales Lifestyle-Bekleidungsunternehmen, das jährlich mehr als 170 Millionen Produkteinheiten aus etwa 20 Ländern produziert und bezieht, tragen wir die Verantwortung dafür, dass die Menschen, die unsere Produkte in Fabriken von Drittanbietern herstellen, fair behandelt werden und in einer sicheren und respektvollen Umgebung arbeiten. Wir sind zutiefst betroffen von den dokumentierten, beunruhigenden Beweise für sexuellen Missbrauch und sexuelle Belästigung bei einem Lieferanten, Nien Hsing, in Lesotho, Afrika, der im Auftrag Jeanswear für Wrangler, Lee und andere Bekleidungsmarken produziert“, sagte Scott Deitz, Vice President of Corporate Relations bei Kontoor Brands, in einer Stellungnahme, die am Freitag auf der Website des Unternehmens veröffentlicht wurde.

Denim-Marken nehmen Stellung zu Zuständen in Lesotho

Der Bericht des Worker Rights Consortium mit Sitz in Washington basiert auf einer umfangreichen Untersuchung der Arbeitsbedingungen in den drei von Nien Hsing betriebenen Fabriken C&Y Garments, Nien Hsing International und Global Garments in Maseru, in denen rund 10.000 Menschen beschäftigt sind. Er stützt sich auf Interviews mit Arbeiterinnen, die im Zeitraum von über einem Jahr geführt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass Arbeiterinnen häufig Übergriffen von Vorgesetzten und Kollegen ausgesetzt waren. Besonders Vorgesetzte missbrauchten ihre Position, um die Frauen mit Versprechen von Vollzeitstellen, Beförderungen oder Jobsicherheit zu sexuellen Beziehungen zu nötigen.

Kontoor bezeichnete den Bericht in seiner Stellungnahme als „glaubhaft“ und gab an, nach dessen Prüfung Diskussionen mit dem WRC, anderen Marken, dem US-Solidarity Center für Arbeiterrechte weltweit und Gewerkschaften in den US und Lesotho geführt zu haben (UNITE, IDUL, NACTWU), um einen Aktionsplan zu erarbeiten. Auch USAID, die US-Regierungsorganisation, die mit internationaler Entwicklungshilfe betraut ist, hat sich jüngst angeschlossen sowie die Frauenrechtsorganisationen Federation of Women Lawyers in Lesotho (FIDA) und Women and Law in Southern African Research and Education Trust-Lesotho (WLSA).

Kontoor Brands, Levi Strauss und The Children’s Place erarbeiten Pilotprogramm

Inzwischen wurden individuelle Vereinbarungen mit den einzelnen Marken getroffen und Maßnahmenvorschläge und ein zweijähriges Pilotprogramm zusammen mit Nien Hsing erarbeitet. „Wir sind allen für ihre Beiträge und Ideen in den letzten Monaten dankbar, die es uns ermöglicht haben, eine Einigung zu erzielen, die den Menschen - und insbesondere den Frauen -, die für die Arbeit, die wir und unsere Kunden leisten, so wichtig sind, zugute kommt und sie schützt. Wir streben danach, einen sicheren und geschützten Arbeitsplatz für alle Mitarbeiter in unseren Fabriken zu gewährleisten, und sind daher fest entschlossen, diese Vereinbarung unverzüglich, umfassend und mit messbarem Erfolg umzusetzen“, versprach Richard Chen, Vorsitzender von Nien Hsing, laut WRC.

Nien Hsing sagt Zusammenarbeit zu

Konkret hat sich Nien Hsing verpflichtet, mit dem Solidarity Center und Partnerorganisationen zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass in seinen Einrichtungen wirksame Richtlinien und Systeme zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt und Belästigung (GBVH) eingerichtet werden. Darüber hinaus wird Nien Hsing Zugang zu seinen Fabriken zu Prüfungszwecken gewähren und seine Manager anweisen, von Vergeltungsmaßnahmen gegen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen abzusehen, die Beschwerde einreichen oder anderweitig am Programm teilnehmen. Sollte es zu einer wesentlichen Verletzung der Vereinbarungen von Nien Hsing Textile mit den Gewerkschaften und Frauenrechtsorganisationen kommen, hat sich jede Marke verpflichtet, die Produktionsaufträge zu reduzieren, bis Nien Hsing wieder zur Einhaltung zurückkehrt.

„Nach Durchsicht einer Zusammenfassung des Berichts haben wir sofort den CEO von Nien Hsing beauftragt, klarzustellen, dass die behaupteten Missbrauchsarten nicht toleriert werden und Maßnahmen erforderlich sind. Dazu gehört, dass Nien Hsing noch offene Fragen mit den Gewerkschaften vor Ort löst, die Verwendung von befristeten Arbeitsverträgen überprüft, Änderungen an der Unternehmensführung vornimmt, externe Experten einstellt, um Managementsysteme zu bewerten und zu verbessern, mit Experten vor Ort zusammenarbeitet, um Vorgesetzte, Führungskräfte und Arbeitnehmervertreter auszubilden, eine von Dritten geführte Beschwerde-Hotline der Fabrik wieder aktiviert, HR-Prozesse zur Erfassung und Untersuchung von Beschwerden erweitert und gemeldete Sicherheitsfragen behandelt. Alle Empfehlungen sind entweder abgeschlossen oder befinden sich in Bearbeitung, und wir beobachten weiterhin den Fortschritt von Nien Hsing“, hieß es auch in einer von Levi Strauss am Donnerstag auf seiner Website veröffentlichten Stellungnahme.

„Wir engagieren uns für den Schutz der Arbeitnehmerrechte und die Förderung des Wohlbefindens in den Fabriken von Drittanbietern, damit sich alle Arbeitnehmer in diesen Einrichtungen, insbesondere weibliche Arbeitnehmer, sicher, geschätzt und befähigt fühlen. Wir freuen uns, mit Nien Hsing Textile, dem Worker Rights Consortium, dem Solidarity Center und lokalen Gewerkschaften und Fraueninitiativen in Lesotho an einem umfassenden Programm zur Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz zusammenzuarbeiten. Wir sind davon überzeugt, dass dieses vielseitige Programm nachhaltige Veränderungen und bessere Arbeitsbedingungen in diesen Fabriken bewirken kann, was sich deutlich positiv auf die gesamte Belegschaft auswirkt“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Kontoor Brands, The Children’s Place und Levi Strauss vom Donnerstag.

Denim-Marken lassen Lieferanten nicht im Stich

In seiner Stellungnahme vom Freitag beantwortete Deitz auch die häufig gestellte Frage, warum Marken nicht einfach die Zusammenarbeit mit Lieferanten beenden, bei denen Missstände aufgedeckt wurden. „Die Antwort ist wichtig“, betont Deitz. „Das WRC bat uns, weiterhin mit Nien Hsing zusammenzuarbeiten, damit wir unseren Einfluss nutzen können, um den Lieferanten davon zu überzeugen, seine Praktiken zu ändern - im Einklang mit den kurz- und langfristigen Interessen der Arbeitnehmer. Wir haben dies getan und mit anderen zusammengearbeitet, um Lösungen zu finden - Lösungen, die wir im Laufe der Zeit als nachhaltig erachten“, erklärt der VP for Corporate Relations bei Kontoor Brands.

Deitz geht auch darauf ein, dass diese Frage die Tatsache zu Tage fördert, dass ein langfristiger Missbrauch wie in den Fabriken in Lesotho so lange unentdeckt bleiben konnte, selbst wenn Marken und Einzelhändler stichprobenartig selbst Betriebsprüfungen durchführen: „Arbeitnehmer verrichten ihre Arbeit oft innerhalb einer Arbeitskultur des Zwangs und der Angst vor Vergeltungsmaßnahmen von einigen in ihrer Umgebung, einschließlich der Mitarbeiter und Vorgesetzten. Manchmal droht ihnen unter anderem der Verlust ihres Arbeitsplatzes, was es unseren Teams oft schwer macht, solchen Missbrauch zu erkennen”, erklärt er.

Im Bericht von WRC wird dieser Missstand eindeutig behandelt: "Die Manager von Nien Hsing verheimlichten die tatsächlichen Zustände und die Behandlung von Arbeitern vor den Prüfern der Marken, indem sie die Mitarbeiter drängten, nicht wahrheitsgemäß mit ihnen zu sprechen". Als Gegenmaßnahme soll jetzt eine eingestellte Telefon-Hotline für Beschwerden wieder aufgenommen und das Verbot, sich in Gewerkschaften zu organisieren, überholt werden.

Positiv ist, dass die betroffenen Marken ihre Verpflichtung und Rolle in dieser Situation erkennen und schnell Maßnahmen mit den entsprechenden internationalen und lokalen Experten wie Gewerkschaften und Organisationen besprochen haben, um Veränderungen in den betroffenen Fabriken zu bewirken. Wie schnell sich diese tatsächlich zeigen und ob der Fall Lesotho als Vorbild für ähnliche Situationen dienen kann, bleibt abzuwarten.

Foto: WRC Bericht

 

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