Gerry Weber: Entscheidung über die Zukunft soll noch in diesem Monat fallen

Der insolvente Bekleidungskonzern Gerry Weber International AG rechnet in den kommenden Wochen mit konkreten Fortschritten bei der Investorensuche. „Gerry Weber liegen mehrere indikative Angebote von potenziellen Investoren vor“, erklärte Sachwalter Stefan Meyer am Dienstag im Rahmen einer Gläubigerversammlung. „Diese noch unverbindlichen Kaufangebote wurden in den vergangenen Wochen sorgfältig geprüft und weiter verhandelt. Im Verlauf des Juni 2019 werden verbindliche Angebote der Investoren erwartet.“ Noch bis zum Monatsende soll daher nach Meyers Worten „eine Entscheidung über den weiteren Weg und damit die Zukunft der Gerry Weber Gruppe herbeigeführt werden“. Geplant sei, die gefundene Lösung dann bis zum Jahresende umzusetzen.

Neben einer reinen Investorenlösung seien weitere Optionen denkbar, erklärte Gerry Weber in einer Mitteilung: Das Unternehmen arbeite „parallel auch an einer Sanierungslösung über einem Insolvenzplan, mit dem der Rechtsträger der Gerry Weber International AG erhalten bleiben würde“.

„Wir werden beide erarbeiteten Lösungen – die M&A-Variante sowie den Insolvenzplan – gegenüberstellen. Alle Angebote werden vorher ausführlich geprüft, um sodann mit dem Gläubigerausschuss die Angebote zu erörtern und eine Entscheidung zu treffen, welche Lösung umgesetzt werden soll“, erläuterte Sachwalter Meyer. „Möglich und denkbar“ ist nach Angaben des Konzerns zudem „eine Kombination aus den beiden Sanierungsvarianten Einstieg eines oder mehrerer Investoren und Insolvenzplan“.

Das Unternehmen setzt sein Sanierungsprogramm fort

Das Unternehmen aus dem westfälischen Halle hatte am 25. Januar ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dieses Verfahren wurde am 1. April eröffnet. Im Rahmen des vorgeschriebenen Berichtstermins, der am Dienstag stattfand, bestätigten die anwesenden Gläubigern nun die Art des Verfahrens und den Sachwalter. Zudem stimmten sie über die Besetzung des Gläubigerausschusses ab. Das Gremium wurde dabei nach Angaben des Unternehmens „um drei Vertreter der Schuldscheingläubiger bzw. Langfristfinanzierer ergänzt“ und besteht nun aus zehn Mitgliedern. Insgesamt habe der Konzern „rund 1.500 Gläubiger“, die Forderungen im Gesamtvolumen von etwa 275 Millionen Euro angemeldet hätten, teilte das Unternehmen mit.

Unterdessen gehe der Geschäftsbetrieb „ungeachtet des laufenden Eigenverwaltungsverfahrens ungestört und vollumfänglich weiter“, erklärte Meyer. Die Umsatzentwicklung im Kerngeschäft sei bis Ende Mai „weitgehend nach Plan“ verlaufen, teilte das Unternehmen mit. Meyer betonte zudem, dass der Konzern in den vergangenen Wochen „wichtige Sanierungsmaßnahmen umgesetzt und eingeleitet“ habe, die „auch von den potenziellen Investoren positiv beurteilt werden“. Das beschlossene Maßnahmenpaket werde „sukzessive auch weiterhin umgesetzt“.

Bestandteil des Sanierungskonzepts ist ein umfangreicher Stellenabbau. So wurden in der Konzernzentrale rund 140 Vollzeitarbeitsplätze gestrichen. Zudem sind etwa 330 Mitarbeiter von der geplanten Schließung von 146 Läden und Verkaufsflächen in Deutschland betroffen. Die Schließungen sollen schrittweise bis Ende November vollzogen werden.

Foto: Gerry Weber Facebook-Page
 

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