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Indien baut erstes kommerzielles Sortier- und Recyclingzentrum für Textilabfälle

Von Regina Henkel

8. Apr. 2022

Business

Foto: Yogendra Singh für Pexels

Das systematische Recycling von Textilabfällen und die Schaffung neuer und besserer Arbeitsplätze in Indien – mit diesen ehrgeizigen Zielen startet die GIZ gemeinsam mit den Unternehmen Concordia Textiles und Enviu die Partnerschaft „Putting Waste to Work“. Indien gehört zu den größten Textilproduzenten der Welt und zu den größten Importeuren von Altkleidern. Nicht nur in der Produktion fallen jedes Jahr etwa 90.000 Tonnen Textilabfälle an, auch die Altkleider landen irgendwann im Müll. Für diese Abfälle gibt es in Indien bislang noch kein formelles Entsorgungs-System, was zu riesigen Mengen ungenutzter Abfälle führt und eine Belastung für die rund vier Millionen Abfallarbeiter in Indien darstellt, deren Lebensunterhalt unstetig und nicht nachhaltig ist.

Zusammenarbeit zur Verbesserung der Abfallsituation und der Arbeitsplätze Um das zu ändern, haben sich die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) (im Rahmen des Förderprogramms develoPPP des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ), der Textilhersteller Concordia Textiles und der nachhaltigkeitsorientierte Projektentwickler Enviu zusammengetan und die Partnerschaft „Putting Waste to Work“ ins Leben gerufen, die bis 2024 rund 40.000 Tonnen Textilabfälle sortieren und von der Deponie fernhalten und über 5.000 Arbeitsplätze schaffen soll.

Neue Recycling-Technologie von Purfi Global

In drei Jahren wollen die Partner eine kommerzielle Wertschöpfungskette für die Textilabfallbewirtschaftung und somit Indiens erstes kommerzielles Sortierzentrum für Textilabfälle aufgebaut haben. Dazu gehört auch die Investition in neue Recycling-Technologien. So will die Partnerschaft die neue Recyclingtechnologie von Purfi Global nach Indien holen: Das Unternehmen hat sich auf die Herstellung von Fasern in Neuwarequalität aus Textilabfällen spezialisiert. Dabei werden 99 Prozent weniger Wasser, bis zu 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen und 90 Prozent weniger Energie verbraucht als bei herkömmlichen Verfahren zum Recycling von Textilabfällen. Carl Baekelandt, CEO Concordia Textiles und Geschäftsführer Purfi: "Wir wollen Projekte unterstützen, die zu den Zielen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes beitragen. Es ist an der Zeit, dass die klassische Textilindustrie ihre Wertschöpfungskette zu Gunsten der Umwelt und der lokalen Gemeinschaften umgestaltet."

Fokus auf den Menschen

Die erste Sammelstelle wurde bereits in Chennai errichtet, wo reine Frauenteams arbeiten und so geschult und gefördert werden, dass sie auch Führungsaufgaben übernehmen können. Die sortierten Abfälle sollen anschließend als Ausgangsmaterial für Marken, Hersteller und andere Lösungsanbieter zur Verfügung gestellt werden.

Gigi Mathews, Direktorin von Enviu Indien: „Wir glauben, dass der Aufbau von wirkungsorientierten Unternehmen, die beweisen und zeigen, dass es möglich ist, der Schlüssel zu einer neuen Normalität ist: eine Textilindustrie, die den Menschen und dem Planeten dient. Mit dem Reweave Venture Building Programm von Enviu untersuchen wir die Hindernisse, die einem Wandel in der textilen Wertschöpfungskette im Wege stehen, und schließen die Lücken. Gemeinsam mit der GIZ und Concordia füllen wir eine große Lücke. Wir erschließen das Potenzial eines kreislauforientierten Textilsektors: Wir nutzen Textilabfälle als Ressource und schaffen einen völlig neuen Beschäftigungssektor, in dem Fairness und Inklusivität in der DNA verankert sind. Ich habe aus erster Hand gesehen, welche Auswirkungen unsere Kreislaufprojekte auf die Familien haben. Sie können ihren Beruf mit Stolz ausüben und ihrer Familie Stabilität bringen."

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