Inditex streitet Steuertricks ab

Wie gestern berichtet, wurde der spanische Modekonzern Inditex, der für Marken wie Zara, Pull & Bear und Bershka bekannt ist, von der Grünen-Fraktion des Europaparlaments beschuldigt, durch geschickte Steuertricks Abgaben in Höhe von 585 Millionen Euro umgangen zu haben. Inditex konnte dies nicht auf sich sitzen lassen und handelte schnell: In einer gestern noch veröffentlichten Stellungnahme bestreitet der Konzern jegliches Fehlverhalten und glaubt, dass der Bericht der Grünen auf “fehlerhaften Annahmen” beruhe, die zu “falschen Schlussfolgerungen” geführt haben.

“Inditex verfolgt eine Politik der höchsten steuerrechtlichen Verantwortung in jedem Markt, in dem wir aktiv sind”, hieß es dort. Der Modekonzern fügte hinzu, dass seine Berichte “transparent” und im Jahresbericht des Unternehmens erhältlich seien. Zudem verwies er darauf, von 2011 bis 2015 mehr als 4,4 Milliarden Euro an Körperschaftssteuer bezahlt zu haben, was einem Durchschnitt von zwischen 22 und 24 Prozent enspricht.

In dem gleichen Zeitraum machte der Konzern 2,2 Milliarden Euro Umsatz in seinem Heimatmarkt Spanien, was über 2 Prozent der gesamten Körperschaftssteuereinnahmen des Landes entspricht. Er wies in seiner Stellungnahme ebenfalls darauf hin, dass Transaktionen zwischen den verschiedenen Unternehmen der Gruppe regelmäßigen Steuerprüfungen durch die zuständigen Behörden des jeweiligen Landes unterzogen werden.

Grüne gehen gegen Steuer-Schlupflöcher vor

Der Bericht der Grünen mit dem Titel “Tax Shopping: Exploring Zara's Tax Avoidance Business” verweist insbesondere auf Schlupflöcher des Unternehmens und auf Ungleichheiten in nationalen Steuersystemen, die es genutzt haben soll, etwa große Gewinne in Ländern mit niedrigen Steuern wie Irland, der Schweiz und den Niederlanden versteuerte und nicht dort, wo sie erzielt wurden.

In der Schweiz wird so zum Beispiel Kleidung von Zulieferern angekauft, um die geringe Umsatzsteuer von 7,8 Prozent zu nutzen, bevor sie an das Mutterunternehmen weiterverkauft wird. In Irland wiederum werden Darlehen nur mit 12,5 Prozent versteuert, weshalb sich das Land zur Vergabe von Darlehen innerhalb der Unternehmensgruppe eignet.

Für die Versteuerung von Gewinnen aus verschiedenen EU-Ländern suchte sich Inditext laut der Analyse der Grünen die Niederlande aus und führte sie in Form von Lizenzgebühren an Tochterfirmen in den Niederlanden, da sie hier nur mit 15 Prozent versteuert werden müssen. Im Vergleich: In Deutschland würde dies mit etwa 30 Prozent zu Buche schlagen, im OECD-Durchschnitt mit 25 Prozent. Allein in Deutschland soll der Konzern so geschätzte 25 Millionen Euro gespart haben.

Dies ist nicht die erste Untersuchung der Grünen: Erst vor wenigen Wochen hatten sie dem Chemiekonzern BASF und dem Möbelriesen Ikea ähnliche Steuertricks vorgeworfen und stellten fest, dass multinationale Konzerne viel mehr legale Möglichkeiten zur Steuervermeidung hätten als etwa Mittelständler.

Damit wollen sie aufräumen und fordern außer einer europaweiten Mindeststeuer auf Unternehmensgewinne auch, dass multinationale Unternehmen ihre Gewinne in Zukunft einzeln für jedes Land benennen müssen, in dem sie vertreten sind. Auch wenn das Vorgehen von Inditex in Spanien derzeit nicht illegal ist, soll es dies werden. “Wir wollen, dass hier umfassende Regelungen gefunden werden, um die Steuervermeidung im großen Umfang zu verhindern”, erklärte der spanische Grünen-Abgeordnete Ernest Maragal.

Und die Verbraucher? Kümmert es sie genug, dass sich ihre Lieblingsmarke Steuertricks bedient, um den Zara- und anderen Filialen fernzubleiben? Das bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass der 80-jährige Spanier Amancio Ortega und Inditex Gründer mit einem Vermögen von 67 Milliarden US-Dollar nicht nur der reichste Mann Europas sondern auch der zweitreichste Mann der Welt ist. Dieses Vermögen wurde ohne Zweifel durch einen der größten Textilkonzerne der Welt, Inditex, erwirtschaftet. Und dass dieser auf Billiglöhne und sklavenähnliche Bedingungen, Fast Fashion und irreführende Preisgestaltung setzt, ist allgemein bekannt. Bleibt die Frage, wie lange Verbraucher dies zugunsten gefüllter Kleiderschränke noch ignorieren können.

Foto: Inditex
 

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