Textilbündnis: Zivilgesellschaftliche Organisationen kritisieren Roadmaps

Nachdem das Bündnis für nachhaltige Textilien am Montag zum ersten Mal die Maßnahmepläne (Roadmaps) und Fortschrittsberichte aller seiner 120 Mitglieder veröffentlichte, die zeigen, welche Maßnahmen sie im Bereich Menschenrechte und Ökologie in der Textilproduktion für das nächste Jahr ergreifen wollen und ob im Vorjahr geplante Maßnahmen durchgeführt wurden, kritisierten die 18 zivilgesellschaftlichen Mitgliedsorganisationen des Textilbündnisses, die von FEMNET, dem INKOTA-Netzwerk und dem Südwind Institut im Steuerungskreis vertreten werden, diese in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung als „nicht aussagekräftig und schlecht vergleichbar“.

Seit diesem Jahr müssen alle Unternehmen über Fortschritte öffentlich berichten und sich zu Korruptionsbekämpfung und existenzsichernden Löhnen in ihren Roadmaps äußern. Besonders die mangelnde Zusammenarbeit von Unternehmen in Bezug auf bessere Arbeitsbedingungen in den Lieferketten und die Tatsache, dass viele Unternehmen beim Thema existenzsichernde Löhne noch ganz am Anfang stehen, kreideten die Organisationen jedoch an.

Nicht nur informieren, auch agieren

„Ein Großteil der Unternehmen beschränkt sich darauf, sich mehr Wissen über das Problem zu verschaffen, etwa indem eigene Einkaufspraktiken analysiert werden. Das reicht aber nicht. Es müssen konkret höhere Löhne in den Fabriken gezahlt werden“, forderte Sabine Ferenschild vom Südwind Institut in der Erklärung vom Dienstag.

„Die Zivilgesellschaft erwartet eine neue Form der verbindlichen und vergleichbaren Berichterstattung aller Mitgliedsunternehmen im Textilbündnis über die von ihnen ergriffenen Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen ihrer Produzenten“, bekräftigte Gisela Burckhardt von FEMNET.

Gemeinsam stark: Zusammenarbeit ist der Schlüssel

Was das Thema Lohnsteigerung in der Lieferkette angeht, so ist die Zusammenarbeit der Unternehmen der Schlüssel zum Erfolg. „Das Textilbündnis bietet über das Instrument der Bündnisinitiativen hierfür eine Plattform“, betonte Berndt Hinzmann von der Entwicklungsorganisation INKOTA und kritisierte das fehlende entsprechende Engagement.

Fünf der 70 Unternehmen aus dem Textilbündnis seien an der Initiative „ ACT“ für Lohnsteigerungen durch landesweite Tarifverträge in den Produktionsländern beteiligt. Nur drei Unternehmen hätten zugesagt, sich über eine Textilbündnisinitiative an ACT-Aktivitäten in Kambodscha zu beteiligen. „Besonders enttäuschend ist, dass Unternehmen, für die Kambodscha ein Hauptbeschaffungsmarkt ist, hier kein Engagement zeigen“, so Hinzmann.

Das Bündnis für nachhaltige Textilien hat derzeit 120 Mitglieder - eine Zahl, die in den letzten zwölf Monaten durch Austritte, Unternehmensinsolvenzen und Fusionen von 130 zurückgegangen ist. Von diesen 120 Mitgliedern sind nur 72 Textil- und Bekleidungsunternehmen; etwa 50 Prozent der deutschen Textilbranche. Der Rest sind Wirtschaftsverbände, Nichtregierungsorganisationen, Standardorganisationen, Gewerkschaften, beratende Mitglieder und die Bundesregierung. Bleibt die Frage, worauf die übrigen 50 Prozent warten, um sich dem Textilbündnis anzuschließen?

Foto: Erwin Lorenzen / pixelio.de

 

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