Under Armour: Schwarzes Jahr endet mit roten Zahlen

Immerhin einen kleinen Lichtblick gab es für den US-amerikanischen Sportartikelhersteller Under Armour Inc. am Ende des Krisenjahres 2017: Im vierten Quartal fielen die Umsätze höher aus, als die Analysten zuvor erwartet hatten. Das lag am Auslandsgeschäft, in dem die Marke weiterhin äußerst dynamisch wächst. Die anhaltende Schwäche auf dem Heimatmarkt, der für Under Armour trotz aller internationaler Expansionsbemühungen immer noch von höchster Bedeutung ist, konnte diese positive Überraschung aber nicht vergessen machen.

Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen ein Umsatzplus: Die Erlöse stiegen um drei Prozent auf 4,98 Milliarden US-Dollar (4,03 Milliarden Euro). Damit war der einstige Shooting Star der Sportartikelbranche aber weit von früheren Wachstumsraten entfernt. In den vorherigen fünf Jahren hatten sie nie unter zwanzig Prozent gelegen. So wuchs der Umsatz 2016 um 22 Prozent, 2015 um 28 Prozent, 2014 um 32 Prozent, 2013 um 27 Prozent und 2012 um 25 Prozent.

Die Nachfrageschwäche in Nordamerika bleibt das Hauptproblem

Die Gründe für das zuletzt nur noch geringe Wachstum lagen in der Heimat. In Nordamerika musste Under Armour 2017 einen Umsatzrückgang um 5,1 Prozent auf 4,80 Milliarden US-Dollar hinnehmen. Das ist für die Marke brisant, weil sie nach wie vor mehr als drei Viertel ihres Umsatzes in dieser Region erzielt. Gerade in den USA durchlief der Sportartikelhandel zuletzt eine Schwächephase, zahlreiche große Ketten, darunter auch wichtige Handelspartner von Under Armour, gingen in die Insolvenz. Außerdem zeigt die Marke, die lange als frische Alternative zu alteingesessenen Größen wie Nike und Adidas galt, seit einiger Zeit Sättigungstendenzen. Ihr ist es zuletzt schlichtweg nicht mehr gelungen, in ausreichendem Maß neue Kunden in der Heimat zu gewinnen.

Schon länger versucht das Management, diese Abhängigkeit durch eine rasante Expansion in Übersee zu verringern. Auch im abgelaufenen Jahr wurden dabei durchaus bemerkenswerte Erfolge erzielt. So stiegen die Umsätze in der Region EMEA, die Europa, den Mittleren Osten und Afrika umfasst, um 42,2 Prozent auf 470,0 Millionen US-Dollar, im asiatisch-pazifischen Raum um 61,4 Prozent auf 433,6 Millionen US-Dollar und in Lateinamerika um 27,9 Prozent auf 181,3 Millionen US-Dollar.

Restrukturierungskosten lassen Under Armour in die Verlustzone rutschen

Die Herausforderung, auf die schwache Nachfrage in der Heimat zu reagieren und gleichzeitig im Ausland möglichst schnell zu wachsen, schlug sich im Ergebnis nieder. So stiegen die Vertriebs- und Verwaltungskosten überproportional zum Umsatz (+14 Prozent), weil das Unternehmen mehr Geld in nachfragesteigernde Maßnahmen, den Ausbau des Online-Geschäfts und die internationale Expansion investierte. Zudem schlugen Restrukturierungsmaßnahmen und Abschreibungen, die vor allem in den USA anfielen, mit einer Sonderbelastung in Höhe von 124,0 Millionen US-Dollar zu Buche. So schrumpfte der operative Gewinn um 93,3 Prozent auf nur noch 27,8 Millionen US-Dollar.

Zinszahlungen und die Folgen der Steuerreform in den USA trugen dazu bei, dass Under Armour in die Verlustzone rutschte: Unter dem Strich stand am Ende des Jahres ein auf die Anteilseigner entfallender Fehlbetrag in Höhe von 48,3 Millionen US-Dollar (39,1 Millionen Euro). Bereinigt um Restrukturierungskosten und einmalige Steuerbelastungen ergab sich nach Angaben des Unternehmens ein Überschuss von 87,1 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Nettogewinn von 198,0 Millionen US-Dollar ausweisen können.

Im laufenden Jahr will das Unternehmen sein Restrukturierungsprogramm fortsetzen

Immerhin fielen die Zahlen im vierten Quartal nicht so schlecht aus, wie Branchenexperten im Vorfeld befürchtet hatten: Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 1,36 Milliarden US-Dollar. Wiederum wurde ein Rückgang in Nordamerika (-4,5 Prozent) durch hohe Steigerungen in den übrigen Märkten (+47 Prozent) mehr als wettgemacht.

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet die Unternehmensführung keine Trendwende: Sie prognostiziert eine Umsatzverbesserung um einen „niedrigen einstelligen Prozentsatz“. Erwartet wird dabei ein Rückgang in Nordamerika um einen mittleren einstelligen Prozentsatz und ein Plus von „mehr als 25 Prozent“ im internationalen Geschäft. Der operative Gewinn soll zwanzig bis dreißig Millionen US-Dollar erreichen. Dabei sind Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen im Volumen von 110 bis 130 Millionen US-Dollar einkalkuliert. Die Maßnahmen sollen sich ab 2019 auszahlen: Dann rechnet das Unternehmen mit jährlichen Einsparungen in Höhe von etwa 75 Millionen US-Dollar.

Foto: Under Armour Facebook-Page
 

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