Under Armour schreibt rote Zahlen und kündigt Reformen an

Beim US-amerikanischen Sportartikelhersteller Under Armour Inc. lief es zuletzt alles andere als rund. Nachdem der Aufsteiger aus Baltimore jahrelang mit phänomenalen Wachstumsraten selbst etablierte Konkurrenten wie Adidas das Fürchten gelehrt hatte, stellten sich Sättigungseffekte ein. Vor allem auf dem ohnehin schwierigen Heimatmarkt scheint Under Armour sein Potential ausgereizt zu haben. Die Anleger reagierten verschnupft: Innerhalb eines Jahres verlor die Aktie die Hälfte ihres Wertes.

Auch im zweiten Quartal 2017, für das der Sportartikler am Dienstag Zahlen vorlegte, lag das Umsatzwachstum weit unterhalb früherer Steigerungsraten. Zwar wurde der Quartalsverlust reduziert, aber angesichts der anhaltenden Schwächephase senkte Under Armour seine Jahresprognosen und verkündete einschneidende Restrukturierungsmaßnahmen. Die gehen erst einmal ins Geld: Das Unternehmen rechnet mit zusätzlichen Einmalbelastungen im dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich.

Aufgrund schwacher Geschäfte in Nordamerika steigt der Quartalsumsatz nur um 8,7 Prozent

In den Monaten April bis Juni erwirtschaftete Under Armour einen Umsatz in Höhe von 1,09 Milliarden US-Dollar (921,3 Millionen Euro). Gegenüber dem Vorjahresquartal bedeutete das eine Steigerung um 8,7 Prozent (währungsbereinigt +8,3 Prozent). Während die Umsätze mit Bekleidung und Accessoires deutlich stiegen, gingen sie im Schuhgeschäft zurück.

Kaum Bewegung gab es beim Umsatz in der Heimat: In Nordamerika übertrafen die Erlöse mit 829,8 Millionen US-Dollar das Vorjahresniveau nur knapp (+0,3 Prozent). Damit büßte das Unternehmen dort weiter Marktanteile gegenüber der Konkurrenz ein: Marken wie Puma und Adidas konnten zuletzt zweistellige Zuwächse verbuchen.

Um die Abhängigkeit vom schwächelnden Heimatmarkt zu verringern, setzte Under Armour in den vergangenen Jahren gezielt auf die Expansion im Ausland. So erwies sich das internationale Geschäft erneut als Wachstumsmotor. Im asiatisch-pazifischen Raum stiegen die Erlöse um 88,8 Prozent auf 93,6 Millionen US-Dollar, in der Region EMEA, die Europa, den Nahen Osten und Afrika umfasst, um 57,0 Prozent auf 103,9 Millionen US-Dollar und in Lateinamerika um 10,4 Prozent auf 38,0 Millionen US-Dollar. In der mit millionenschweren Investitionen aufgebauten Connected-Fitness-Sparte sank der globale Umsatz um 2,2 Prozent auf 23,0 Millionen US-Dollar.

Sondereffekte sorgen für einen deutlich niedrigeren Quartalsverlust

Höhere Betriebskosten und Preisnachlässe sowie negative Währungseffekte sorgten dafür, dass Under Armour das Quartal mit einem operativen Verlust abschloss. Der Fehlbetrag lag bei 4,8 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorjahr noch ein Betriebsgewinn von 19,4 Millionen US-Dollar erzielt worden war. Der auf die Anteilseigner entfallende Nettoverlust fiel aufgrund von Einmaleffekten allerdings geringer aus: Er sank von 52,7 auf 12,3 Millionen US-Dollar (10,4 Millionen Euro). Im Vorjahresquartal war das Unternehmen nur aufgrund von Sonderzahlungen an bestimmte Aktionäre in Höhe von 59 Millionen US-Dollar in die roten Zahlen gerutscht.

Kostspielige Restrukturierungsmaßnahmen werden den Jahresgewinn belasten

Aufgrund der erneut unbefriedigenden Resultate kündigte die Konzernleitung einen Restrukturierungsplan an. Ziel sei eine „höhere Effizienz“ und die stärkere Konzentration auf rentable Investitionen, erläuterte CEO Kevin Plank. So will das Unternehmen nach Jahren des rapiden Wachstums nun Einschnitte vornehmen. Geplant sind Ladenschließungen und Entlassungen. Die geplanten Maßnahmen werden das Ergebnis empfindlich belasten. Das Unternehmen bezifferte die voraussichtlichen Restrukturierungskosten auf 110 bis 130 Millionen US-Dollar vor Steuern im laufenden Geschäftsjahr. Davon entfallen bis zu siebzig Millionen US-Dollar auf die vorzeitige Beendigung von Mietverträgen und Abfindungszahlungen, der Rest auf Abschreibungen und Wertberichtigungen.

Angesichts der schwachen Nachfrage in Nordamerika und der Zusatzbelastungen durch die Sanierungsmaßnahmen schraubte das Management auch die Jahresprognosen nach unten: Beim Umsatz wird für 2017 jetzt nur noch mit einem Wachstum im Bereich von neun bis elf Prozent gerechnet, nachdem zuvor eine Steigerung um elf bis zwölf Prozent angepeilt worden war. Auch beim operativen Gewinn wurden die Erwartungen deutlich zurückgeschraubt. Aufgrund der Restrukturierungskosten rechnet das Unternehmen nun nur noch mit 160 bis 180 Millionen US-Dollar. Bereinigt um Sondereffekte wären das 280 bis 300 Millionen US-Dollar. Zuvor hatte die Prognose bei 320 Millionen US-Dollar gelegen.

Foto: Under Armour

 

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