Wie die Energiekrise die Zentren der Bekleidungsproduktion beeinflusst
Die Bekleidungsindustrie durchlebt derzeit eine Krise, bei der es weniger um Modetrends als um das schiere Überleben geht. Seit Mitte März 2026 sind die Energieversorgungsadern der Produktionszentren in Südasien unter der Last des Konflikts in Nahost so gut wie zusammengebrochen. Die Schließung der Straße von Hormus hat den stetigen Strom von Industriebrennstoff in ein Rinnsal verwandelt. Das lässt Heizkessel kalt und Fließbänder stillstehen.
Kalte Kessel und Gaskürzungen in Indien
In Nordindien ist die Lage katastrophal. Allein in Panipat, 95 Kilometer nördlich von Neu Delhi, einer Stadt, die normalerweise vom Geräusch der Webstühle erfüllt ist, mussten über 350 Färbereien den Betrieb einstellen. Dies sind keine kleinen Verluste. Diese Betriebe sind das Herzstück des Textilsektors und bereiten die Stoffe vor, die Exporthäuser weltweit beliefern.
Nitin Arora, Präsident des Färbereiverbandes der Stadt (Panipat Dyers’ Association), sagte kürzlich gegenüber der indischen Tageszeitung The Tribune, dass mehr als 100.000 Menschen, die direkt oder indirekt im Färbereisektor beschäftigt sind, gefährdet seien. Ebenso seien Exporthäuser „stark betroffen“. Über 150 Betriebe im Färberei-Cluster Sector-29 mussten wegen der Nichtverfügbarkeit von kommerziellem Flüssiggas (LPG) schließen.
Die Regierung hat eine Umstellung auf Biomasse vorgeschlagen. Die meisten Fabriken haben jedoch ihre kohlebefeuerten Thermostate vor Jahren abgebaut, um die Vorschriften für „grünes“ Gas zu erfüllen. Sie stecken nun zwischen einem Brennstoff, den sie nicht bekommen können, und einem, für dessen Verbrennung sie nicht mehr ausgerüstet sind.
Im Industriegebiet Faridabad im indischen Bundesstaat Haryana, wo 15.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus der Bekleidungs- und Schuhbranche betroffen sind, ist die Stimmung düster. Raj Bhatia, Präsident der Industrieverbands der Stadt (Faridabad Industrial Association), merkte an, dass die „wirklichen Auswirkungen“ erst jetzt beginnen, da die „Sicherheitsbestände“ an Brennstoff und Rohstoffen zur Neige gingen. Wenn ein Kessel kalt wird, bleibt nicht nur eine Maschine stehen. Tausende von Arbeiter:innen, meist Frauen, verlieren ihre Schichten und ihre Löhne sinken. Zahlungsverzögerungen von 60 Tagen werden zur Norm und bringen kleine Unternehmen an den Rand des Kreditausfalls.
In den Textil- und Chemieclustern des Bundesstaates Gujarat hat die Landesregierung den industriellen Gasverbrauch um 50 Prozent gekürzt. Dies hat zu einem Preisanstieg von 30 bis 40 Prozent bei Basischemikalien und Farbstoffen geführt. Mayur Golwala, Sekretär des Handelsverbandes der Stadt, Sachin Industrial Society, warnte dem Branchenmagazin Apparel Resources zufolge, dass steigende Herstellungskosten Weber:innen zwingen könnten, die Produktion vorübergehend zu drosseln. Er fügte hinzu, dass Weber:innen die Produktion für zwei oder drei Tage pro Woche einstellen müssten, sollte der Betrieb unter den aktuellen Bedingungen finanziell unrentabel werden. Für Weber:innen in Surat ist ein Anstieg der Rohölpreise von 73 US-Dollar auf 100 US-Dollar (87,4 Euro) in einer einzigen Woche nicht nur eine Statistik; es ist der Todesstoß für Gewinnmargen.
Stromausfälle und Kapazitätsreduzierung in Bangladesch
Das Problem ist nicht auf Indien beschränkt. In Bangladesch, dem zweitgrößten Bekleidungsexporteur der Welt, bedroht das Energiedefizit die nationale Wirtschaft. Da das Land etwa 95 Prozent seines Brennstoffbedarfs aus dem Ausland bezieht, sind die Versorgungsrisiken real.
Berichten in der britischen Tageszeitung The Guardian zufolge hat die Regierung zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Dazu gehören geplante Stromabschaltungen und frühe Ramadan-Ferien für Universitäten, um genügend Diesel für den Betrieb der Bekleidungsfabriken bereitzustellen. Doch selbst diese Notrationen reichen nicht aus. Viele Fabriken arbeiten nur noch mit 40 bis 50 Prozent ihrer Kapazität. Der Gasdruck ist von den erforderlichen zehn Pfund pro Quadratzoll (PSI) auf 1,5 PSI gefallen, was nicht ausreicht. Die Fabriken verpassen nicht nur Fristen, sondern verlieren auch die Fähigkeit, ihre Mitarbeitenden zu beschäftigen.
Webereischließungen in Pakistan
In Pakistans Textilhochburgen Faisalabad und Karatschi hat die Situation einen kritischen Punkt erreicht. Die Regierung kämpft inmitten einer schweren Devisenkrise damit, wiederverdampftes Flüssigerdgas (RLNG) zu subventionieren. Die englischsprachige Tageszeitung The Dawn berichtete kürzlich, dass Hunderte kleiner bis mittlerer Webereien auf unbestimmte Zeit hätten schließen müssen. Grund dafür sei eine Kombination aus um 40 Prozent höheren Stromtarifen und unregelmäßigem Gasdruck, der ein gleichmäßiges Färben von Stoffen unmöglich mache.
Notbetrieb in Fabriken in Sri Lanka
Obwohl die Wirtschaft in Sri Lanka Anzeichen einer Erholung zeigt, steht der Bekleidungssektor, der Hauptexporteur des Landes, unter doppeltem Druck. Laut der Tageszeitung The Island hat die Handelskammer von Ceylon festgestellt, dass hohe Stromkosten die Fabriken zwingen, im Notbetrieb zu arbeiten. Dies führe zu einer Abwanderung von Aufträgen zu afrikanischen Wettbewerber:innen, wo Energiekosten niedriger seien.
Unberechenbare Stromversorgung in Kambodscha und Vietnam
Vietnam, ein wichtiger Standort im globalen Bekleidungshandel, kämpft mit Lastabwürfen in seinen nördlichen Produktionszentren. Die Krise wird durch die extremen Hitzewellen Anfang 2026 verschärft, die die Wasserkraftreservoirs erschöpft haben. Dir englischsprachige Tageszeitung The Saigon Times berichtet, dass große Schuh- und Bekleidungslieferanten für globale Einkäufer:innen aufgefordert würden, sich „selbst zu regulieren“ und den Stromverbrauch um 15 Prozent zu senken. Dies führe zu teuren Investitionen in Dieselgeneratoren, die die ohnehin schon knappen Gewinnmargen aufzehrten.
In Kambodscha hat der Verband der Bekleidungsherstellenden GMAC (Garment Manufacturers Association) über die Tageszeitung The Phnom Penh Post Bedenken hinsichtlich der Unvorhersehbarkeit des regionalen Stromnetzes geäußert.
Globaler Handel orientiert sich neu
Ein weiterer Faktor der Energiekrise ist der dauerhafte Vertrauensverlust. Internationale Einkäufer:innen, aufgeschreckt durch die Instabilität, suchen bereits nach „sichereren“ Häfen. Eine massive Umleitung von Aufträgen ist zu beobachten, da Marken befürchten, dass ihre saisonalen Kollektionen auf Schiffen oder an Flughäfen festsitzen könnten, so Insider:innen laut The Federal. Sollte Südasien in den nächsten Wochen keine stabile und erschwingliche Energieversorgung sicherstellen können, könnte der Ruf seiner Produktionszentren, der über Jahrzehnte aufgebaut wurde, gefährdet sein.
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