Wie große Fast-Fashion-Marken die Logistikkrise im Nahen Osten bewältigen
Die globalen Lieferketten der Modebranche durchlaufen derzeit eine Phase tiefgreifender Instabilität. Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten stört den Warenfluss von den Produktionszentren in Südasien zu den Einkaufsstraßen in Europa erheblich.
Seit Anfang März 2026 stellen die Schließung wichtiger Lufträume und die Einstellung des Betriebs an großen Drehkreuzen wie Dubai ein großes Problem für Marken und Einzelhändler:innen dar. Die Seewege standen aufgrund von Umleitungen im Roten Meer schon lange unter Druck. Nun hat die plötzliche Lähmung der Luftfrachtkorridore dazu geführt, dass hochwertige saisonale Lieferungen festsitzen. Selbst die größten der Branche sind gezwungen, zwischen horrenden Kosten und leeren Regalen zu wählen.
Gestrandete Bestände
Für Fast-Fashion-Riesen wie den spanischen Konzern Inditex, zu dem die Hauptmarke Zara gehört, und den irischen Discounter Primark äußert sich die Krise in einer buchstäblichen Anhäufung von Lagerbeständen. Herstellende Betriebe in Bangladesch und Indien berichten, dass Tausende von Kleidungsstücken für die Frühjahr/Sommer-Kollektionen derzeit auf Flughäfen festsitzen.
Shovon Islam, Geschäftsführer der Sparrow Group, einem Hauptlieferanten für Inditex, Next und Primark, bestätigte das Ausmaß des Engpasses. „Einige meiner Bekleidungslieferungen stecken derzeit am Flughafen von Dhaka fest. Sie sollten über Dubai nach Großbritannien geflogen werden, aber da der Betrieb am Flughafen Dubai eingestellt wurde, befinden wir uns jetzt in einer sehr schwierigen Lage“, so Islam gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Saisonale Verschiebung durch verzögerte Kampagnen
Der logistische Stillstand ist kein unterschwelliges Problem, sondern gestaltet den Saisonkalender aktiv um. Der schwedische Konzern H&M hat bereits sein Marketing angeglichen, um es an erschöpfte Lagerbestände anzupassen. Chief Executive Officer (CEO) Daniel Erver erklärte gegenüber Reuters, dass das Unternehmen gezwungen war, große Kampagnenstarts zu verschieben, um sie mit den verspäteten Lieferungen zu synchronisieren. Er fügte hinzu, dass man zwar geringe Auswirkungen auf die Kund:innen anstrebe, die Verzögerungen in einigen Märkten jedoch „etwa zwei Wochen“ betragen könnten.
Frachtkosten erreichen Höchststände wie zu Covid-Zeiten
Die finanziellen Auswirkungen dieser Störungen sind enorm. Da 16 bis 18 Prozent der weltweiten Luftfrachtkapazität aufgrund von Luftraumsperrungen fast über Nacht wegfielen, sehen sich Hersteller:innen mit einer Verdopplung oder sogar Verdreifachung der Frachtpreise konfrontiert.
Alexander Nathani, ein Partner beim in Mumbai ansässigen Inditex-Zulieferer Kira Leder, berichtete von einem dramatischen Anstieg der Gemeinkosten. „Die gesamte Frachtkapazität wird jetzt bei den aktiven Fluggesellschaften blockiert, sodass die Preise steigen“, erklärte Nathani. Er merkte an, dass sich die Transportkosten von Mumbai nach Europa praktisch verdoppelt haben, da Speditionen Schwierigkeiten haben, alternative Routen zu finden.
Fragilität des Seeverkehrs und der „Hormuz-Faktor“
Obwohl Unternehmen wie Primark und H&M traditionell auf Seefracht zur Kostensenkung gesetzt haben, bietet der maritime Sektor keine Zuflucht. Die Umleitung von Schiffen um das Kap der Guten Hoffnung aufgrund der Blockade der Straße von Hormus hat die Transitzeiten bereits um zehn bis 15 Tage verlängert.
Mohammad Hatem, Presient der Bangladesh Knitwear Manufacturers and Exporters Association (BKMEA), warnte, dass sich die Lage verschlechtern könnte, wenn die Straße von Hormus beeinträchtigt wird. „Die Aussetzung von Frachtflügen stört bereits die Luftfrachtsendungen. Alles in allem sind wir besorgt – wir sehen eine weitere große Krise auf uns zukommen“, sagte er gegenüber Times of India.
Strategische Widerstandsfähigkeit und vorsichtige Expansion
Als Reaktion darauf schwenkt die Branche auf anpassungsfähige Netzwerke anstelle traditioneller schlanker Lieferketten um. Viele Marken und Einzelhändler:innen verlagern ihre Produktion nun in die Türkei oder nach Nordafrika, um den Nahen Osten ganz zu umgehen. Für die unmittelbare Saison liegt der Fokus jedoch weiterhin auf Schadensbegrenzung.
Expansionspläne könnten vorerst auf Eis liegen. Während Inditex gerade in den Irak expandierte , plant Primark im Frühjahr drei Filialen in Dubai zu eröffnen sowie bis Ende des Jahres weitere in Bahrain und Katar. Die Primark-Muttergesellschaft Associated British Foods äußerte sich zur geplanten Expansion in den Nahen Osten. „Primark wird Ende März seine erste Filiale in Dubai eröffnen. Dies ist eindeutig eine sich schnell entwickelnde Situation, die wir genau beobachten“, so ein:e Sprecher:in laut Economic Times.
Für Brancheninsider:innen ist die Botschaft klar: Die Ära der vorhersehbaren, kostengünstigen globalen Logistik neigt sich dem Ende zu. Sie wird durch die Notwendigkeit von Agilität und die Toleranz für deutlich höhere Gesamtkosten ersetzt.
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