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Wie kann der digitale Produktpass die OECD-Sorgfaltspflicht in globalen Modelieferketten unterstützen?

Der digitale Produktpass (DPP) dient als strukturierter digitaler Datensatz im Rahmen der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR). Diese Pässe ersetzen nicht die Sorgfaltspflicht. Sie fungieren vielmehr als „strukturierte Container“ für die zu ihrer Unterstützung notwendigen Daten. Das betonte Catherine Lomonaco, Gründerin von GoTrace, in einem Webinar am 10. Februar.

Die Nebensitzung des OECD-Forums zur Sorgfaltspflicht im Bekleidungs- und Schuhsektor verdeutlichte einen entscheidenden Wandel in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Dieser Wandel geht weg von reinen Selbstauskünften hin zu überprüfbaren Daten. Lomonaco betonte die Notwendigkeit, über oberflächliche Behauptungen hinauszugehen. „Bei Sorgfaltspflicht geht es nicht um Behauptungen, sondern um Nachweise, rückverfolgbare Informationen und ein kontinuierliches Risikomanagement“, erklärte sie.

Die Notwendigkeit offener Daten

Damit diese Informationen aussagekräftig und zugänglich sind, müssen sie offen sein. Nathalie Grillon, Chief Executive Officer (CEO) des Open Supply Hub, sprach die systemische Fragmentierung an, die derzeit die Transparenz der Lieferkette behindert. Sie stellte fest, dass isolierte, geschlossene Daten eine Berichtslast für Lieferant:innen schaffen. Zudem führen sie zu inkonsistenten Aufzeichnungen bei Marken. Grillon schlägt eine Bewegung hin zu offenen Daten vor. Dabei wird Produktionsstätten eine eindeutige, neutrale Kennung (OSID) zugewiesen, um die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen zu gewährleisten. Sie merkte an, dass „die Identifizierung von Betrieben offen, kostenlos und für alle zugänglich sein kann und sollte“. Grillon betonte, dass die Behandlung dieser Daten als öffentliche Infrastruktur der einzige Weg sei, das DPP-Ökosystem effektiv zu skalieren.

Durch die Einführung eines offenen Datenmodells kann die Branche die Kosten für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) senken. Es kann auch ein leistungsorientiertes System gefördert werden, in dem Leistungen und nicht Beziehungen den Marktzugang bestimmen. Grillon veranschaulichte dies anhand einer Zusammenarbeit mit dem World Wildlife Fund. Dabei ermöglichte die Überlagerung von Betriebsdaten mit potenziellen Dürregebieten Marken, gemeinsam in Schutzmaßnahmen zu investieren. „Sorgfaltspflicht und digitale Produktpässe werden nur funktionieren, wenn wir Betriebsdaten als öffentliche Infrastruktur und nicht als Privatvermögen behandeln“, fasste Grillon zusammen. Sie fordert die Branche auf, davon abzurücken, die Standorte von Lieferbetrieben als private Wettbewerbsvorteile zu betrachten.

Paradigmenwechsel bei der Rückverfolgbarkeit

Ein weiteres Problem ist die Rückverfolgung ausgehend vom fertigen Produkt, anstatt direkt bei der Faser zu beginnen. Rhys Davis, Chief Operating Officer (COO) von Aware, stellte diesen traditionellen „rückwärtsgewandten“ Ansatz der Rückverfolgbarkeit in Frage. Bei diesem versuchen Marken, die Geschichte eines Produkts vom fertigen Kleidungsstück aus zu rekonstruieren. Er argumentierte, dass diese Methode von Natur aus unzuverlässig sei, da sie oft zu unbeabsichtigtem Greenwashing führe, da Marken nach den ersten zwei Stufen die Sichtbarkeit verlören. Stattdessen plädierte Davis für eine „Vorwärtsverfolgung“ von der Quelle aus, die bereits auf der Baumwollfarm oder in der Kunststoffrecyclinganlage beginnt. „Wenn die Informationen zu herstellenden Betrieben falsch sind oder fehlen, ist der DPP nicht mehr glaubwürdig und, ehrlich gesagt, irrelevant.“

Die Lösung von Aware umfasst ein digitales Register, in das Daten in Echtzeit hinzugefügt werden, während sich die Faser durch die Lieferkette bewegt. Diese physisch-digitale Verbindung stellt sicher, dass die Wirkungsmetriken, wie Kohlenstoffemissionen oder Wasserverbrauch, am Produktionsort erfasst und nicht später geschätzt werden. Davis betonte, dass dieser Ansatz die Produzent:innen stärke: Er gibt ihnen einen „überprüfbaren Nachweis für ihre Behauptungen“ und verlagert die Last der Vorbereitung von den Marken auf die Lieferant:innen. Er vertritt die Ansicht, dass die Daten für einen wirklich zuverlässigen DPP primär sein und von den Akteur:innen stammen müssen, die das Material physisch handhaben.

Umsetzung der Verifizierung auf Produktebene

Maciej Bulkowski, CEO von Caruma, konzentrierte sich auf die praktische Umsetzung von DPPs auf Kollektionsebene. Dabei ging es speziell um Upcycling und vegane Alternativen. Er stellte ein Rahmenwerk aus „Behauptung, Nachweis, Verknüpfung und Handlung“ vor. Er argumentierte, dass ein DPP ohne einen Link zum Nachweis lediglich ein Marketinginstrument sei. Bulkowski zeigte, dass Marken echtes Vertrauen bei Verbraucher:innen aufbauen können. Dies gelingt durch die Nutzung von Blockchain für unveränderliche Ereignisaufzeichnungen, während sensible Geschäftsdaten außerhalb der Kette bleiben. „Rückverfolgbarkeit ohne Verifizierung ist nur Storytelling, es ist keine Sorgfaltspflicht“, warnte er und betonte damit die Notwendigkeit einer prüfungsbereiten Dokumentation.

Eine herausragende Fallstudie, die Buklowski vorstellte, war der „Material First“-Ansatz bei veganem Leder. Bei diesem Modell wird dem Materialursprung ein DPP zugewiesen, bevor das Produkt überhaupt hergestellt wird. Dadurch kann das fertige Kleidungsstück die verifizierte Geschichte des Materials automatisch „erben“. Dies stellt sicher, dass die Nachweiskette von der Fabrikhalle bis zum Verkaufsregal ununterbrochen bleibt. Diese Methode vereinfacht die Einhaltung der Vorschriften für Designer:innen. Sie stellt sicher, dass Initiativen der Kreislaufwirtschaft durch hochwertige Daten und nicht durch vage Versprechungen gestützt werden. Dies bietet eine klare Roadmap für Marken, die sich in den neuen EU-Vorschriften zurechtfinden müssen.

Vorbereitung auf zukünftige regulatorische Standards

Die abschließende Frage-und-Antwort-Runde befasste sich mit den praktischen Sorgen von Bekleidungshersteller:innen und Marken bezüglich der anstehenden EU-Verordnungen für Textilien. Die Vortragenden waren der Meinung, dass Unternehmen mit der Zentralisierung „unverzichtbarer“ Daten beginnen sollten. Dazu gehören Produktkennungen, Materialzusammensetzung und Betriebsstandorte, auch wenn die genauen Datenstandards noch ausgearbeitet werden. Sie waren sich einig, dass eine abwartende Haltung nicht länger tragbar sei. Die Ausrichtung an bestehenden Rahmenwerken wie dem UN-Transparenzprotokoll ist ein kluger Zwischenschritt. Bulkowski bemerkte, dass sich die Branche in einer Lernphase befinde, und erklärte: „Wir lernen, wie wir diese Informationen nutzen und wie wir Informationen im DPP aufbauen können.“

Letztendlich stellt der Übergang zu DPPs eine grundlegende Veränderung dar. Er betrifft die Art und Weise, wie die Textil- und Bekleidungsindustrie Risiken managt und Werte kommuniziert. Ob durch offene Betriebskartierung, Hauptbuchsysteme auf Faserebene oder Blockchain-gestützte Produktpässe – das Ziel bleibt eine „einzige Quelle der Wahrheit“. Diese Quelle muss den gesamten Lebenszyklus eines Kleidungsstücks überdauern. Während die Branche auf die Fertigstellung des EU-Regelwerks wartet, ist der Konsens unter diesen Expert:innen klar: Die Infrastruktur für Transparenz muss kollaborativ und wissenschaftlich fundiert sein. Vor allem muss sie in jeder Produktionsphase auf überprüfbaren Nachweisen beruhen.

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