Resale-Boom: Müssen auch in Deutschland Secondhand-Läden schließen?
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Vor wenigen Tagen haben britische Wohltätigkeitsorganisationen verkündet, dass sie ihr Filialnetz verkleinern müssen. Der Grund: Immer weniger Menschen spenden gebrauchte Kleidung, sondern verkaufen sie selbst weiter. Wie ist die Lage in Deutschland?
Das Geschäftsmodell vieler Wohltätigkeitsorganisationen beruht darauf, dass Menschen ihnen gebrauchte Kleidung oder andere Gegenstände spenden, die diese dann weiterverkaufen, um damit gemeinnützige Aktivitäten zu finanzieren. Da jedoch immer weniger Menschen gebrauchte Produkte spenden und sie stattdessen lieber selbst über die steigende Anzahl an Secondhand-Anbietern und Online-Plattformen weiterverkaufen, schrumpft die Grundlage für diese Organisationen. In Großbritannien reagierte die British Heart Foundation auf die sinkenden Gewinne im Einzelhandel und kündigte an, bis März 2027 rund 150 ihrer etwa 640 Charity Shops zu schließen. Als Gründe gelten ein schwieriges Marktumfeld sowie die wachsende Konkurrenz durch Resale-Plattformen wie Vinted oder Depop. Über diese werden zunehmend hochwertige Secondhand-Artikel direkt verkauft statt gespendet.
In Deutschland sehen gemeinnützige Secondhand-Anbieter bislang keinen vergleichbaren Trend. Zwar beobachten auch sie Veränderungen im Spendenverhalten und bei der Qualität der abgegebenen Kleidung, flächendeckende Geschäftsschließungen stehen jedoch nicht bevor.
Deutschland hat andere Herausforderungen
Oxfam Deutschland verweist darauf, dass die Situation hierzulande nur eingeschränkt mit Großbritannien vergleichbar sei. Während Oxfam im Vereinigten Königreich mehr als 500 Charity Shops betreibt, umfasst das deutsche Netz derzeit 57 ehrenamtlich geführte Läden mit rund 4.000 Freiwilligen. Die Shops konnten im Geschäftsjahr 2024/25 knapp vier Millionen Euro für die gemeinnützige Arbeit von Oxfam Deutschland erwirtschaften. Nach Angaben der Organisation wächst der Umsatz in den Geschäften: Von 2,55 Millionen Euro im Jahr 2022/23 auf 3,4 Millionen Euro im Jahr 2023/24 auf zuletzt 3,95 Millionen Euro (2024/25). Hinweise auf einen Rückgang der Spendentätigkeit gebe es laut Oxfam Deutschland nicht.
Auch die Heilsarmee berichtet derzeit von keinen wesentlichen Veränderungen. Das vergleichsweise kleine Netz an Secondhand-Läden in Deutschland sei bislang nicht von vergleichbaren Entwicklungen betroffen. Lokale Unterschiede würden jedoch beobachtet.
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sieht die größte Herausforderung weniger im Wettbewerb mit Resale-Plattformen als in der sinkenden Qualität der Kleiderspenden. Ursache sei vor allem der anhaltende Trend zu Fast Fashion. Billig produzierte, synthetische Textilien seien weniger langlebig, schlechter wiederverwendbar und erschwerten das Textilrecycling. Für die Kleiderläden bedeute dies einen höheren Sortieraufwand, obwohl das Spendenaufkommen weiterhin hoch sei.
Oxfam und auch einige Kleiderläden des DRK begutachten die Spenden deshalb gerne gemeinsam mit den Spender:innen und wählen dann nur diese aus, die auch gut weiterverkauft werden können. „Das schafft zum einen Bewusstsein für die Problematik, zum anderen verhindert es, dass die gemeinnützigen Läden auf den Entsorgungskosten für nicht verwertbare Ware sitzenbleiben“, schreibt das DRK auf Anfrage.
Demnach verzeichnet das DRK ebenfalls einen Qualitätsverlust bei der Ware, Schließungen aufgrund dieser Entwicklung seien dem Verband jedoch bislang nicht bekannt.