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Roboter näht erstes komplettes T-Shirt

Von Regina Henkel

12. Sept. 2016

Einzelhandel

Es ist so weit: Die Industrie 4.0 hat auch die Modebranche erreicht. Sewbo Inc., ein in Seattle ansässiges Tech-Start-up, hat erstmals in der Geschichte ein komplettes Kleidungsstück allein mit einem Roboter genäht. Angefertigt wurde ein T-Shirt. Gelungen ist das Kunststück, indem Sewbo dem Roboter den Umgang mit einer Nähmaschine „beigebracht“ hat. Doch das weitaus größere Problem dabei war aber, die Stoffe „robotertauglich“ auszurüsten.

Geringer Automatisierungsgrad in der Bekleidungsfertigung

Im Gegensatz zu anderen Branchen wie z.B. der Automobilindustrie, ist der Automatisierungsgrad in der Bekleidungsindustrie bislang noch relativ gering. Zwar ist die Durchführung einzelner Arbeitsschritte per Roboter längst üblich, wie z.B. die Anfertigung von Taschen, Knopflöchern etc., die Herstellung eines kompletten Bekleidungsstücks lag bislang aber noch in weiter Ferne - selbst wenn es so einfach ist wie ein T-Shirt.

Als Grund dafür gilt vor allem die Weichheit der Materialien, also die z.T. feinen, weichen und dehnfähigen Stoffe, die für Roboter bislang schwer zu verarbeiten waren. Dieses Problem hat Sewbo Inc. gelöst, indem es den Stoff künstlich versteift hat. Dazu wurde vor der Verarbeitung ein ungiftiges Polymer auf den Stoff aufgetragen, das nach dem Herstellungsprozess durch heißes Wasser wieder aus dem Stoff herausgelöst wurde. Die Idee hierzu lieferte die 3D-Druck-Technik, bei der temporäre Trägermaterialien aus wasserlöslichen Kunststoffen dabei helfen, Skulpturen zu erschaffen, die sonst nicht machbar wären.

Mehr Kontrolle über die Supply Chain

Handarbeit war den Robotern deshalb lange nicht nur überlegen, sie war auch viel billiger – zumindest in Fernost. „Unsere Technologie ermöglicht es Herstellern, hochwertige Kleidung zu niedrigeren Kosten in kürzerer Zeit zu produzieren“, erklärt Jonathan Zornow, Erfinder der Technologie. „ Mit dieser Technologie können soziale und arbeitsrechtliche Probleme in der Supply Chain ausgeschlossen werden, die Lieferzeit verkürzt sich und die Komplexität der Supply Chain kann insgesamt reduziert werden.“

Mehr Individualisierung

Doch das ist noch nicht alles. Mit der vollautomatischen Herstellung soll es bald möglich sein, die Individualisierung der Produkte kostengünstig zu gestalten und damit massentauglich zu machen.

Der Schritt bis dahin ist gewiss noch weit. Bislang lohnte sich die Vollautomatisierung vor allem dort, wo standardisierte Produkte in großen Stückzahlen und langen Laufzeiten garantiert werden konnten. In der Modeherstellung hingegen sind schnelle Produktwechsel eher die Regel als die Ausnahme.

Dass auch andere Hersteller viel Potenzial in der Vollautomatisierung sehen beweist z.B. Adidas, das mithilfe seiner vollautomatischen „Speedfactory“ bald schon erste vollautomatisch produzierte Schuhe auf den Markt bringen will. Angeblich noch in diesem Jahr.

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Foto: Sewbo

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