So schützt sich der deutsche Modehandel vor den angekündigten Protesten

Vor den für Samstag, dem 31. Oktober 2026, angekündigten bundesweiten Jugendprotesten der Initiative „Gen Z regelt“ bereitet sich der deutsche Einzelhandel – und insbesondere Modeläden und Luxusboutiquen – intensiv mit Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen vor. Hintergrund sind Befürchtungen von Vandalismus, Blockaden oder Plünderungen, wie sie zuletzt bei ähnlichen Jugendprotesten in europäischen Nachbarländern wie Frankreich und Italien aufgetreten sind.

Barrikaden und leere Schaufenster

In bekannten Einkaufsstraßen wie der Düsseldorfer Königsallee und in Zentren wie Berlin, Köln, Hamburg und Frankfurt verbarrikadieren Geschäfte bereits ihre Fassaden. Holzverkleidungen und Baugerüste gehören dabei zu den bevorzugten physischen Schutzmaßnahmen. Ebenso werden Schaufensterauslagen mit wertvollen Mode- und Luxusartikeln geräumt, um Anreize für Blitzeinbrüche oder Vandalismus zu minimieren.

Gerade im Hinblick auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft können sich Juweliere und Luxus-Modeboutiquen kaputte teure Sonderglasscheiben nicht leisten. Einige wollen nicht nur die Auslagen, sondern den gesamten Laden räumen. „Wir wissen alle nicht, was da kommt“, kommentierte Andrea Greuner, Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Königsallee, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) in Düsseldorf. „Das ist Prävention.“

Obwohl die Organisator:innen von „Gen Z regelt“ betonen, dass die Demonstrationen friedlich verlaufen sollen, und Sicherheitsbehörden wie das Bundeskriminalamt (BKA) bislang keine konkreten Gewaltaufrufe vorliegen haben, warnen Behörden vor der Unterwanderung durch gewaltbereite Gruppen. Zudem haben viele noch die Bilder aus Frankreich vor Augen – dort waren vor allem internationale Luxusmarken gezielt Anlaufstellen für Vandalismus und Plünderungen.

Geschlossene Läden oder kürzere Öffnungszeiten

Um Risiken für Beschäftigte und Kundschaft zu meiden, greift der Einzelhandel einschließlich Luxusmodeanbietenden zu personellen und organisatorischen Schritten: So lässt etwa die Parfümeriekette Douglas am Samstag in betroffenen Städten vorsorglich zwölf Filialen geschlossen. „Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden und Kundi:nnen hat für uns höchste Priorität“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage der DPA.

Auch Luxusjuwelier Wempe will kein Risiko eingehen und schließt daher präventiv zeitweise seine Geschäfte. „Nach enger Abstimmung mit den Behörden an den Wempe-Standorten besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die friedlichen und legitimen Proteste durch aggressive Gruppierungen wie in Frankreich oder Belgien unterwandert werden könnten“, teilte das Familienunternehmen am Donnerstag mit.

Premium-Modehändler Apropos kündigte an, die Öffnungszeiten seiner Läden in Berlin, Düsseldorf und Köln vorsorglich einschränken und bereits um 16 Uhr statt wie gewohnt um 19 Uhr schließen zu wollen. „Die Ereignisse der vergangenen Woche in Städten wie Paris, Mailand und Lyon haben uns alle schockiert“, erklärte Apropos Brand-Director Pepe Burkhardt auf Anfrage von Ippen.Media.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Unternehmen eine Kampagne gegen Gewalt im Einzelhandel ins Leben gerufen, nachdem der Apropos-Store in der Kölner Mittelstraße kürzlich selbst von Gewalt betroffen war. Dort steht auf den Schaufenstern bereits der Slogan „Köln ist so viel besser als das“. Einzelhändler:innen in anderen Städten können die Botschaft mit dem Namen ihres Standorts aufgreifen und unter dem Hashtag #WirSindBesserAlsDas teilen.

“Köln ist so viel besser als das!” Apropos-Store in Köln Credits: Apropos

„Unsere Städte leben von den Menschen, die sie gestalten, von den Geschäften, Cafés und Restaurants, von Begegnungen und dem täglichen Miteinander. Wir möchten mit unserer Botschaft daran erinnern, was unsere Städte ausmacht. Gewalt und Zerstörung dürfen nicht das Bild bestimmen“, erklären die Apropos-Geschäftsführer Klaus Ritzenhöfer, Daniel Riedo und Henning Korb in einer Mitteilung.

Wirtschaftsverbände fordern Unterstützung von der Politik

Mehrere große Dachverbände der Wirtschaft und des Handels – darunter der Handelsverband Deutschland (HDE), der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) und der German Council of Shopping Places (GCSP) – haben sich in einem gemeinsamen Appell an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und die Behörden gewandt. In einem Schreiben warnen die Verbände vor massiven Störungen und greifen dabei Erfahrungen aus dem Ausland auf.

„Gewaltbereite Akteur:innen könnten friedliche Proteste instrumentalisieren; Angriffe auf Einzelhandelsgeschäfte und Shopping-Center durch Sachbeschädigungen, Vandalismus oder Plünderungen sind nicht auszuschließen“, heißt es in dem Schreiben ans Innenministerium. Die Verbände fordern daher besonders in stark frequentierten Innenstadtlagen und an Einzelhandelsschwerpunkten eine „sichtbare und ausreichend dimensionierte Polizeipräsenz“

Der Einzelhandel, der ohnehin von der prekären geopolitischen Lage, Logistikkrisen und sinkenden Ausgaben der Konsument:innen betroffen ist, hat nicht genug Rücklagen, um Einbußen durch gewaltsame Proteste aufzufangen. „Gerade in hochfrequentierten Innenstadtlagen können Blockaden, gewaltsame Ausschreitungen oder Sachbeschädigungen erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen“, so die Verbände.

Der Einzelhandel in Frankreich etwa beklagt massive Einbußen durch die landesweiten Massenproteste, die teils mit schweren Ausschreitungen einhergingen. Nicht nur brach der Umsatz an den vergangenen beiden Samstagen in den Innenstädten, in denen es zu Demonstrationen kam, um 80 Prozent ein, weil die Kundschaft die Stadtzentren verständlicherweise meidete, es wurden auch über 2.500 Geschäfte geplündert, verwüstet oder in Brand gesetzt, so die Handelskammer CCI France.

Im Interview mit FashionUnited beschrieb Pierre Talamon, Präsident des französischen Modeverbands Fédération Nationale de l’Habillement (FNH), warum es besser sei, sein Geschäft zu schließen, als es wieder aufbauen zu müssen.


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