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Erste physische Modefabriek seit zweieinhalb Jahren: kompakter, aber nicht weniger vielseitig

Von Nora Veerman

11. Juli 2022

Messen

Modefabriek SS23. Bild: Aygin Kolaei für FashionUnited

Auf den ersten Blick ist es ein typischer Modefabriek-Morgen: Die volle Halle mit den Reihen von Ständen drinnen wird vielen ein vertrauter Anblick sein. Auch bei dieser Ausgabe gibt es wieder Vorträge und Seminare von verschiedenen Experten. Im Allgemeinen ist die Messe immer noch dieselbe. Aber es ist die erste physische Ausgabe der Modefabriek seit zweieinhalb Jahren, und in der Zwischenzeit hat sich einiges geändert.

Um mit der Organisation hinter der Messe zu beginnen: Nicht lange nach der letzten physischen Ausgabe der Messe im Januar 2020 trat die Kreativdirektorin Caroline Krouwels die Nachfolge ihres Kollegen Lucel van den Hoeven als Geschäftsführerin der Modefabriek an. Krouwels und Van den Hoeven arbeiteten seit den Anfängen der Messe 1996 zusammen, und in den vergangenen Jahren immer enger, sagte Krouwels in einem Interview am Sonntag. Als die Pandemie ausbrach, bat Van den Hoeven Krouwels, seine Aufgaben vollständig zu übernehmen. Er sagte: „Ich glaube, dass Sie den bevorstehenden Übergang bewältigen können. Krouwels akzeptierte. „Das war noch mit der Idee, dass wir einmal keine Messe haben würden. Natürlich habe ich nicht vorausgesehen, dass wir vier ausfallen lassen müssen."

Neue CEO Caroline Krouwels entscheidet sich für kompaktere und intimere Struktur

Die Abwesenheit von Messen gab Krouwels auch die Gelegenheit, sich dem Geschehen hinter den Kulissen der Organisation zu widmen. Hier fand vielleicht der größte Übergang statt: Die Veranstaltenden der Modefabriek zogen in ein kleineres Büro mit weniger Lagerfläche um, und die Zahl der Beschäftigten wurde reduziert. Die Organisation wurde kompakter, und es wurde viel aufgeräumt: Die IT-Systeme wurden bereinigt, von der Rechnungssoftware bis zum Kundenbetreuungssystem. Krouwels: „Die klassischen Dinge, die normalerweise auf der Strecke bleiben. Aber wir sind jetzt sehr zufrieden damit, alles läuft viel reibungsloser.”

Für die Modefabriek SS23 gab es schließlich grünes Licht. Die Standplätze waren in kürzester Zeit verkauft. Krouwels: „Wir haben gemerkt, dass alle wieder mit Eifer dabei waren. Dennoch gibt es weniger Aussteller als bei der letzten Ausgabe im Januar 2020, als eine Halle mehr geöffnet war. Das hat nichts mit der Zahl der Bewerbungen zu tun, sagt Krouwels – es gab mehr als genug davon. Für die erste Messe nach der Pandemie hat sich die Organisation jedoch bewusst für einen "kompakten und intimen Rahmen" entschieden.

Der Morgen bei der Modefabriek. Bild: Aygin Kolaei für FashionUnited

Dies spiegelt sich auch in der Gestaltung der Stände wider. „Früher gab es manchmal richtige Schlösser", sagt Krouwels. Die Organisation macht das nicht mehr. Die Stände sind jetzt im Durchschnitt weniger hoch und weniger stark dekoriert. Das macht die Messe gleicher, so Krouwels. Zum Teil war es aber auch eine praktische Entscheidung: Die Modefabriek hatte wie viele andere Unternehmen bis zum letzten Moment mit Personalmangel zu kämpfen. Hohe Stände waren auch für die begrenzte Zahl der verfügbaren Handwerker und Techniker einfach zu anspruchsvoll.

Diese Entwicklung trägt auch zur Überschaubarkeit der Messe bei, wozu vielleicht auch die Tatsache beiträgt, dass es in diesem Jahr eine Halle weniger gibt. Die Besuchenden sind sich einig: Die Inhaber der Boutique Toeti Noemi in Bergen, die auf der Suche nach neuen Marken sind, sagen, dass sie die Messe übersichtlicher finden als früher. Die Atmosphäre ist entspannter, sagen mehrere Einzelhändler:innen – vielleicht, weil man weniger das Gefühl hat, sich beeilen zu müssen, um alles zu sehen.

Modefabriek arbeitet mit The Fashion Gallery zusammen

Eine wichtige Änderung ist die Einführung von nicht weniger als drei neuen Elementen auf der Messe. Das erste ist die Zusammenarbeit mit der Modeinitiative The Fashion Gallery, für die eine Ecke in der rechten Halle eingerichtet wurde. Hier werden verschiedene Marken aus einem etwas höheren Segment als anderswo auf der Messe ausgestellt. Diese waren zuvor Teil der Veranstaltung Fashion Gallery, die vorher in De Goudfazant in Amsterdam organisiert wurde.

Ein Blick auf die Messe, mit dem Bereich The Fashion Gallery auf der linken Seite. Bild: Aygin Kolaei für FashionUnited

„Nach Covid wollte ich das alles nicht mehr auf mich nehmen", sagt Initiatorin Karin Vink. „Wir haben eine Zusammenarbeit vorgezogen, und es hat funktioniert." Auch Krouwels ist von der Zusammenarbeit begeistert. „Die meisten Marken waren in der Vergangenheit auch schon hier, sind aber irgendwann ihren eigenen Weg gegangen. Ich freue mich sehr, dass wir mit dem Relaunch von Modefabriek unsere Kräfte wieder bündeln. Die Kombination von Initiativen ist letztendlich besser, auch für den Kund:innen.”

Die Marken von The Fashion Gallery, darunter Tiger of Sweden, Bruuns Bazaar und Femmes du Sud, sind nun gemeinsam auf der Messe vertreten. Erfreulich für die Marken, meint Vink. Maarten Janse von der Agentur Lexson Brands, die mit Tiger of Sweden in der Fashion Gallery der Messe vertreten ist, stimmt dem zu. „Es ist schön, von Marken aus dem gleichen Segment umgeben zu sein. Die Kund:innen kommen genau deswegen hierher."

Plattform für Jungunternehmer

Das zweite Element ist die Plattform für Jungunternehmer:innen (Young Entrepreneurs Platform, YEP), die sich vor dem Eingang zur Messe befindet. Die Modefabriek hat schon immer ein Auge auf junge Unternehmer:innen und Modeschaffende geworfen, sagt Krouwels, aber in diesem Jahr hat sie eine neue Form gefunden. YEP wurde in Zusammenarbeit mit dem Shop und der Agentur ABCNDstore in Amsterdam kuratiert, die von Jarwo Gibson gegründet wurde. Eine Auswahl wurde aus den Labels getroffen, die im ABCNDstore hängen, darunter Studio Nani, Reconstruct, Hedone, Versatile Forever und Ties Amsterdam.

Die Plattform für junge Entrepreneur:innen. Bild: Aygin Kolaei für FashionUnited

Gibson gefällt die Tatsache, dass er auf diese Weise aufstrebenden niederländischen Designer:innen eine Plattform bieten kann, sagt er. Er verkauft ihre Marken nicht nur über seinen eigenen Laden und macht gelegentlich Werbung für sie, sondern auch hier und da an andere Unternehmen mit ABCNDstore. ABCNDstore ist nach wie vor hauptsächlich auf die Niederlande ausgerichtet, will aber auch international arbeiten. Nächste Woche wird ABCNDstore auch auf der Kunstmesse Unfair vertreten sein, mit der Gibson einen Mittelweg zwischen kommerzieller Mode und zeitgenössischer Kunst sucht.

Der Sustainable Stop soll Unternehmen helfen, einen nachhaltigen Wandel zu vollziehen

Schließlich gibt es noch The Sustainable Stop, die Plattform für nachhaltige Marken. Für junge Marken sei Nachhaltigkeit oft schon eine Selbstverständlichkeit, sagt Krouwels, aber für etablierte Marken – von denen es auf der Messe viele gebe – sei das nicht immer der Fall. „Diese Unternehmen müssen sich wirklich ändern, man kann nicht alles auf einmal machen. Es gibt so viele Elemente, an die man denken muss: Stoffe, Produktion, Transport... Ich würde mir wünschen, dass Modefabriek dabei eine unterstützende Rolle spielt." Der Platz Sustainable Stop in der Mitte der linken Halle beherbergt daher nicht nur Modemarken, sondern auch Unternehmen, die sich mit nachhaltiger Beleuchtung oder Software für eine transparentere Lieferkette beschäftigen.

Modefabriek hatte zuvor mit Mint, einer von Marieke Eyskoot gegründeten Plattform für nachhaltige Marken, auf Nachhaltigkeit gesetzt, aber die Messe stoppte damit 2016. Im Jahr 2022 wird das Thema für Marken noch dringlicher, glaubt Krouwels, zum Teil aufgrund der jüngsten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen – man denke nur an die Pandemie und die hohe Inflation, die zu logistischen Problemen und steigenden Transportkosten in komplexen Lieferketten führen. „Wir sind gezwungen, den Tatsachen ins Auge zu sehen", sagt Krouwels. „Es gibt kein Zurück mehr."

Bei der Auswahl der Marken für die Plattform half Rachel Cannegieter von Rethink Rebels. Marken wurden anhand von sieben Kriterien bewertet: Arbeitsbedingungen, nachhaltige Materialien, Ambitionen, Transparenz, Umweltfreundlichkeit, Kreislaufwirtschaft und Standort. Die Auswahl umfasste schließlich Brands wie New Optimist, ArmedAngels und Thinking Mu, aber auch weniger bekannte Namen wie das spanische Label Lavandera.

The Sustainable Stop auf der Modefabriek. Bild: Aygin Kolaei für FashionUnited

Für Monica Lavandera und ihren Geschäftspartner Mikel Coléra ist es das erste Mal, dass sie in der Modefabriek sind. Wenn es auf der Messe keinen Bereich für Nachhaltigkeit gäbe, wären sie nicht dort, sagen sie. Die beiden waren früher auf der nachhaltigeren Messe Neonyt vertreten, aber seit diese sich auf Endverbraucher konzentriert, sind viele Marken gezwungen, auf Messen auszuweichen, die noch Business-to-Business sind. Für Lavandera und Coléra ist die Modefabriek eine gute Gelegenheit, ihre Marke den niederländischen Einzelhändler:innen vorzustellen, da das Label hier noch keine Vertreter:innen hat. Auch Thinking Mu ist mit einem Platz in einem separaten Teil der Messe zufrieden, obwohl die kaufmännische Leiterin Eri Velázquez der Meinung ist, dass die Plattform noch auffälliger hätte sein können: „So dass die Einzelhändler:innen es wirklich nicht ignorieren können."

In Zukunft möchte Krouwels auch den Sustainable Stop selbst weiter ausbauen. Sie wünscht sich auch, dass die Integration der Fashion Gallery fortgesetzt wird und dass der Schwerpunkt auf jungen Unternehmer:innen liegt.

Für die Winterausgabe 2023 hat Krouwels bereits eine zusätzliche Halle reserviert. Sie hat Vertrauen in das weitere Wachstum der Messe, sagt sie. „Vor Corona dachte ich: Wie lang ist der Atem der Messen? Damals war so viel im Internet los. Aber während der Pandemie haben wir gemerkt, dass es in unserer Branche sehr wichtig ist, dass man sich trifft und die Produkte im wirklichen Leben sehen und fühlen kann", erklärt sie. „Ob etwas hart oder weich, steif oder geschmeidig ist - das sind Dinge, die man physisch erfahren muss. Deshalb sehe ich jetzt, dass diese Messen wichtig sind."

Modefabriek SS23. Bild: Aygin Kolaei für FashionUnited
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Dieser übersetzte und bearbeitete Beitrag erschien zuvor auf FashionUnited.nl.

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Nachhaltigkeit