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Armedangels ändert sein Marketing: “Nachhaltige Produkte existieren nicht”

Von Weixin Zha

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Mode

Das Kölner Modelabel Armedangels ändert seine Kommunikation. Bild: Armedangels

Armedangels geht einen gewagten Schritt als Modemarke, die mit ihrem Angebot an nachhaltigerer Bekleidung erfolgreich geworden ist. Das Kölner Label will “radikal ehrlich” in seiner Kommunikation sein und sagt: „Nachhaltige Produkte existieren nicht.”

Mit seiner neuen Marketingstrategie reagiert Armedangels auf einen Trend in der Modebranche, mehr und mehr “nachhaltig” gelabelte Produkte auf den Markt zu bringen. Aber Armedangels weist in seiner jüngsten Kampagne ausdrücklich darauf hin, dass jedes neu produzierte Produkt einen ökologischen Fußabdruck hinterlasse und die Umwelt belaste – egal wie bewusst und ressourcenschonend die Herstellung sei.

„Auf Versprechungen, dass durch den Kauf eines Produktes Gutes für unsere Erde getan wird, sollte man nicht reinfallen, sondern hellhörig werden”, sagte Katya Kruk, Impact & Innovation Director bei Armedangels in einer Mitteilung am Freitag. „Weniger konsumieren und auf höhere Qualität zu setzen ist das Beste, was für die Umwelt getan werden kann.”

Wie weit geht Armedangels mit seinem Aufruf?

Die Strategien der Modeunternehmen mit einem nachhaltigeren Kleidungsangebot zum Kauf zu verleiten, nennt Armedangels “ein Lügenmärchen.” Das Label selbst will auf “irreführende Behauptungen” verzichten und auf seinen Kanälen so transparent und präzise wie möglich kommunizieren.

Die Marke will nun ihre Kundschaft dafür sensibilisieren, ihr Konsumverhalten zu überdenken. Als konkrete Maßnahme werden Retouren aus dem Onlineshop kostenpflichtig, damit nur Artikel zurückgesendet werden, die defekt oder wirklich nicht gewollt sind.

Die Einführung von Retourkosten mit einem Aufruf zu einem bewussten Konsum zu verknüpfen ist ein geschickter Schritt. Jetzt bleibt noch abzuwarten, wie die Strategie auf seinen Kanälen umgesetzt wird, denn das Label nicht dazu aufgerufen, statt seiner eigenen Produkte nur noch Secondhand zu kaufen oder am besten gar nichts. Die neue Kampagne ist noch nicht auf dem Instagram-Kanal zu sehen. Auf diesem wirbt das Label mit jedem neuen Post – wie jede andere Modemarke – weiterhin für Teile aus der neuesten Kollektion.

Schon Patagonia warnte vor Überkonsum

Die Aktion von Armedangels erinnert an eine noch radikalere Kampagne des Outdoor-Labels Patagonia. Zum Schnäppchen-Tag Black Friday forderte es seine Kundschaft mit einer Annonce in der US-Zeitung New York Times auf “Diese Jacke nicht zu kaufen”. Bereits 2011 wollte Patagonia damit auf das Problem übermäßigen Konsums aufmerksam machen.

Auch damals kam die Frage auf, inwieweit dieser Aufruf als heuchlerisch verstanden werden könnte. Denn es kam von einem wachsenden Unternehmen, das Produkte herstellt und verkauft. Aber Patagonia entgegnete damals, dass es noch heuchlerischer wäre, sich für die Umwelt einzusetzen und nicht auf das Problem des Überkonsums aufmerksam zu machen.

Lesen Sie mehr über die Greenwashing-Debatte

Dieser Beitrag wurde um 16:05 Uhr mit Hintergrund zu Patagonia aktualisiert.

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