Australische Marke will keine kaukasischen Models mehr casten

Die australische Schal- und Kopftuchmarke Moga fotografiert in der nächsten Werbekampagne ihre eigenen Kunden. Das Label, das weltweit über Asos vertrieben wird, hat einen Aufruf zur Bewerbung auf Facebook veröffentlicht, in der es nach "frischen und aufregenden neuen Gesichtern“ sucht, die das Unternehmen für die nächsten zwölf Monate repräsentieren sollen. Einen Haken hat die Sache allerdings: Bewerbungen von weißen Kandidaten werden nicht angenommen.

“Entschuldigung, meine Damen, wir sind der Meinung, dass Sie absolut hinreißend sind, aber das ist leider nichts für Sie. Wir halten uns an eine neue Firmenpolitik, die besagt, dass wir in unserer Werbung keine kaukasischen Gesichter mehr zeigen werden", hieß es in der Ankündigung.

Die Nachricht sorgten schnell für Aufsehen in den sozialen Medien, was dazu führte, dass Mogas Kreativdirektor, der in Sri Lanka geborene Azahn Munas, einen Blogbeitrag auf Medium veröffentlichte, in dem er die Entscheidung erklärte. „Bevor Sie mich beschuldigen, ein Rassist zu sein, hören Sie mich bitte an", schrieb er. "Ich weiß, dass ich nicht als einziger denke, dass alle Gesichter schön sind, aber traurigerweise schlägt die gegenwärtige Darstellung von Rasse und ethnischer Zugehörigkeit in der Modeindustrie etwas anderes vor."

Australische Marke will keine kaukasischen Models mehr casten

Munas sagte, dass Moga ein kleines Unternehmen mit begrenztem Budget sei, was bedeute, dass es nur Platz für eine Handvoll Modelle in seinen Werbekampagnen habe. Da die kaukasischen Gesichter in den Kampagnen anderer Marken eine große Mehrheit bilden, entschied sich Munas dafür, ethnisch aussehende Gesichter, die in den Medien unterrepräsentiert sind, den Vorzug zu geben. Mit dieser neuen Politik will das Unternehmen ein Gespräch über ethnische Vielfalt in der Mode beginnen. „Als Designer ist es nie meine Absicht, jemanden zu verletzen oder zu beleidigen. Ich will vielmehr die Plattform zu nutzen, die mir als Katalysator für Veränderungen gegeben wurde", erklärte er.

Der Designer fügte hinzu, dass der Kundenstamm von Moga vielfältig ist. Die neue Richtlinie will die kaukasischen Kunden nicht von den Produkten der Marke abbringen: „Ich möchte alle daran erinnern, dass unsere Schals von jedem getragen werden dürfen, unabhängig von Religion oder ethnischer Zugehörigkeit. Die Kunden von Moga reichen von trendigen Muslimas, Festivalbesucher, schwarze Mädchen über Chemopatienten bis hin zu Drag Queens. "

Munas betonte auch, dass die neue Politik nicht für immer dauern soll. Der Designer sagte, er wolle sehen, wie lange er weitermachen kann, indem er die Auswirkungen der Entscheidung auf die Marke bewertet.

Nicht-kaukasische Frauen, die daran interessiert sind, das nächste Gesicht von Moga zu werden, sollten eine direkte Nachricht an die Facebook-Seite der Marke senden und ein Bild von sich selbst anhängen, auf dem sie eines der Kopftücher oder Tücher der Marke tragen. Einreichungen werden bis zum 15. August angenommen. Die Finalisten werden fünf Tage nach diesem Termin benachrichtigt. Die Finalisten erhalten ein Geschenkpaket im Wert von 500 australischen Dollar, zusätzlich zu der Möglichkeit, in der Werbekampagne mitzuwirken, die auf der Website der Marke, in sozialen Medien und PR-Materialien laufen soll.

Australische Marke will keine kaukasischen Models mehr casten

Der Modeindustrie mangelt es immer noch an ethnischer Vielfalt

Obwohl Mogas Entscheidung, in ihren Kampagnen nur nicht-kaukasische Modelle zu zeigen, manchen als extrem erscheinen mag, ist das Gegenteil der Fall. Die Modebranche hat in Bezug auf Diversity einige Fortschritte gemacht, aber kaukasische Modelle bilden weiterhin die drastische Mehrheit der Gecasteten in Werbekampagnen und Modeschauen.

Laut dem Fashion Diversity-Report "Fall 2018 Diversity" gingen in der letzten Herbstsaison mehr farbige Frauen über den Laufsteg als je zuvor. Von 242 Shows und 7608 Modelauftritten in New York, London, Mailand und Paris wurden 32,5 Prozent Models of Color gecastet. Ein signifikanter Anstieg, wenn man bedenkt, dass diese Zahl im Frühjahr 2015 nur 17 Prozent betrug, als der erste Bericht erstellt wurde.

Im Februar eröffnete das sudanesische Model Anok Yai die Show Pradas für Herbst / Winter 2018 zur Mailänder Fashion Week. Sie war das zweite schwarze Modell, das jemals eine Prada Runway Show eröffnete, die erste war Naomi Campbell im Jahr 1997. Also brauchte Prada zwanzig Jahre und vierzig Saisons, um ein zweites schwarzes Model zu casten, um seine Show zu eröffnen.

Dieser Artikel wurde zuvor auf fashionunited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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