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Berliner Modewoche: Wie geht’s weiter nach dem Comeback?

Eine riesige, silberfarbene aufblasbare Skulptur des Künstlers Eben Weile Kjaer ragt in die 31 Meter hohe Ehrenhalle des Berliner Palais am Funkturm; in den kommenden Minuten entfaltet sich rund um diese Monster-Figur eine von der Legende des Drachentöters Georg inspirierte Inszenierung des Laufstegs. Die Outfits der Models spielen mit den fluiden Identitäten der Gegenwart durch den Blickwinkel mittelalterlicher Archetypen – ist die Heldenfigur eine alleinerziehende Mutter in der Großstadt und die Prinzessin eine Satire auf die Maskulinität?

Eingeläutet wurde die Show des in London beheimateten Labels Lueder im vergangenen Sommer von der Stimme eines Wesens, das wie ein mittelalterlicher Barde anmutete. Sie erscholl von der Empore der Halle und es schien fast so, als ob sie an diesem Ort auch die Wiedergeburt der Berliner Modewoche besang. Kaum unterschiedlicher könnte die Präsentation und Mode sein, die dort noch vor über drei Jahren präsentiert wurde. In denselben Räumlichkeiten der Messe Berlin gaben Modemessen wie die [Premium]https://fashionunited.de/tags/premium) oder Panorama einige ihrer letzten Auftritte, bevor sie das Tuch warfen.

Nun scheint dieser Teil der Saga um die Berliner Modewoche als kommerziell erfolgreiche Messestadt schon lange zurück zu liegen. Während die Messen Rekorde bei den Besuchszahlen feierten, litt das kreative Image der Fashion Week, sowohl Schauen und Messen galten als zu kommerziell. Hinter vorgehaltener Hand wurde in den Pariser Showrooms manch aufstrebendem Label wegen des Images abgeraten, in der deutschen Hauptstadt zu zeigen.

Links: Ein Barde läutet die Show von Lueder ein. Rechts: In derselben Halle der Messe Berlin war der Eingangsbereich zur Premium 2022. Credits: Ines Bahr / Berlin Fashion Week (links) & FashionUnited (rechts)

Nach dem Ausstieg des langjährigen Sponsors Mercedes Benz – unter dem die Modewoche ihren ersten Höhepunkt erreichte, aber zuletzt in eine kreative Starre verfiel – positionierte die Stadt Berlin vor drei Jahren das Event neu. Der Berliner Senat beauftragte den Fashion Council Germany mit der Ausrichtung der Modewoche. Der Verband koordiniert unter anderem das Programm der Berlin Fashion Week und übernimmt das internationale Gästemanagement für das Event.

Neues Image, vorhandenes Potenzial

Durch einen geschickten stufenweisen Ausbau der eingeladenen Medien-Gäste schaffte es der Modeverband, während der vergangenen drei Jahre die Außenwahrnehmung von Berlin zu drehen. War es anfangs noch schwierig, Fachpresse und Content-Creator:innen mit Einladungen – inklusive Anreise und Hotel zu locken – bekommt der Fashion Council Germany mittlerweile mehr Anfragen als Plätze im Gästemanagement zur Verfügung stehen.

Christa Bösch (rechts) und Cosima Gadient (links) das Duo hinter Ottolinger bei der Berlin Fashion Week Credits: Jeremy Moeller / Berlin Fashion Week

Das Branchenmagazin Women’s Wear Daily fragte sich 2019 noch, wie es mit der Berlin Fashion Week weitergeht und stellte vier Jahre später fest: „Die Berlin Fashion Week findet endlich ihren Schwung.“ In den deutschen Medien hellen sich die Töne ebenfalls auf. Ebenso bescheinigen hippe Pop-Kultur-Titel wie das New Yorker Paper Magazine im April, dass die Berliner Modewoche wieder an Fahrt gewinnt. Kein Wunder angesichts der derzeitigen Ausrichtung: Den Laufsteg prägen unabhängige Labels, die sich vor Statements – auch politischen – nicht zurückscheuen. Kreative Experimente und Inklusivität gepaart mit einer subversiven Note machen jetzt den Charme Berlins aus.

Im vergangenen Juli hat es die Stadt es wieder ein Stückchen mehr geschafft, das Potenzial seiner Kreativen und Unternehmen auszuschöpfen. Das seit langem in Berlin beheimatete Label Ottolinger zeigte zum ersten Mal bei der Fashion Week. Die Sängerin Kim Petras marschierte als erstes Model auf den Laufsteg, im Publikum saß unter anderem Stefano Pilati, der mittlerweile in Berlin beheimatete ehemalige Chefdesigner von Yves Saint Laurent.

Die Show von Ottolinger war einer der Höhepunkte der Modewoche und Abschluss des von der Kreativagentur Reference Studios veranstalteten Präsentationformats Interventions. Dort präsentierten sich auch wieder angesagte Marken wie GmbH und Lueder. Das tonangebende Magazin 032c lud erstmals zum Dinner und in den Showroom, wo die Modekollektion des gleichnamigen Labels zu sehen war. Der Berliner E-Commerce-Konzern Zalando kredenzte ebenfalls ein Abendessen.

PlattexBerlin Curated eröffnet – auch abseits vom Laufsteg entfaltet sich ein vielfältiges Programm während der Berlin Fashion Week. Credits: Falk Weis / Berlin Fashion Week

Gezielte Förderung

Diese Shows und dieser Aufschwung der Fashion Week wäre ohne die Förderung durch den Berliner Senat nicht denkbar. Seit dem Ausstieg von Mercedes Benz fließen vier Millionen Euro pro Jahr, also zwei Millionen Euro pro Saison, in die Modewoche.

So werden die Einladungen der internationalen Gäste, die Organisation der Berlin Fashion Week durch den Fashion Council Germany, oder das Format Interventions von Reference Studios bezuschusst. Und am wichtigsten, um nachhaltig ein spannendes Laufsteg-Programm zu gewährleisten: Pro Saison wählt eine internationale Jury etwa 18 Labels aus, die jeweils 25.000 Euro erhalten, um in Berlin zu präsentieren. Die Preise des Berlin Contemporary Wettbewerbs werden ebenfalls aus Landes- und EU-Geldern gestemmt.

„Außerhalb Berlins gibt es gerade für junge Brands diesen Rahmen gar nicht, eine Show mit so einer Qualität und so einem Umfang zu machen”, sagte Mario Keine im Showroom des Fashion Councils während der vorangegangenen Berlin Fashion Week. Der Designer hat mit seinem 2022 gegründeten Label Marke schon mehrfach während der Modewoche gezeigt.

In Städten wie Paris gebe es solch eine finanzielle Unterstützung nicht und im Rahmen der Berliner Preisgelder würde man nicht mal eine Location in der französischen Hauptstadt bekommen, erzählt Keine. Dort konkurriere ein aufstrebendes Label sofort mit den großen Modehäusern und Marken um Aufmerksamkeit.

Designer Mario Keine nach seiner SS26-Show bei der Berlin Fashion Week. Credits: Andreas-Hofrichter / Berlin Fashion Week

„Die Presse, die wir hier bekommen, da müsste ich dafür kämpfen, nur einen Bruchteil der Qualität der Gäste überhaupt zu bekommen”, sagt der Gründer des Labels Marke. Eine Show helfe der Brand Awareness, und wie Stores eine Marke wahrnehmen. „Kollektionen lassen sich immer besser verkaufen, wenn Sachen auf dem Laufsteg gezeigt wurden."

Mehr Unterstützer:innen

Dank der gezielten Förderung über mehrere Saisons hat sich mittlerweile ein fester Cast aus engagierten Brands mit vielschichtigen Shows und Kollektionen am Zeitgeist etabliert. Zu ihnen gehören neben Marke auch Labels wie Richert Beil, SF1OG, Lou de Bètoly, Sia Arnika, Milk of Lime oder Namilia.

Angesichts der wiederholten Einsparungen im Berliner Haushalt, die bisher Bereiche wie Kultur und Bildung trafen, stellt sich aber die Frage, wie es mit der finanziellen Unterstützung der Modewoche weitergehen wird.

Die Förderung der Fashion Week ist bislang in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe angesiedelt. Die Präsenz von Michael Biel, Staatssekretär für Wirtschaft, bei den Schauen der Berlin Fashion Week spricht dafür, dass der Erfolg des Events dem Senat am Herzen liegt.

„Die Mode ist für Berlin ein Innovationsmotor – und das muss auch finanziell spürbar bleiben”, sagte Biel während eines Interviews im Juli.

Die detailverliebte SS26-Kollektion von Milk of Lime. Credits: Ines Bahr für Berlin Fashion Week

Diese Absichtserklärung konnte der Senat beim Beschluss des Doppelhaushalts für Berlin 2026/27 umsetzen. „Die Förderung der Berlin Fashion Week in Höhe von jährlich rund vier Millionen Euro konnte beibehalten werden, kleinere Einsparziele innerhalb dieses Rahmens wurden umgesetzt”, teilte eine Sprecherin des Senats auf Anfrage am Mittwoch mit. „Alle Formate und Preise werden unverändert gefördert.”

Die finanzielle Unterstützung ist also vorerst gesichert. Am 20. September stehen aber Wahlen in Berlin an – ob eine künftige Regierung angesichts der Finanzlage der Hauptstadt weiter wie bisher hinter der Modewoche stehen wird, kann niemand absehen. Die Organisator:innen hinter der Modewoche sind sich aber einig, dass die Berlin Fashion Week langfristig mehr private Mittel anziehen sollte.

Der Fashion Council richtet mit dem US-amerikanischen E-Commerce-Konzern Ebay bereits die Metamorphosis Talks und die Präsentationen von Designer:innen im Rahmen von Raum.Berlin aus. Der besagte Berliner Onlinehändler Zalando veranstaltete mit Reference Studios im Juli ein Dinner, bei dem eine Preview der jüngsten Kollektion der Londoner Designerin Sinéad O’Dwyer durch eine Shibari-Performance in Szene gesetzt wurde.

Der Chef der Berlin Agentur, Mumi Haiati, wünscht sich noch mehr Kooperationen mit größeren Modeunternehmen. „Mein großes Anliegen ist, dass die großen deutschen Player mitziehen – dass sie in Berlin und Deutschland investieren”, sagte er bei einem Interview im Juli. „Wir haben inzwischen die internationale Presse vor Ort und neue Maßstäbe gesetzt, die international mithalten können. Das Potenzial ist da, und es wird jetzt auch erkannt. Darauf kann und sollte man aufbauen.“

"Ein internationaler Hub"

Dem umtriebigen Drahtzieher der Modewelt ist es in den vergangenen Saisons gelungen, Designer:innen und Gäste nach Berlin zu bringen – mit Namen, die aufhorchen ließen. Zur Show des Labels Anonymous Club von New Yorker Designer Shayne Oliver kam Rapper Kanye West – unter der Deckung seiner Kapuze. Das war im Juli 2024; bei der Ausgabe im vergangenen Sommer stellte Blumarine-Kreativdirektor David Koma die SS26-Kollektion seines eigenen Labels vor und das britische Label Mowalola gab ebenfalls sein Berlin-Debüt mit einem Pop-up bei Reference Studios, wo Fans lange Schlangen bildeten.

Eine Schlange bildet sich vor dem Mowalola-Pop-up während der Berliner Modewoche. Credits: Harry Miller / Berlin Fashion Week

„Unser Denken beginnt lokal. Unser Ziel allerdings ist ein internationaler Hub, der vor allem für kreative Exzellenz steht”, sagte Haiati, dessen Agentur für Hype-Events bekannt ist. „In dieser Saison konnten wir nochmal mehr Momentum erzeugen.“

Interessante internationale Namen helfen dem Image, dem Programm und sorgen für Abwechslung in einer neuen Saison. Das haben die Köpfe hinter der Berlin Fashion Week erkannt und für die Saison Herbst/Winter 2026 waren fünf der 19 Preise des Wettbewerbs Berlin Contemporary für internationale Labels reserviert. Modeschöpfer wie Kenneth Ize und John Lawrence Sullivan konnten so erstmals für eine Präsentation kommende Woche gewonnen werden.

Mittlerweile hat sich das Image Berlins so sehr gewandelt, dass stets mehr Designer:innen und Labels entscheiden, in Berlin zu zeigen – selbst wenn sie keine finanziellen Zuschüsse bekommen. Der Nachwuchsdesigner Genaro Rivas finanzierte beispielsweise seine Show im Juli selbst, die peruanische Botschaft stellte die Location zur Verfügung.

„Berlin war schon immer auf meinem Radar. Als sich die Gelegenheit bot, meine Arbeit hier zu präsentieren, habe ich mich entschlossen, sie zu ergreifen”, erklärte Rivas per E-Mail. Der Absolvent des London College of Fashion hatte seine Kollektionen bis dato vier Mal bei der London Fashion Week gezeigt.

Das Label Orange Culture aus Lagos präsentiert Couture vom Feinsten als einer der Preisträger des Berlin-Contemporary-Preises.. Credits: Ben Mönks / Berlin Fashion Week

Klare Positionierung

Andere Designer wie Vladimir Karaleev zeigten nach einer längeren Pause von acht Jahren wieder während der vergangenen Berliner Modewoche. „Ich habe immer wieder Off-Schedule gezeigt, aber diesmal war der richtige Moment gekommen”, sagte der Designer. Im Juli zeigte er mit der Unterstützung des Fashion Councils eine konzeptuelle Kapsel und kommende Woche präsentiert er eine Installation, bei der Hemden als modulares System untersucht werden. Das nach ihm benannte Label präsentiert für Einkäufer:innen seine regulären Kollektionen weiterhin im Pariser Showroom, aber er beobachtet die Entwicklungen in der deutschen Hauptstadt aufmerksam.

„Der Kontext der Berlin Fashion Week wird immer noch interessanter, da jetzt wichtige internationale Stores vertreten sind und sich die Modeszene hier immer deutlicher positioniert”, sagte Karaleev. Seine wichtigsten Handelspartner:innen seit der Gründung des Labels 2010 hat er vor Jahren während der Berlin Fashion Week getroffen. „Oft sehe ich Einkäufer:innen in Paris sehr überfordert mit der Menge an Brands. Hier habe ich das Gefühl, dass sie sich mehr Zeit nehmen können, um Brands zu entdecken.”

Designer Vladimir Karaleev nimmt sich Raum für Experimente zwischen den Kollektionen. Credits: Ben Mönks / Berlin Fashion Week

Karaleev ist einer der Modeschöpfer, die die Hochzeiten der Berliner Modewoche miterlebt haben und noch stets im Geschäft sind. Aus der gesamten Welt kamen bis in die 2010er Jahre Einkäufer:innen nach Berlin, primär angezogen von den Modemessen der Bread & Butter und Premium Group. Spannende Labels wie Perret Schaad oder Nobi Talai zeigten auf den Laufstegen, aber viele konnten sich nicht halten, denn es war seit jeher schwierig für kleine Designerlabels ihren Markt zu finden. Deutschland ist zwar Europas größter Modemarkt, aber die durchschnittliche Kundschaft ist eher dem günstigen Mainstream als hochpreisiger und experimenteller Mode zugeneigt.

Nach dem Ende der Bread & Butter begann das kommerzielle Image der Berlin Fashion Week das kreative Bild zu überlagern. Der Anteil der internationalen Messebesucher:innen nahm ab; aufstrebende, hippe Labels konnten sich nicht im Image der Modewoche wiederfinden.

Das liegt jetzt alles in der Vergangenheit, aber wofür will Berlin neben den anderen Modewochen stehen? In Paris passiert weiterhin das Geschäft mit Designermode in den Showrooms; London galt lange als der Ort, um aufstrebende Designer:innen zu entdecken.

“Eine großartige Ergänzung”

„Es ist eine großartige Ergänzung zu Mailand, Paris, London und New York”, sagte der Gründer des auf aufstrebende Designer:innen spezialisierten Stores Machine-A, Stavros Karelis. „Es ist ein Ort der Entdeckung. Und es gibt so viele aufstrebende Talente, dass ich es liebe, hier zu sein und das zu erkunden. Das ist es, was ich an Berlin am attraktivsten finde: die aufstrebenden Talente.“

Buzigahill, Marke, Richard Beil und Haderlump seien Labels, auf die Karelis während seiner Besuche aufmerksam geworden ist und er denkt auch darüber nach, sie zu ordern.

„Ich denke, sie können kommerziell sehr erfolgreich sein“, sagte er bei einem Gespräch im Juli. „Ich sehe ihre Communities und sehe, für welche Kund:innen ihre Produkte attraktiv sein können.“

Ihm ist es wichtig, die Entwicklung von Labels einige Saisons lang zu beobachten, bevor er sie ins Sortiment aufnimmt. Die Beziehung zwischen Designer:innen und Maschine-A sei viel mehr als nur eine Geschäftsbeziehung. „Oft kommen sie zu mir und wir besprechen, wie sie mit anderen Beziehungen um sie herum umgehen sollen, zum Beispiel mit anderen Geschäften, Aktivierungen oder der Ausrichtung ihrer eigenen Marke. Daher stehe ich den meisten Designer:innen, mit denen wir zusammenarbeiten, sehr nahe.“

Karelis ist in einer Doppelfunktion auf der Berliner Modewoche, als Buyer von Maschine-A und zugleich als Jury-Mitglied des Konzeptwettbewerbs, der über die Zuteilung der Förderung von Laufstegshows und Events entscheidet.

SF1OG zeigt seine Kollektion für interessierte Buyer und Medien im Berlin Contemporary Showroom. Credits: Mariia Dred / Berlin Fashion Week

Neben Karelis kamen auch Chloe King, Einkäuferin des US-Warenhauskonzerns Saks Global sowie Buyer des japanischen Edelkaufhauses Isetan im vergangenen Sommer. Künftig will der Fashion Council künftig noch mehr Einkäufer:innen einladen, während das Kontingent für die Presse auf dem bisherigen Level bleiben soll. Die Fashion Week soll nicht nur eine Präsentationsfläche bleiben.

„Vertrieb ist wichtig und Paris als internationaler Standort für Showrooms und Agenturen ebenfalls. Wir sind aber davon überzeugt, dass auch Berlin künftig zum Thema Vertrieb noch mehr zu bieten hat“, sagte Scott Lipinski, Geschäftsführer des Fashion Council Germany, in einem Interview im Juli.

Zwischen Kreativität und Kommerz

Das Label SF1OG zeigte zum ersten Mal vor vier Jahren auf der Berlin Fashion Week und hat sich seitdem ein kleines Netzwerk aus Concept Stores in Taiwan, Japan, China und USA aufgebaut. Der Wholesale mache mittlerweile 70 Prozent des Produktabverkaufs aus und das Label wächst jedes Jahr zwischen 50 und 100 Prozent, sagte Gründer und Brand Manager Jacob Langemeyer.

„Uns hat die Berlin Fashion Week am Anfang auf jeden Fall Sichtbarkeit gegeben”, erklärte er in einer Sprachnachricht. Diese Bühne zu bekommen, um Produkte vor internationaler Presse zu präsentieren und die Marke wachsen zu lassen, sei „ein Kickstart“ für die junge Marke gewesen.

Zwei Jahre nach der Gründung des Labels haben er und Designerin Rosa Marga Dahl herausgefunden, dass der Kernmarkt des Labels außerhalb Europas in Asien liegt. Das Preisgeld des mit 40.000 Euro dotierten UGG Changemaker Prize hat dem Label bei der kommerziellen Entwicklung der Kollektion geholfen und der Finanzierung eines Showrooms in Paris. In der französischen Hauptstadt trifft Langemeyer nach wie vor den Großteil seiner Buyer, über Berlin konnten bis jetzt ein bis zwei Kontakte gewonnen werden.

Rosa Marga Dahl und Jacob Langemeyer haben 2019 ihre Marke SF1OG in Berlin gegründet. Credits: Mariia Dred / Berlin Fashion Week

In Berlin gebe es nur noch Subkultur, kommerziell sei es nicht mehr relevant, monierte eine Bekannter zuletzt. Eine Einkäuferin bemerkte nach einer Laufstegshow, dass die Labels in Berlin zu nischig seien. Das Verschwinden der großen Modemessen war ein kreativer Befreiungsschlag, aber die Frage bleibt, wie die Modewoche sich kommerziell nachhaltig aufstellen kann. Das Dilemma zwischen Kommerz und Kreativität in Berlin ist aber kein neues in der Mode.

Für die Organisator:innen der Berliner Fashion Week ist es klar, dass sie daran arbeiten werden, mehr Buyer in die Stadt zu bringen. Aber sie erinnern auch daran, dass der Zeitpunkt stimmen muss.

„Natürlich ist es unser absolutes Ziel, dass auch hier Order geschrieben werden. Aber ich glaube nicht, dass man diese Haube einfach über etwas drüber stülpen kann, was noch nicht das Netzwerk dazu hat”, sagte Lipinski. „Zum richtigen Zeitpunkt sollten die richtigen Vertriebsmaßnahmen auch in Berlin stattfinden.”

Jetzt wäre der falsche Zeitpunkt, einen Showroom aufzumachen und sich mit Order-Kräften hinzusetzen, wenn am Ende noch keine Ordern geschrieben werden. Das wäre nicht zuträglich für die positive Story, die der Fashion Council und die anderen Köpfe hinter der Berliner Modewoche in den vergangenen Saisons aufgebaut hat. „Dann ist es kein Positive-Circle mehr, sondern wieder ein Teufelskreis und es wird wieder schlecht geredet, weil etwas zum falschen Zeitpunkt gemacht wurde," sagte Lipinski.

Kommende Woche wird das nächste Kapitel in der Saga um die Berliner Modewoche aufgeschlagen – wenn die Kollektionen für die kommende Herbst-Winter-Saison präsentiert werden.


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