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Copenhagen Fashion Week: 5 herausragende SS23-Kollektionen

Von Danielle Wightman-Stone

17. Aug. 2022

Mode

Bild: Ganni / Simon Birk

Die Kopenhagener Modewoche war nach mehreren hybriden Ausgaben für Frühjahr/Sommer 2023 wieder vor Ort in vollem Gange. Das Programm konzentrierte sich auf das Beste aus den nordischen Ländern mit einer nachhaltigen Denkweise, von etablierten Namen wie Ganni und Henrik Vibskov bis hin zu aufstrebenden Talenten wie Jade Cropper, (Di)vision und The Garment.

Für SS23 präsentierte die skandinavische Modehauptstadt während der fünftägigen Veranstaltung ein Programm von 36 Marken, darunter Damenmodemarken wie Holzweiler und Gestuz, und legte einen „starken Schwerpunkt“ auf Herrenmode mit Soulland, Martin Asbjørn und Wood Wood.

In dieser Saison gab es auch ein neues Programm für aufstrebende Designer CPHFW New Talent, das A. Roege Hove, Latimmier und P.L.N. unterstützt, sowie eine Partnerschaft mit der ukrainischen Modewoche, zu der auch das nachhaltige Bekleidungsunternehmen TG Botanical gehörte.

Das in London/Reykjavik ansässige Designstudio Ranra wurde zum Gewinner des vierten Zalando Sustainability Awards ernannt und beeindruckte die Jury mit seiner farbenfrohen und modischen Laufstegshow.

Die Kopenhagener Modewoche bestätigte auch, dass sie als Teil der kontinuierlichen Bemühungen um Nachhaltigkeit künftig pelzfrei sein und Pelz von allen teilnehmenden Marken und Shows verbannen werde.

Die besten SS23-Kollektionen der Kopenhagener Modewoche

Bild: Holzweiler SS23

Holzweiler ‘In Motion’

Das norwegische Label Holzweiler eröffnete die Kopenhagener Modewoche mit der Nachricht, dass sich das Risikokapitalunternehmen Sequoia Capital China eine Mehrheitsbeteiligung gesichert habe, um die globalen Ambitionen des Labels zu beschleunigen. Dazu gehört auch der Ausbau des stationären Geschäfts mit dem ersten Londoner Flagshipstore, der im Frühjahr 2023 eröffnet werden soll. Dieses Geschäft wird wahrscheinlich mit der SS23-Kollektion ‘In Motion’ eröffnen, die ein leichtes und luftiges Gefühl mit nomadischen und utilitaristischen Vibes in einer elementaren, von der Natur inspirierten Farbpalette vermittelt.

Bild: Holzweiler
Für Damen gab es Kleider aus upcycelten Fallschirmen, die innovativ aus den wogenden Falten eines gebrauchten Fallschirms geformt wurden. Dieser wurde vom norwegischen Sportspezialisten Skyvoss gespendet und mit einem Makramee-Korsett am Körper befestigt. Andere Looks hatten rohe, offene Nähte in Anspielung auf die Aufhängelinien von Fallschirmen, und einige Kleider waren aus einem leiterartigen Strick gefertigt, der mit Schleifen gebunden war. Weitere wichtige Modelle waren Steppwesten mit schützenden Polstern, Cargohosen mit mehreren Taschen, die um den Oberschenkel herum aufgenäht waren, und hauchdünne Kleider, die über luftige Chiffonhosen angezogen wurden.
Bild: Holzweiler
Für Herren gab es Pilotenjacken aus glänzendem veganem Leder sowie gehobene Garderoben-Basics wie Westen, frische Trenchcoats und lange Shorts, während ausgestellte Schnitte und Bowlinghemden für eine jugendliche Silhouette sorgten.
Bild: Ganni / Simon Birk

Ganni ‘Joyride’

Das bekannteste skandinavische Label Ganni beendete die Kopenhagener Modewoche mit einer farbenfrohen, an die 90er Jahre angelehnten Outdoor-Show, die eine Liebeserklärung an die Stadt war und Models auf BMX-Rädern in leuchtenden Farben und Pailletten zeigte. Die tägliche Fahrt zur Arbeit oder zu einer Verabredung war der kreative Ausgangspunkt für die SS23-Kollektion von Ganni, die sich in körpernahen Kleidern, ultra-geschnittenen Jacken, Western-inspirierten langen Prärieröcken, knappen Bauernblusen und einem fluoreszierenden pinken Power-Anzug ausdrückte.

Bild: Ganni / Simon Birk

„In dieser Kollektion geht es wirklich um dieses Gefühl. Wir haben sie ‘Joyride’ genannt, weil Kopenhagen der Ort ist, an dem unser Herz schlägt“, erklärte Ditte Reffstrup, Kreativdirektorin von Ganni, in den Erläuterungen zur Show. „Es ist ein Gefühl, im Sommer in der Stadt zu sein, das ich nicht ganz erklären kann, die Energie pulsiert, sie bringt deinen Rhythmus wirklich in Schwung. Es hat uns dazu gebracht, über den Rhythmus unseres Herzens und den Schlag, den man auf einem Krankenhausmonitor sieht, nachzudenken. Diese Linie ist so schön - sie ist das Leben. Wir haben diese Lebenslinie als Symbol für die gesamte Kollektion verwendet, mit Wellenlinien auf Kragen und Saum, die vom Herzschlag inspiriert sind.“

In der SS23-Kollektion wurden auch mehrere Kollaborationen vorgestellt, darunter Denim mit Levi's in Naturfarben und Upcycling-Stücke mit Barbour, wobei Ganni den Barbour Re-Loved-Jacken neues Leben einhauchte. Die erste Re-Loved-Kollektion wird im Oktober in den Handel kommen. Ganni präsentierte auch seine dritte Zusammenarbeit mit der isländischen Traditionsmarke 66°North mit Hosen, einer Weste, einem Bucket-Hat und zwei Neoshell-Jacken, die ausschließlich aus unbenutzten Stoffrollen hergestellt wurden, darunter auch recycelte Materialien wie recyceltes Nylon und Polyester.

Bild: Ganni / Simon Birk

„Ich bin ein Kollaborations-Junkie. Ich liebe es, wenn die Chemie stimmt und die Ideen fließen. Als Branche müssen wir anfangen, mehr zusammenzuarbeiten, wenn wir die Mode verantwortungsvoller gestalten wollen. Keine Marke, egal wie sehr sie es versucht, kann es alleine schaffen, wir müssen zusammenarbeiten“, fügte Reffstrup hinzu. In dieser Saison gab Ganni bekannt, dass 97 Prozent seiner Konfektionsware aus verantwortungsbewussten Materialien bestehe, was bedeutet, dass mindestens 50 Prozent der Zusammensetzung zertifiziert biologisch, umweltfreundlich oder recycelt ist.

Bild: OpéraSport

OpéraSport

Die aufstrebende Marke OpéraSport mit Sitz in Kopenhagen und Paris präsentierte ihre allererste Laufstegshow auf der Copenhagen Fashion Week mit einer SS23-Kollektion, die von den Skulpturen inspiriert war, die beide Städte schmücken, und gleichzeitig eine Hommage an die aktuelle Situation in ihrem Leben als Mütter darstellt.

Das Ergebnis ist eine starke und sexy Kollektion in einer sanften Farbpalette aus Rosé- und Violetttönen mit geknoteten Strickkleidern, durchsichtigen Blusen mit Puffärmeln, gerüschten Crop-Tops, langen Trenchcoats aus Leder und einem auffälligen grauen Metallic-Steppanzug.

Bild: OpéraSport

OpéraSport präsentierte auch ein gemeinsames Projekt mit dem britischen Model Alva Claire, eine Kapselkollektion für alle Größen, inspiriert von ihren Lieblings-Vintage-Stücken, kombiniert mit der DNA der Marke aus essenziellen Formen und recycelten Materialien. Die 12-teilige Kollektion, die von Größe XS bis 2XL reicht, vereint klassische, sportliche und tragbare Styles mit sexy Kontrastschnitten, darunter ein Unisex-Sweatshirt und eine gesteppte Tasche.
Bild: OpéraSport

„Wir sind sehr bescheiden an dieses Projekt herangegangen, da es unsere erste Show ist. Deshalb haben wir uns über jedes Detail Gedanken gemacht, damit alles zu einer größeren Einheit verschmilzt“, sagten die OpéraSport-Gründerinnen Awa Malina Stelter und Stephanie Gundelach in den Anmerkungen zur Show.

Bild: Jade Cropper SS23

Jade Cropper ‘Future Vintage’

Das schwedische Talent Jade Cropper ist eine aufstrebende Designerin, die den neuen Scandi-Stil mit ihren charakteristischen dekonstruierten Designs und ihrem unverblümten, selbstbewussten Stil vorantreibt und damit ein jüngeres Publikum anzieht. ‘Future Vintage’ ist Croppers zweite Kollektion, die von den Fotostudien ihrer Mutter über verwesende Blätter und Blumen und die Schönheit des Unvollkommenen inspiriert ist.

Bild: Jade Cropper SS23

In den Anmerkungen zur Modenschau sagt Cropper: „Ich bin ein eher introvertierter Mensch, und die Mode ist zu meiner Art geworden, mich auszudrücken. Indem ich visuelle Referenzen von den Fotografien meiner Mutter benutzte, habe ich diese Kollektion im Entstehungsprozess entworfen, angetrieben von Neugierde und der Erforschung von Materialmanipulationen.“ „Mehr denn je habe ich die natürliche Unordnung meines kreativen Prozesses angenommen und begrüßt, und das visuelle Ergebnis zeigt diese Unvollkommenheiten und Unausgewogenheiten, die zu etwas Aufreibendem führen“, so Cropper.
Bild: Jade Cropper SS23
Das Ergebnis war eine selbstbewusste SS23-Kollektion mit verführerischen, körperbetonten Kleidern, die den anhaltenden Y2K-Trend mit komplizierten Cut-Out-Details aufgreifen, neben gebleichten und handgefärbten Denim-Stücken, Feinstrick mit Monogrammen und Farbverläufen sowie distresste Strickwaren und Leder und Designs mit ausladenden Säumen und unkonventionellen Verschlüssen. Jedes der gezeigten Stücke wurde von Cropper in ihrem Stockholmer Atelier handgefertigt. Distressed Denim, Strick und bedruckter Jacquard wurden aus Circulose hergestellt, einer Faser, die zu 100 Prozent aus ausrangierten Textilabfällen besteht. Zu den weiteren nachhaltigen Elementen gehören Leder aus Restbeständen und bedruckte Tencel-Stoffe.
Bild: (Di)vision SS23

(Di)vision

Die Upcycling-Streetwear-Marke (Di)vision inszenierte eine Coed-Show in einem von pilzförmigen Lampen beleuchteten Waldgebiet, die Francis Ford Coppolas Film „Apocalypse Now“ von 1979 als Ausgangspunkt nahm. Die SS23-Kollektion befasst sich mit den schwierigen Themen des Films, vom Krieg bis hin zu seinen psychologischen Auswirkungen auf die Menschen, die, wie das Designerduo Simon und Nanna Wick in den Anmerkungen zur  Modenschau schreibt, „in der heutigen konfliktgeladenen Welt sehr relevant sind“. Das „Make love, not war“-Gefühl wurde auf die freigeistige Stimmung der Kollektion übertragen. Das Designerduo überarbeitete die militärische Ästhetik und verwandelte überschüssige militärische Ausrüstung in geschnürte Minikleider, übergroße Jacken, Hosen und Tragetaschen neben femininem Paisley-Patchwork und Kleidern mit Glockenärmeln sowie geflickten Denim-Stücken in Form von Röcken, Kleidern und Jacken.

Bild: (Di)vision SS23

(Di)vision gibt an, dass die Verwendung von überschüssigem Militärmaterial im Einklang mit der Verpflichtung der Marke steht, mit nicht mehr benötigten Stoffen zu arbeiten und so viel wie möglich zu recyceln. Das Unternehmen räumt jedoch ein, dass die Herausforderung, in größerem Maßstab und mit geringeren Auswirkungen zu produzieren, auch bedeutet, dass es ständig nach neuen Materialquellen sucht. Dies hat dazu geführt, dass in Zusammenarbeit mit dem Designunternehmen Gubi einige Stücke aus Stoffen für Innenräume entwickelt wurden.

Die nächste Copenhagen Fashion Week wird vom 31. Januar bis 2. Februar 2023 stattfinden.

Bild: (Di)vision SS23

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf FashionUnited.uk. Übersetzt und bearbeitet von Simone Preuss.

COPENHAGEN FASHION WEEK
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