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Lotta Ludwigson und Remei: Der Digitale Produktpass in Aktion

FashionUnited hat die Reise der neuen T-Shirts des Berliner Slow-Fashion-Labels Lotta Ludwigson und des Schweizer Textilproduzenten Remei vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt verfolgt.
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Die neuen T-Shirts von Lotta Ludwigson x Remei. Bild: Los Juanchys
Von Simone Preuss

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Am Donnerstag, dem 19. März, haben das Berliner Slow-Fashion-Label Lotta Ludwigson und der nachhaltig orientierte Schweizer Textilproduzent Remei eine gemeinsame T-Shirt-Kollektion auf den Markt gebracht. Das Besondere: die Luma T-Shirts sind durch die my-trace-App 100 Prozent rückverfolgbar, und zwar vom Saatgut über den Rohstoff Biobaumwolle bis zum fertigen Produkt.

Das T-Shirt gibt es in fünf Ausführungen: weiß/schwarz uni oder Royal Blue, Navy Blue oder Abbey Stone gestreift. Es ist monomaterial (einschließlich Garn und Etiketten), plastikfrei, kreislauffähig und rückgabefähig.

„Wir verbinden 30 Jahre Erfahrung mit dem Circular-Fashion-Ansatz von Lotta Ludwigson“, kommentiert Marion Röttges, Co-Geschäftsführerin der Remei AG, in einer Mitteilung. „Remei liefert die Transparenz, Lotta Ludwigson die Emotion. Gemeinsam zeigen wir, dass Ästhetik und Verantwortung keine Gegensätze sind.“

FashionUnited wollte genau wissen, wie viele Informationen Kund:innen tatsächlich zur Verfügung stehen und ging auf die Reise des digitalen Produktpasses.

Der QR-Code von my-trace by Remei, der zum digitalen Produktpass führt. Bild: Lotta Ludwigson x Remei

Die textile Lieferkette auf einen Blick

Scannt man den QR-Code am Kleidungsstück, gelangt man in den digitalen Produktpass (DPP). Man kann auswählen, ob man die Schritte als Text oder als Karte ansehen möchte. Die Weltkarte zeigt, wo genau die einzelnen Produktzutaten herkommen beziehungsweise verarbeitet werden; man kann die Lieferkette also so Schritt für Schritt verfolgen.

Die Biobaumwolle etwa stammt aus verschiedenen Dörfern im Meatu-Distrikt der Simiyu-Region in Tansania. Produzent ist Remei Tanzania Ltd., ein Tochterunternehmen der Remei AG seit 1994 (ehemals bioRe Tanzania Ltd.). „Mit der direkten Rohstoffbeschaffung sichern wir die vollständige Rückverfolgbarkeit und die Qualität unserer Textilien. Wir stellen 100 Prozent Rückverfolgbarkeit der Textilien bis auf Rohstoffebene sicher“, heißt es im DPP.

Anbau, Saatgut und Entkernung - Tansania

Man erfährt auch, dass die Remei-Tochterunternehmen mit den Bäuer:innen vor Ort direkt Verträge schließt, ohne vermittelnde Unternehmen. Dies garantiert eine verlässliche Abnahme, Direktzahlungen gemäß dem gültigen Marktpreis und eine Zusatzprämie für Biobaumwolle.

Auch das Saatgut wird nicht vergessen: Hier handelt es sich um „Seed UKM08“, gentechnikfrei, eine Voraussetzung für den Anbau von Biobaumwolle. Das „UK“ des Codes steht für die tansanische Universität Ukiriguru, „M“ für Malawi und „08“ für das Jahr 2008. „In Tansania ist der Einsatz von Gentechnik bei der Züchtung von Baumwollsaatgut vom Staat verboten. Entsprechend ist das tansanische Saatgut frei von gentechnischer Manipulation,“ erklärt Remei.

Entkernt wird die Biobaumwolle bei Bibiti Ginneries Ltd. in Meatu, Tansania. Der kleine Betrieb mit 8 Mitarbeitenden ist seit 2003 in der Remei-Lieferkette. Informationen zu Audits und Zertifikaten sowie Fotos gibt es ebenfalls.

Garn, Spinnen, Stricken, Färben und Nähen - Indien

Gesponnen wird bei Maral Overseas Ltd. in Khalbujurg, Indien. Hier erfährt man, welche Produkte hergestellt werden (rohweiße und gefärbte Garne, gefärbte oder digital bedruckte Stoffe) und wie lange der Lieferbetrieb schon Teil der Remei Lieferkette ist - seit 2010. Auch die Anzahl der Mitarbeitenden gesamt (2443) und die Anzahl der Mitarbeiterinnen (246) wird genannt. Der geringe Anteil an Frauen (rund 10 Prozent) erklärt sich dadurch, dass viele Prozesse automatisiert sind. Neben Informationen zu Audits und Zertifikaten kann man sich den Betrieb auch in Fotos anschauen.

Die Flächenherstellung durch Stricken geschieht bei Fab Tech International im indischen Tirupur. Dies ist ein kleiner Betrieb mit 35 Mitarbeitenden (4 davon Frauen), der seit 2017 Teil der Remei-Lieferkette ist. Auch hier gibt es Informationen zu Audits und Zertifikaten sowie Fotos.

Gefärbt und veredelt wird der Stoff bei Freelook Fashions im indischen Perundurai. Der Betrieb ist seit 2012 Teil der Remei-Lieferkette und beschäftigt 236 Mitarbeitende, davon 3 Frauen. Auch hier gibt es ein Foto und Informationen zu Audits und Zertifikaten.

Das Baumwollgarn wird beim GOTS-zertifizierten Bekleidungshersteller Eveready Spinning Mills Private Ltd. ebenfalls in Tirupur gefärbt.

Genäht wird bei Kaytee Corporation Pvt. Ltd. in Tirupur, Indien, der seit 1998 in der Remei-Lieferkette ist. Seit 2024 wird durch eine Fair-Share-Zahlung an alle 252 Mitarbeitenden (113 davon Frauen) ein Existenzlohn implementiert.

„Wear your values“ - Lotta Ludwigson x Remei. Bild: Los Juanchys

Fazit

Es sind neben den beiden Kooperationspartnern sieben Lieferbetriebe beteiligt, die man dank des DPPs auf einen Blick einsehen kann. Auch wenn sich die Lieferkette über drei Kontinente und vier Länder erstreckt, bleibt sie überschaubar: Der Rohstoff kommt aus einem Land in Afrika (Tansania) und wird auch dort entkernt.

Die Weiterverarbeitung einschließlich Garn- und Stoffherstellung, Färben und Veredelung sowie Nähen geschieht in Indien, hauptsächlich in einem Bundesstaat (Tamil Nadu). Planung und Vertrieb erfolgt in Europa, über die Kooperationspartner, die in Deutschland beziehungsweise der Schweiz agieren.

Mit der richtigen Transparenzpriorisierung wird die komplexe textile Lieferkette, hinter der sich viele Betriebe verstecken, weniger komplex und überschaubar. Der digitale Produktpass macht es möglich.

CO2-Fußabdruck

Zudem bietet der DPP auch Informationen zum CO2-Fußabdruck. Remei etwa listet seine angefallenen CO2-Emissionen für das Geschäftsjahr 2024/25 (Scope 3) nach Produktionsschritten: Baumwolle und Entkernung (101 Tonnen), Spinnverfahren (71 Tonnen), Stoffherstellung (keine, da Strom aus erneuerbaren Energiequellen verwendet wurde), Färbeverfahren (67 Tonnen) und Konfektion (57 Tonnen).

„Seit 2021 finanziert Remei India Ltd. Strom mit I-REC(International Renewable Energy)-Zertifikaten. Damit wurde es möglich, den Strom-Mix für die gesamte Lieferkette zu optimieren,“ erklärt Remei.

Ein großer Teil der CO2-Emission entfällt auf den Bereich Logistik - 213 Tonnen. Hier wird die entkörnte Baumwolle von Tansania über den See- oder Landweg nach Indien transportiert. Das Garn wurde ebenfalls auf dem See- oder Landweg transportiert.

„10 Prozent der produzierten Textilien musste per Flugzeug transportiert werden. Aufgrund von generell längeren Transportzeiten (Suezkanal geschlossen), Lieferverspätungen und um finanzielle Strafen für Verspätungen zu vermeiden,“ erläutert Remei.

Insgesamt wurden 1.114 Tonnen CO2 generiert, durchschnittlich etwa 2 Kilogramm pro Textilie. Dies entspricht einer Autofahrt von 13 Kilometern mit einem PKW, der 150 Gramm CO2 pro Kilometer ausstösst, so Remei im Vergleich.

Durch die Investition in den Aufbau von Biogasanlagen der Bäuer:innenfamilien in Indien und effizienter Öfen in Tansania unterstützt Remei eine Reduktion des Verbrauchs von Feuerholz vor Ort.

„Diese Kooperation zeigt, wie gemeinsame Werte über Generationen, Unternehmensgrößen und Ländergrenzen hinweg Wirkung entfalten können – und wie wichtig starke Partnerschaften auf dem Weg zu einer nachhaltigen Modeindustrie sind“, betont Charlotte Piller, Gründerin von Lotta Ludwigson.

Lotta Ludwigson x Remei. Bild: Los Juanchys

Die gestreiften Lotta Ludwigson x Remei T-shirts kosten 75 Euro und die schwarz/weißen 65 Euro und sind ab 18. März 2026 über den Onlineshop von Lotta Ludwigson erhältlich. Dieser liefert in alle Länder der EU sowie in die Schweiz.

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