Prada reagiert auf Rassismus-Vorwürfe

Werbung, Produkte, Kommentare. Es gibt so einige Möglichkeiten, mit denen sich Marken in die Nesseln setzen können, wie zuletzt bei Dolce & Gabbana gesehen. Jetzt ist der italienische Luxusmodekonzern Prada an der Reihe. Er hat als Teil seiner ‘Pradamalia’ T-Shirts und Accessoires herausgebracht, die Fantasiefiguren darstellen, darunter auch ein schwarzer Affe mit roten Riesenlippen, die viele an die Karikatur von Schwarzen (“Blackface”) erinnerte und für einige Empörung sorgte, stand er doch prominent im Schaufenster der Marke in Soho.

Die Figur, “Otto” getauft, sollte eigentlich für die neue Mode- und Schmucklinie werben, aber die Rechnung ging nicht ganz auf. Auch wenn sie inzwischen in aller Munde ist, dann nicht so, wie der Luxuskonzern sich dies erhofft hatte. Passanten und Verbraucher sind empört, dass niemand in den Marketingetagen bei Prada auf die Idee gekommen ist, dass die Figur des Otto als Beleidigung empfunden werden könnte.

Pradas “Otto” deckt Problem der homogenen Lieferkette auf

Eine Twitter-Benutzerin, die Pradas spätere Entschuldigung kommentierte, traf den Nagel auf den Kopf: “Wenn es irgendwo in der Lieferkette dieses Artikels vom Konzept bis zur Ausführung auch nur eine einzige farbige Person gegeben hätte, wäre dies vermieden worden. Sie hätte dieses Durcheinander verhindert. Deshalb ist Repräsentation wichtig”, sagte Jennifer B.

Otto und alle mit ihm verbundenen Produkte sind inzwischen aus dem Schaufenster und auch von Pradas Website und den Läden verschwunden. Und das Unternehmen entschuldigte sich: “Bei Prada sind wir bestrebt, Produkte zu entwickeln, die die Vielfalt der Mode und die Schönheit der Kulturen auf der ganzen Welt feiern. Wir möchten unser tiefes Bedauern und unsere aufrichtige Entschuldigung für die anstößigen Produkte von Pradamalia zum Ausdruck bringen", schrieb der Luxuskonzern in einer Pressemitteilung vom 16. Dezember.

“Die Ähnlichkeit der Produkte mit Blackface war keineswegs beabsichtigt, aber wir sind uns bewusst, dass dies nicht den Schaden entschuldigt, den sie verursacht haben. In Zukunft verpflichten wir uns, unser Diversity-Training zu verbessern und werden umgehend einen Beirat bilden, der unsere Bemühungen um Diversity, Einbeziehung und Kultur leitet", fügte Prada hinzu und bewies damit, dass der Groschen immer noch nicht ganz gefallen ist. Statt Beirat und Training wäre es vielleicht einfacher, Mitarbeiter mit kulturell vielfältigerem Hintergrund einzustellen?

Prada zeigt Reue und verspricht, sich zu bessern

Dies scheint jedoch als Lösung nicht angedacht, stattdessen will Prada “den Vorgang untersuchen, der dazu führte, dass solch ein Produkt überhaupt auf den Markt kommen konnte”. “Jeder in unserem Unternehmen, von den Kreativdirektoren bis zu den Filialleitern arbeiten hart daran, die Erwartungen unserer Kunden zu übertreffen”, heißt es weiter. Was durchaus der Fall sein mag, aber hier geht es nicht darum, Kundenerwartungen zu übertreffen, sondern Kunden (und ihre kulturellen Hintergründe) überhaupt zu verstehen.

Das Unternehmen endet mit dem Versprechen, die Erlöse aus dem Verkauf der Produkte an eine New Yorker Organisation zu spenden, die gegen Rassismus kämpft. “Wir werden davon lernen und uns bessern”, verspricht Prada abschließend. Man muss dem Luxuskonzern seine schnelle Reaktion und sein uneingeschränktes Schuldeingeständnis und Verantwortungsbewusstsein hoch anrechnen, was nicht bei allen Marken selbstverständlich ist. Bleibt nur zu hoffen, dass er wirklich daraus lernt.

Angestossen hatte die Debatte Chinyere Ezie, Anwalt am Center of Constitutional Rights, der auf Facebook seiner Empörung Luft machte. “Nachdem ich von einem sehr emotionalen Besuch im Smithsonial National Museum of African American History and Culture sowie einer Ausstellung, in der es um ‘Blackface’ ging, nach NYC zurückkam, ging ich an einem Prada-Store in Soho vorbei, um mit den gleichen abwertenden 'Blackface-Bildern' konfrontiert zu werden”, schrieb er.

Zudem rief er dazu auf, mit den Hashtags #StopBlackface, #BoycottPrada und #EndRacismNow auf das Problem aufmerksam zu machen und Prada-Produkte zu boykottieren. Ezies Kommentar wurde schnell in den sozialen Medien aufgegriffen und sorgte für eine immer noch immer anhaltende Welle der Empörung.

Pradamalia-Artikel auf der Prada Website
 

Themenverwandte Nachrichten

WEITERE NACHRICHTEN

 

AKTUELLSTE STELLENANGEBOTE

 

MEISTGELESEN