Trendsport Wandern: beliebt, aber meist falsch gekleidet

War Wandern noch vor wenigen Jahren eher als Freizeitbeschäftigung von Rentnern bekannt, so hat es sich inzwischen zum Trendsport gemausert: Laut dem Deutschen Wanderverband schnürt jeder zweite Deutsche über 16 Jahre regelmäßig die Wanderschuhe; andere Studien reden gar von 63 Prozent der Bevölkerung, die sich in der freien Natur entspannen oder körperlich herausfordern wollen.

Das Wandern ist des Müllers Lust - und des Meiers und Schulzes

Aber nicht nur das Image des Freizeitsports ist bunter und funktioneller geworden, sondern auch die Kleidung. Diese ist so High Tech geworden ist, dass man wissen sollte, wie sie zu kombinieren ist, um die maximale Leistung zu erzielen. Dies rät der TÜV Rheinland und verrät, dass zum Beispiel Baumwollsocken zum Wandern gänzlich ungeeignet sind.

Was die Kombination von Hightech-Materialien mit anderen angeht, so sollte man ein paar Regeln beachten. Moderne Funktionskleidung etwa hält die Haut von innen und von außen trocken, also bei schweißtreibenden Temperaturen und Regenschauern. Die meisten von uns setzten jedoch auf Baumwolle in Form eines lang- oder kurzärmligen T-Shirts, das unter der Funktionskleidung getragen wird und schon ist die Atmungsaktivität dahin. Wussten Sie’s?

Zwiebeln sind in, wenn man sich vor Nässe schützen will

„Tragen Outdoor-Sportler unter einer wasserdichten und atmungsaktiven Membranjacke ein T-Shirt aus Baumwolle, versagt die Atmungsaktivität der Jacke“, erklärt Andres Metzger, Experte für Textilien beim TÜV Rheinland. "Wichtig ist das richtige Zwiebelprinzip. Nur mit Funktionswäsche oder einem ebensolchen Shirt aus Mikrofaser ist der Transport der Feuchtigkeit durch alle Schichten gewährleistet“, rät er.

Denn Baumwolle, beliebt für ihre absorbierenden Qualitäten, speichert Feuchtigkeit, aber gibt sie nur sehr langsam wieder ab. Das heißt, ein schweiß- oder regennasses T-Shirt bleibt erstmal nass. Unter einer Funktionsjacke fühlt sich dies besonders unangenehm an, da die aufgenommene Feuchtigkeit nicht schnell genug von der Hautoberfläche abgeleitet werden und über die Membran in der Jacke nach außen verdampfen kann. Im Gegenteil - die Feuchtigkeit staut sich und man ist - im Falle eines Regenschauers - gleich von innen und außen naß. Unangenehm.

Statt aber die Kleidung für sein Unbehagen beim Wandern verantwortlich zu machen, sollte man lernen, sie richtig zu kombinieren - also Funktionswäsche mit Mikrofasern; Baumwolle mit Baumwolle oder noch besser klimatisierte, natürliche Materialien wie Hanf und Nesseln für heiße, sonnige Tage verwenden.

Trendsport Wandern: beliebt, aber meist falsch gekleidet

Baumwollsocken sind fürs Büro

Viele Wanderbegeisterte greifen bei Socken ebenfalls auf Baumwolle zurück; diese sind jedoch zum Wandern gänzlich ungeeignet. „Herkömmliche Socken aus Baumwolle sind nicht geeignet, da sie beispielsweise keine Feuchtigkeit ableiten können“, weiß Metzger. Es sollte deshalb in spezielle Wandersocken investiert werden - trockene Füße werden es einem danken.

„Moderne Wandersocken verfügen über unterschiedliche synthetische Faserstoffe, die an bestimmten Stellen verstärkt sind. So bleiben die Füße eher trocken und vor schmerzhaften Druckstellen geschützt“, erklärt der TÜV Rheinland.

Hände weg vom Weichspüler

Wichtig ist auch die richtige Pflege von Funktionstextilien; man sollte also das Pflegeetikett sorgfältig lesen oder sich im Geschäft oder den Internetauftritt des Herstellers über die empfohlene Behandlung informieren, um seine Funktionstextilien viele Jahre lang nutzen zu können. Ganz wichtig ist: kein Weichspüler. Denn dieser zerstört die Funktionalität.

Generell gilt, je mehr Funktionen die Kleidung hat, desto besser ist man vor Wind und Wetter geschützt, da spezielle Wandertextilien nicht nur atmungsaktiv, sondern auch wind- und wasserdicht sind. Diese Multifunktionalität hat natürlich ihren Preis, aber es gibt eine gute Nachricht, was die Investition in teure Ausrüstung angeht - im Normalfall, also für den Hobbywanderer, ist sie nicht nötig.

„Wer bei schönem Wetter loswandert, der ist mit Softshelljacke und entsprechender Hose gut ausgerüstet. Das Material ist relativ günstig, atmungsaktiv und hält auch kleinere Regenschauer ab“, empfiehlt Metzger.

Günstigere Funktionskleidung meist ausreichend

Wer mit stärkeren Regenschauern und tieferen Temperaturen rechnet oder auf eine längere Wandertour geht, der sollte jedoch auf jeden Fall in die teureren regenfesten Membranjacken und -hosen investieren. Und sich über die tatsächliche Wasserdichtigkeit informieren - Labore geben über die sogenannte Wassersäule Auskunft.

„Eine wenige Zentimeter große Fläche des zu testenden Stoffgewebes wird unter ein Messrohr gespannt, was langsam mit Wasser gefüllt wird, bis erste Tropfen unter dem Stoff auftauchen“, erklärt Metzger den Vorgang.

Als Richtwert gilt eine Wassersäule von 1.300 Millimetern, die ausreicht, wenn kein Druck auf die Kleidung ausgeübt wird. Doch meistens trägt man einen Rucksack oder setzt sich schon einmal auf den feuchten Boden und schon braucht man eine Wassersäule von 8.000 Millimeter. Und natürlich gilt, darauf zu achten, was man unter der Jacke oder Hose trägt, um die Atmungsaktivität zu gewährleisten (s. oben).

Mit diesen Tipps ausgerüstet, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen und man kann seine Wanderung bei jedem Wetter genießen. Denn es gilt der alte Hinweis: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unangemessene Kleidung.

Fotos: Peter Freitag / pixelio.de & Steffen Deubner / pixelio.de
 

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