Zehn Tipps für Designer, in der Modeindustrie positiv aufzufallen

Vielleicht hast du schon ein paar Jahre deiner Karriere in der Modebranche hinter dich gebracht und die Erinnerung daran, wie es war, einer der wenigen aus deinem Abschlussjahrgang zu sein, der einen Job hat, beginnt zu verblassen. Vielleicht hast du es dir zu lange in einem Job bequem gemacht, aber wenn du über den Rand deiner Bürowände spähst, siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wie auch immer: Du bist bereit, für etwas Neues, eine Beförderung, mehr Lohn. Aber wie stellt man das an?

Zehn Tipps für Designer, in der Modeindustrie positiv aufzufallen

Zehn Tipps für Designer, in der Modeindustrie positiv aufzufallen: 1. Kein Job-Hopping

Überlege dir eine Strategie. Während Millennials dafür bekannt sind, nach dem Abschluss von Job zu Job hüpfen, bis sie sich in ihrem perfekten Job niederlassen, sieht das bei Profis auf höherem Management-Level ganz anders aus. Widerstehe dem Drang, dich zu oft neu zu orientieren. Potentielle Arbeitgeber werden das als flatterhaft und unseriös betrachten und möglicherweise sogar deine Fähigkeit anzweifeln, Projekte zu Ende zu bringen. Wenn sich ein Arbeitgeber dafür entscheidet, in dich zu investieren, will er sich sicher sein, dass du eine solide Perspektive bietest, die lange genug vorhanden sein wird, um eine Rendite für seine Investition zu erzielen. Dein Lebenslauf wird ihm das sagen.

2. Sind wir schon exklusiv?

Bleibe immer in Kontakt mit deinen bevorzugten Personalvermittlern, lasse ihnen einen aktualisierten Lebenslauf zukommen und lasse sie wissen, wenn du umziehen möchtest. Denke immer daran: Personalvermittler stellen mehrere Kandidaten für denselben Job vor. Einzelne Unternehmen arbeiten auch mit mehreren Personalvermittlern zusammen, um ihre Chancen zu erhöhen, den besten Kandidaten zu finden. Aus demselben Grund solltest du Beziehungen mit mehreren Personalvermittlern aufbauen. Die Beziehung wird erst dann exklusiv, wenn du aufgrund der Vermittlung eines Personalvermittlers ein Stellenangebot erhalten und dich entschieden hast, es anzunehmen.

3. Es kommt immer noch darauf an, wen du kennst

Persönliche Vermittlungen können deine Beförderung beschleunigen. Wenn du dich für eine Stelle über HR bewirbst kann es sein, dass dein Name wochenlang in der Datenbank des Unternehmens vor sich hin vegetiert. Aber die richtigen Connections können dich direkt ins Büro des Designchefs bringen. HR-Manager, die sich auf Schlüsselwortsuchen verlassen müssen, um geeignete Kandidaten zu finden, sind nicht immer auf dem neuesten Stand, was die Bedürfnisse des Designteams angeht. Sie wissen vielleicht nicht immer, wie sie deinen Lebenslauf interpretieren sollen, und übersehen dabei einige herausragende Leistungen, die einen Kreativdirektor genug interessieren würden, um dich zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Sei proaktiv und erkenne Chancen, wo auch immer sie auftauchen, denn niemand ist so motiviert wie du bei deiner Jobsuche.

Zehn Tipps für Designer, in der Modeindustrie positiv aufzufallenZehn Tipps für Designer, in der Modeindustrie positiv aufzufallen

4. Schubladendenken abwehren

Die Industrie, besonders in den USA, wird versuchen, dich in eine Schublade zu stecken. Wenn du die letzten zwei Jahre damit verbracht hast, Hemden zu entwerfen, wirst du als Hemd-Designer gesehen. Gegen dieses Schubladendenken musst du ankämpfen, wenn du gerne andere Kategorien als Hemden entwerfen willst. Wenn du in der Herrenmode gearbeitet hast, wird dein Wunsch, zu Womenswear zurückzukehren, in Frage gestellt. Dies verschärft sich dann, wenn du lange Zeit in Kinderbekleidung, Badebekleidung oder einer anderen Nischenkategorie gearbeitet hast und die Kategorie wechseln willst. Um von diesen Labels loszukommen, musst du dein Portfolio genau auf dich abstimmen, und alle deine Fähigkeiten demonstrieren, selbst wenn es bedeutet, neue Arbeiten zu entwickeln, die deine Vielseitigkeit unter Beweis stellen.

5. Beweise dich in Projekten

Wenn du die Karriereleiter erklimmst, steht mehr auf dem Spiel. Bei Gehaltserhöhungen und neuen Titeln erwarten die Arbeitgeber mehr. Zu Beginn deiner Karriere war dein Lebenslauf nicht genug; du brauchtest auch ein Portfolio. Jetzt kommt die Zeit, wo dein Portfolio nicht mehr genug ist. Unternehmen, die eine Stelle besetzen möchten, lassen Kandidaten oft beispielhaft Projekte bearbeiten, bieten aber nur eine minimale Anleitung zu dem, was sie zu sehen hoffen. Das Projekt ist deine Chance zu beeindrucken und du solltest dein Verständnis für die DNA des Unternehmens, seine Kunden- und Marktposition, sein innovatives Design und seine Präsentationsart demonstrieren. Es gibt keine andere Industrie, an die ich denken kann, die von ihren Fachleuten verlangt, kostenlose Arbeiten zu produzieren, aber es ist für den Einstellungsprozess üblich geworden. Auf je mehr Stellen du dich bewirbst, desto mehr solcher Projekte wirst du machen müssen. Betrachte es als Portfolio-Buildung.

6.Halte dich kulturell auf dem Laufenden

Stelle Kultur über den Kult des Celebritys, um deine Glaubwürdigkeit bei denen zu erhöhen, die wirklich zählen. Deine Vorgesetzten sind vielleicht zehn oder sogar 40 Jahre älter als du. Sich auf die Helmut Lang S/S Kollektion 1999, in der der Designer reflektierende Techno-Stoffe, Maraboufedern und Minimalismus zusammenbrachte, zu beziehen, bringt dir mehr Punkte ein, als das Schwärmen über die Schuhe, die Beyoncé letzte Nacht auf dem roten Teppich getragen hat. Bringe Inspiration von die Außen in die Designs: Inspirationen aus Museen; Bücher und Artikel, die du gelesen hast; Fotos von deinen Reisen... Als neues, möglicherweise jüngeres Mitglied des Design-Teams, sei agil und sehe dich als rasender Reporter vor Ort. Genieße die Verantwortung, die Dinge up-to-date zu halten, es wird geschätzt.

7. Vorsicht vor Divas und Dollarzeichen

Die berauschende Mischung aus unkontrollierten Egos gepaart mit dem milliardenschweren Umsatz der Branche kann zu Verhaltensweisen führen, die in anderen Bereichen nicht toleriert würden. Einkäufer haben so viel Einfluss wie Designer, vor allem in den USA. Alte Produktmodelle, die sich gut verkauft haben, werden endlos neu verpackt. Das kann für eine kreative Person frustrierend sein. Bei einem morgendlichen Treffen kann deine "super-süße" Idee begeistert angenommen werden, aber bis zum Nachmittag ist sie abgesagt. Die Leute in unserer Branche ändern ihre Meinung aufgrund von Launen, Verkaufsrückmeldungen, Angst. Viele Arbeitgeber erwarten von dir, dass du auf E-Mails reagierest, vom Moment in dem du aufwachst bis zum Schlafengehen. Warum? Weil sie es tun. Die Kultur des Hinterfragens fördert Neurosen und möglicherweise Schlaflosigkeit. Nimm nichts persönlich; es ist nur Business. Finde aber Wege, um diese schwierigen Phänomene zu navigieren, die zur Branche gehören.

8. Seniorität ist selten geworden

Unter meinen Design-Kollegen ist man sich weitgehend einig: Obwohl die Industrie selbst sich von der Rezession erholt hat, sind die Gehälter hier in New York nie wieder zu Vor-Rezessions-Höhen zurückgekehrt und die höheren Designpositionen sind so gut wie abgeschafft. In vielen Unternehmen ist es heute üblich, einen Kandidaten für mehrere Stellen einzustellen. Eine Handvoll Junior-Designer zusammen mit Praktikanten erledigen heute die Aufgaben, die früher ein Senior Designer verantwortet hätte. Also, wenn du ein Angebot bekommen solltest, in dem es um eine Senior-Design-Position geht, schnapp sie dir, sei aber bereit, viele Aufgaben zu haben.

9. Füttere den hungernden Künstler in dir

Behalte ein Skizzenbuch, male Landschaften in deiner Freizeit, kultiviere lebenslange Neugier. Erlaube deiner Kreativität, außerhalb des Jobs zu gedeihen, und du wirst feststellen, dass du auch im Job mehr leisten kannst. Zu viele Massenmarktunternehmen reduzieren den Designprozess darauf, Looks aus Magazinen oder aus den Kollektionen ihrer Mitbewerber aufzugreifen und sie zu kopieren. Egal ob zu Beginn deiner Karriere oder im späteren Leben, du wirst unausweichlich einen solchen Job haben und er kann deine Kreativität beschneiden, bis du anfängst, nur noch auf diese reduzierte Weise zu denken. Wenn du dann auf eine kreativere Umgebung umsattelst, darfst du diesen Ansatz nicht zeigen, denn dies kann ein großes No-Go für deinen neuen Arbeitgeber darstellen. Es liegt an dir, die Feuer deiner Kreativität zu schüren oder andere werden sie auslöschen.

10. Strebe nach Expertise

Strebe danach, ein Experte auf deinem Gebiet zu werden. Blicke über die Jobanforderungen hinaus, die deine derzeitige Position vorschreibt, mache es dir nicht bequem und halte deine Fähigkeiten stets im Top-Zustand. Versuche, dich sowohl als Einzelperson als auch als Teil einer Belegschaft zu verwirklichen. Es ist eine Branche, in der ein Job nicht immer das Maß für dein Talent ist, sondern für deine Schmerztoleranz. Übernimm die Verantwortung und lenke deine Karriere bewusst. Suche nach Wegen, um dein Fachwissen anzuwenden. Vielleicht hast du gelernt, dass du ein Auge für Fotografie hast, einen Kopf für Eventorganisation, einen Hang zur PR oder zum Styling, ein Gespür für Mentoring, oder eine Begabung für Modejournalismus... Nimm diese Möglichkeiten wahr, dich auszuprobieren und deine Kreativität bis zum Maximum zu erforschen. Die Modeindustrie kann immens großzügig zu denen sein, die es verstehen, ihre Belohnungen zu ernten.

Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Jackie Mallon lehrt Mode in New York und ist die Autorin des Buches ‚Silk for the Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie spielt. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Fotos und Zeichnungen: Jackie Mallon

 

Themenverwandte Nachrichten

WEITERE NACHRICHTEN

 

AKTUELLSTE STELLENANGEBOTE

 

MEISTGELESEN