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Deutschland bekommt erstes Retourensiegel - wie funktioniert es?

Von Simone Preuss

18. März 2021

Business

Retouren sind ein Problem im Onlinehandel - gerade für Modehändler, die mit Rücksendequoten von bis zu 60 Prozent zu kämpfen haben. Seit letztem Jahr ist in Deutschland auch die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes in Kraft getreten. Es soll gegen die unnötige Vernichtung von Waren, Millionen unnötige Transportkilometer und ökonomische Einbußen auf Handelsseite vorgehen.

Das heißt, dass der Staat künftig gegen Ressourcenverschwendung besser vorgehen und so dagegen angehen kann, dass Retouren und Überhänge einfach im Müll landen - Händler müssen eine sinnvolle Verwendung finden und Produkte wo immer möglich gebrauchstauglich halten. Zudem müssen geplante Maßnahmen gegen die Warenvernichtung offengelegt und dokumentiert werden.

Allgemein gilt, dass Unternehmen künftig recycelte Produkte gegenüber Neuanfertigungen bevorzugen müssen. Für Modeanbieter heißt dies, dass sie künftig die hochwertige Rücknahme und Verwertung von Retouren für mindestens drei Jahre garantieren müssen.

“Mit dem Gesetz nimmt sich der Bund selbst in die Pflicht, beim Einkauf Produkte zu bevorzugen, die rohstoffschonend, abfallarm, reparierbar, schadstoffarm und recyclingfähig sind, sofern keine unzumutbaren Mehrkosten entstehen”, fasst der 2019 gegründete Retourenregister e.V. zusammen, der jetzt ein Retourensiegel herausbringt.

Was ist das Retourensiegel?

Mit dem Retourensiegel kann sich der Handel auf die neue Gesetzeslage vorbereiten. Der Retourenregister e.V. zeichnet mit dem Retourensiegel Händler aus, die den Lebenszyklus ihrer Produkte kreislauffähig machen wollen und Retouren so weit wie möglich vermeiden. Sind sie nicht vermeidbar, garantieren sie einen nachhaltigen Retourenprozess, also die Wiedereinführung in einen Produktkreislauf.

“Mit dem Retourensiegel kann sich der Handel dazu positionieren und den Umgang mit Retouren transparent und nachvollziehbar gestalten. Nachhaltiges Retourenhandling, das über die Einhaltung der gesetzlichen Mindeststandards hinausgeht, wird durch das Retourensiegel transparent und schnell kommunizierbar”, erklärt der Retourenregister e.V.

Welche Vorteile haben Händler?

Händler können durch das neue Retourensiegel Vorteile in vier Bereichen verzeichnen: der Außenwahrnehmung ihres Unternehmens, der Prozessoptimierung, der höheren Wertschöpfung und der Vermeidung behördlicher Sanktionen.

“Unsere Partnerunternehmen kommunizieren mit dem Retourensiegel Produktverantwortung, ressourcenschonendes Wirtschaften und Qualität. Sie zeigen damit auch Eigeninitiative zur Einhaltung des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes”, erklärt der Retourenregister e.V.

Dessen erfahrenes Team steht Händlern zudem zur Verfügung, wenn es um die Optimierung von Prozessabläufen im Retourenhandling geht, etwa der Verwendung einer sicheren und stabilen Verpackung, die Schäden beim Versand verringert, oder der effizienteren Gestaltung interner Abläufe.

Welche Kriterien müssen Händler erfüllen?

Es gibt drei Basisanforderungen, die Händler erfüllen müssen, um das Retourensiegel zu erhalten: Zum einen müssen sie ihr Retourenziel öffentlich machen, also etwa auf ihrer Website, und zum anderen transparent über ihr Retourenmanagment berichten. Ein Unternehmen muss zudem auch Strategien anwenden, mit denen es derzeit Retouren vermeidet.

Darüberhinaus müssen Händler mindestens vier Zusatzkriterien in verschiedenen Bereichen erfüllen, vor dem Kauf also etwa aussagekräftige und korrekte Produktbeschreibungen liefern, Kunden durch Anreizsysteme dafür belohnen, Retouren zu vermeiden (also etwa die Bestellung eines Kleidungsstücks in mehreren Größen), oder Retouren kostenpflichtig machen.

Zwei Zusatzanforderungen müssen Händler nach dem Kauf erfüllen, etwa ein Garantieversprechen für ein Produkt und ein langes Rückgaberecht geben, Angaben zur korrekten Retourenverpackung machen, den Grund für die Rücksendung erfragen, retournierte Ware zum Kauf anbieten oder diese spenden.

Was das systemische Setup angeht, müssen Händler mindestens eine der folgenden Zusatzanforderungen erfüllen: retournierte Ware weiterverkaufen oder wiederverwerten, über einen leicht erreichbaren Kundenservice verfügen, ein Retourenportal/Warenrücknahmesystem bieten oder einen Reparaturservice/ein Ersatzteillager haben.

Wie können Händler mit dem Retourensiegel starten?

Interessierte Händler können das Kontaktformular des Vereins ausfüllen oder eine Email an projektleitung@retourenregister.de schicken. Durch die Anmeldung erhalten sie dann Zugang zum Anmeldeportal mit den kompletten Siegelkriterien und dem Aufnahmefragebogen sowie Unterstützung bei der Erfüllung der Siegelkriterien. Partnerunternehmen müssen auch eine geringe Gebühr entrichten und können das Siegel dann auf ihrer Webseite gut sichtbar platzieren beziehungsweise werden in die Shopliste des Vereins aufgenommen.

Welche Vorteile haben Verbraucher?

Verbraucher können das Retourensiegel als ein Qualitätsmerkmal verwenden und schnell erkennen, wie bewusst ein Unternehmen mit dem Thema Retouren umgeht, und so mit gutem Gewissen einkaufen. “Nachhaltigkeit wird als Differenzierungsmerkmal immer wichtiger. Es hilft bei der Shopauswahl und kann auch dem Kaufenden Kosten sparen”, rät der Retourenregister e.V.

Zudem hilft das Retourensiegel dabei, die Kosten von Retouren für Kunden, Unternehmen und die Umwelt zu kommunizieren. “Vielen Kunden ist die Problematik des Retourenaufkommens nicht bewusst. Das liegt häufig nicht daran, dass es ihnen nicht wichtig ist, sondern, dass das Thema bisher kaum von Unternehmen kommuniziert wurde, die Transparenz fehlt, beziehungsweise kostenfreie Retouren noch immer beworben werden”, so der Verein.

Wer steckt hinter Retourenregister e.V.?

Vorstand des Retourenregister e.V. ist der diplomierte und seit 25 Jahren selbständige Wirtschaftsingenieur Matthias Thoben, der Geschäftsführer der Engelmann Messe & Design GmbH ist. Umweltwissenschaftlerin Yanna Badet mit Schwerpunkten in Öko Marketing und Projektmanagement ist zuständig für die Projektleitung und Kommunikation. Sie bringt 18 Jahre Arbeitserfahrung als Umweltberaterin in den Bereichen Nachhaltigkeitsplanung, Öffentlichkeitsarbeit und Klimawandelanpassung mit. Karsten Dierks leitet die Unternehmenskommunikation bei BestDealz24 und bringt als Kommunikationsverantwortlicher beim Retourenregister e.V. fünf Jahre Erfahrung im Retourenhandling ein.

Foto: Andrea Piacquadio / Pexels.com