Gerry Weber: Gläubiger stimmen Forderungsstundung mehrheitlich zu

Der Bekleidungskonzern Gerry Weber International AG ist bei seinen Sanierungsbemühungen einen großen Schritt vorangekommen. Am Dienstag gab das Unternehmen bekannt, dass sein Anfang Mai vorgestelltes Maßnahmenpaket „breite Zustimmung“ erhalten habe. „Wir haben in den vergangenen Wochen unter Hochdruck ein umfangreiches Zukunftskonzept erarbeitet, das alle Beteiligte überzeugt, auch wenn es ihnen schmerzhafte Beiträge abverlangt“, erklärte Florian Frank, der Chief Restructuring Officer (CRO) in einer Mitteilung.

Mit dem Sanierungskonzept, das finanzielle Beiträgen der Gläubiger und Eigentümer sowie Sparmaßnahmen wie Stellenstreichungen enthält, will der Bekleidungsanbieter die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise meistern. Nach eigenen Angaben erlitt das Unternehmen aufgrund der zum Schutz gegen die Pandemie angeordneten Ladenschließungen einen „unwiederbringlichen Umsatzausfall von deutlich mehr als 100 Millionen Euro“.

Die Gläubiger verzichten bis Ende 2023 auf einen Teil der ihnen zustehenden Zahlungen

Im Rahmen des Sanierungsplans hatte der Konzern seine ehemaligen Insolvenzgläubiger um einen vorübergehenden Aufschub fälliger Zahlungen gebeten. Die meisten von ihnen billigten nun dieses Ansinnen: „Die Gläubiger haben mit überragender Mehrheit dem Konzept zugestimmt, in dem sie im Kern 35 Prozent ihrer Forderungen bis zum 31. Dezember 2023 stunden, die ihnen dann nachgezahlt werden sollen“, erklärte Gerry Weber.

Zudem hätten die Eigentümer des Unternehmens „ihre angekündigte Unterstützung verbindlich zugesagt“. Sie leisteten damit nun „ebenfalls erhebliche Beiträge zur Sanierung des Unternehmens“, heißt es in einer Mitteilung.

Gerry Weber streicht 200 Stellen, plant aber derzeit keine Ladenschließungen

Neben diesen finanziellen Unterstützungsbeiträgen umfasst das Sanierungskonzept auch Kostensenkungsmaßnahmen. Bereits Anfang Mai hatte Gerry Weber den Abbau von 200 Stellen angekündigt. „Dazu wurden mit den Arbeitnehmervertretern und der zuständigen Gewerkschaft entsprechende Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen vereinbart“, teilte das Unternehmen mit.

Darüber hinaus sind nach Angaben des Konzerns inzwischen „mit Geschäftspartnern und Lieferanten Verträge neuverhandelt worden“. Das Ziel sei gewesen, „die Liquidität des Unternehmens zu sichern“. Derzeit plant Gerry Weber nicht, weitere Einzelhandelsflächen zu schließen. Das Programm sehe aber „weitere Zugeständnisse der Vermieter vor, ohne die Schließungen nicht zu vermeiden wären“, betonte der Bekleidungsanbieter.

Foto: Gerry Weber

 

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