Keine Entlassungen bei Roberto Cavalli

Am 2. April gewährte das Mailänder Gericht der angeschlagenen italienischen Luxusmodemarke Roberto Cavalli SPA Gläubigerschutz („Pre Concordato“-Status) mit bis zu 120 Tagen, um einen Turnaround-Plan vorzulegen. Ende März meldete The Art Fashion Corp, das Unternehmen, das die nordamerikanischen Aktivitäten von Cavalli betreibt, Insolvenz an (dort Chapter 7 genannt), nachdem der Mehrheitseigentümer der Marke, die Private-Equity-Firma Clessidra, nicht in der Lage war, mehr Geld in sie zu investieren, und es nicht schaffte, ihren Mehrheitsanteil von 90 Prozent zu verkaufen. Das Management von Roberto Cavalli prüft derzeit alle Möglichkeiten, die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

Wie ein Sprecher von Roberto Cavalli telefonisch gegenüber FashionUnited erklärte, arbeitet das Unternehmen derzeit an zwei Entwicklungen: der Fortführung des seit Ende 2018 laufenden M&A-Prozesses zum Abschluss einer Übernahme und die Sicherung der Zukunft aller Roberto Cavalli-Mitarbeiter. „Wir nutzen diese Zeit, um gemeinsam zur Senkung der Arbeitskosten beizutragen und die Zukunft des Unternehmens für die nächsten drei Monate zu sichern. Während wir die Marke und die Arbeitsinfrastruktur auf allen Ebenen sichern, wird es keine Entlassungen geben“, bestätigte der Sprecher.

Im Rahmen eines Solidaritätsvertrages („Concordo di Solidarieta“) vom 14. Mai zwischen Gewerkschaften, Unternehmensleitung und dem Arbeitsministerium in Rom, der die Fortführung der europäischen Niederlassungen von Roberto Cavalli sicherstellt, werden die Gehälter im Durchschnitt um 20 Prozent gesenkt (je nach Region zwischen 15 und 30 Prozent) sowie die Arbeitszeiten, um Arbeitskosten zu senken und die Begleichung künftiger Rechnungen zu garantieren. Dies gilt nur für die Niederlassungen in Florenz und Mailand mit insgesamt 206 Mitarbeitern; Filialmitarbeiter und Zeitverträge sind nicht betroffen.

Bereits seit 2013 macht Roberto Cavalli Verluste, und im Jahr 2016 sank der Umsatz um 13,6 Prozent auf 155 Millionen Euro (164 Millionen US-Dollar). Im Jahr 2018 wurden die Verluste auf 17,8 Millionen US-Dollar geschätzt, ohne Marketingkosten von 13 Millionen US-Dollar. Mit Ausnahme von 2015 gab es in den letzten fünf Jahren einen stetigen Umsatzverlust.

Roberto Cavalli ist seit Februar dieses Jahres im Gespräch mit potenziellen Käufern: Die US-Brand Management Firma Bluestar Alliance hat angeboten, das Unternehmen für fünf Millionen US-Dollar zu kaufen und 105 Millionen US-Dollar zu investieren; der deutsche Modedesigner Philipp Plein hat zusammen mit der Private-Equity-Firma Blue Skye Financial Partners 90 Millionen Euro für 70 Prozent der Anteile an dem Unternehmen angeboten, und die italienische Gruppe OTB, Eigentümer von Marken wie Marni und Diesel, hat angeboten, 70 Millionen Euro im Rahmen eines Plans zur Finanzierung von 164 Millionen Euro zu investieren.

Laut dem Roberto Cavalli-Sprecher geht es nun darum, das Unternehmen für die nächsten 120 Tage zu sichern, einschließlich der Zahlung aller Gehälter und aller Rechnungen in dieser Zeit, während die Details einer Übernahme, die dem Unternehmen eine neue Zukunft sichern wird, ausgearbeitet werden.

FashionUnited hat die Entwicklungen der letzten Jahre zusammengestellt, die zu Roberto Cavallis derzeitiger Situation führten:

Foto: Roberto Cavalli Website

 

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