Strenesse meldet erneut Insolvenz an

Noch vor Kurzem hatte das Nördlinger Bekleidungsunternehmen Strenesse große Hoffnungen auf seinen Neustart nach überstandener Insolvenz gesetzt. Nun musste das Modehaus einen weiteren Rückschlag melden: Wie erst jetzt bekannt wurde, stellte die Strenesse New GmbH bereits Ende Juni den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Nördlingen habe dem Gesuch am 26. Juni zugestimmt, erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung. Zum vorläufigen Sachwalter sei der Sanierungsexperte Martin Hörmann von der Augsburger Kanzlei Anchor Rechtsanwälte bestellt worden. Das Management machte unternehmerische Altlasten für den Schritt verantwortlich. Die Produktion und Auslieferung der Kollektionen soll aber vorerst „nahtlos und ohne Beeinträchtigungen“ fortgeführt werden.

Strenesse macht „übernommenen Betriebs- und Vertriebsstrukturen“ des Vorgängerunternehmens für den Schritt verantwortlich

Strenesse habe „in den letzten Monaten eine Vielzahl von Weichenstellungen getroffen, um sich im Markt wieder als erfolgreiche internationale Premiummarke zu positionieren“, heißt es in der Meldung. Die „Produktlinie und die Designsprache“ seien „deutlich erneuert, die ‚DNA‘ der Marke weiterentwickelt und modernisiert“ worden. Zudem habe das Unternehmen im Rahmen eines „Effizienz- und Digitalisierungsprojekts“ seine „IT-Infrastruktur, die Lagerlogistik sowie die Produktentwicklung neu aufgesetzt“ und durch den Relaunch des eigenen Online-Stores im Mai „neue internationale Absatzstrukturen“ geschaffen.

Dass trotz dieser Neuerungen nun zum zweiten Mal nach 2014 ein Insolvenzverfahren beantragt werden musste, begründete der Modeanbieter mit „übernommenen Betriebs- und Vertriebsstrukturen der ehemaligen Strenesse AG“ – der Vorgängergesellschaft des heutigen Unternehmens. Diese hätten sich als „nur bedingt anpassungsfähig“ erwiesen. Im Rahmen des Verfahrens hofft Strenesse jetzt, die nötigen Reformen vornehmen zu können: „Die Eigenverwaltung eröffnet uns die Chance, die aus der Vergangenheit übernommenen Belastungen und Verpflichtungen anzupassen“, erklärte Geschäftsführerin Micaela Sabatier in einer Mitteilung. Sie soll das Unternehmen nun zusammen mit dem Restrukturierungsfachmann Hubert Ampferl unter Aufsicht des Sachwalters sanieren.

Nach der ersten Insolvenz 2014 hatte Strenesse einen Neustart versucht

Damit nimmt die bewegte Geschichte von Strenesse eine weitere Wendung. Noch kurz vor der Jahrtausendwende zählte das Unternehmen zu den erfolgreichsten und ambitioniertesten deutschen Modehäusern. Doch die zunehmend widrigen Rahmenbedingungen nach dem 11. September 2001 sowie unternehmerische Fehlentscheidungen führten zum Niedergang, den auch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie die Rolle als Ausstatter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in den Jahren 2006 bis 2013 nur zeitweilig kaschieren konnten. So blieb der Strenesse AG im Frühjahr 2014 nur der erstmalige Gang in die Insolvenz, nachdem die Refinanzierung einer Unternehmensanleihe gescheitert war.

Hoffnungen auf einen Neustart gab es seit Ende 2016, als die schweizerische Treuhandgesellschaft H2P AG nach erfolglosen Verhandlungen mit anderen Investoren als Mehrheitseigentümer einstieg. Seither firmiert das Unternehmen als Strenesse New GmbH. Unter der Leitung des früheren Porsche-Design-Geschäftsführers Jürgen Gessler unterzog sich das Modehaus einer umfassenden Restrukturierung und sah sich auf einem guten Weg. „Ich habe unserem Investor nach der Übernahme versprochen, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Diese Aufgabe ist jetzt erledigt“, erklärte Gessler im Mai vergangenen Jahres anlässlich seines Abschieds. Seine Nachfolgerin Micaela Sabatier muss nun die nächste Sanierung in Angriff nehmen.

Foto: Strenesse Facebook-Page

 

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