Studie: Nachhaltigkeit ist Top-Thema der Modebranche

Früher eher nebensächlich und plötzlich in aller Munde: Die Rede ist von Nachhaltigkeit, die sich in der Modebranche immer mehr durchsetzt. Auch das neue staatliche Textilsiegel Grüner Knopf regt derzeit die Diskussion an. Das Fachmagazin TextilWirtschaft (TW) hat sich genauer umgehört und im August und September 2019 eine Umfrage zum Thema unter Modehändlern, -herstellern und Labels durchgeführt. Hier sind die Ergebnisse.

„Für 73 Prozent der Fashion-Hersteller ist Nachhaltigkeit laut einer Umfrage inzwischen ‘das drängendste Projekt unserer Zeit’. 78 Prozent … siedeln das Thema ganz oben an und sagen, dort sei es Chefsache“, fand die TW-Studie. Was die Mode-Labels angeht, so begrüßt mit 56 Prozent die knappe Mehrheit der Befragten, dass der Gesetzgeber strenge Anforderungen für eine nachhaltige Produktion vorgibt.

Für den Modehandel ist Nachhaltigkeit noch kein Top-Thema

Beim Mode-Einzelhandel sieht die Sache noch etwas anders aus: Nur 55 Prozent der Händler sehen Nachhaltigkeit als drängendstes Projekt an; fast drei Viertel (67 Prozent) beschäftigen sich aber intensiv damit. Nur jeder zweite bietet im Laden derzeit tatsächlich nachhaltige Labels an, aber das soll sich ändern: „Für Frühjahr/Sommer 2020 haben der Umfrage zufolge 43 Prozent der Händler neue Kollektionen oder Labels geordert, weil diese nachhaltig seien“, so die Studie.

Zum Zeitpunkt der offiziellen Vorstellung des staatlichen Nachhaltigkeitssiegels Grüner Knopf am 9. September 2019 befanden sich 26 im Prüfprozess (Hugo Boss, Otto Group) und 27 Unternehmen waren bereits zertifiziert, darunter Aldi Nord und Süd, Hessnatur, Rewe, die Schwarz Gruppe (Kaufland, Lidl), Tchibo, Trigema und Vaude.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die befragten Modeproduzenten, von denen mit 54 Prozent knapp die Mehrheit ihre Waren in Europa fertigen lassen, scheinen auf eigene Kontrollen zu setzen. Die Untersuchung fand heraus, dass 77 Prozent die Zulieferer vor Ort mit eigenen Mitarbeitern kontrollieren und 61 Prozent sich für eine Garantie aussprechen wollen, dass in all ihren Betrieben auch faire Löhne gezahlt werden.

Was Materialien und Gütesiegel angeht, so gaben 67 Prozent der Hersteller an, Biobaumwolle einzusetzen beziehungsweise recyceltes Polyester zu verarbeiten (66 Prozent). Rund zwei Drittel der Anbieter (62 Prozent) lassen ihre Produkte zertifizieren: „Zu den am häufigsten eingesetzten Bescheinigungen gehörten Öko-Tex (70 Prozent), BSCI (53 Prozent) und GOTS (48 Prozent)“, so die Studie.

Fazit

Die Studie zeigt, dass Bekleidungshersteller vorn liegen, wenn es um die Umsetzung nachhaltiger Produkte geht. Sie müssen sich am schnellsten umstellen, um mithalten zu können, was Kundennachfrage und Trends angeht. Der Einzelhandel scheint sich langsamer umzustellen und konservativer zu bestellen, um unverkaufte Lagerbestände zu vermeiden.

Bei den zwischen dem 8. und 22. August 2019 befragten 169 Modeherstellern handelt es sich zur Hälfte (54 Prozent) um Unternehmen mit unter 50 Millionen Euro Jahresumsatz; ein Fünftel (21 Prozent) setzt zwischen 51 Millionen und 100 Millionen Euro um, während 11 Prozent zwischen 101 Millionen bis 200 Millionen Euro erwirtschaften beziehungsweise 14 Prozent über 200 Millionen Euro. Bei den zwischen dem 2. und 9. September 2019 befragten 291 Bekleidungshändlern handelt es sich um Filialisten (40 Prozent); 24 Prozent führen Häuser mit einer Größe von mehr als 800 Quadratmetern und mehr als die Hälfte haben weniger als zehn Mitarbeiter.

Foto: BMZ / Agentur Tinkerbelle

 

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