Anthropologie will Europageschäft verdoppeln: nächste Station Hamburg

Die Boutiquen-Kette Anthropologie expandiert weiter in Europa. Nach Stores in Wien, Mailand und Düsseldorf, eröffnet das zum US-Bekleidungskonzern Urban Outfitters Inc gehörige Ladenkonzept seinen ersten niederländischen Store in Amsterdam. Im Telefon-Interview sprach Managing Director Peter Ruis über den Fokus der Marke auf Europa und die Rolle der Läden im digitalen Zeitalter.

Für die Leser, die mit Anthropologie noch nicht so vertraut sind – können Sie Anthropologie in 3 Sätzen beschreiben?

Peter Ruis: Für mich ist es der ultimative Varietéladen. Das Konzept erscheint beinahe altmodisch: Man geht nicht hinein, weil man etwas braucht; man geht rein, weil man sich inspirieren lassen will. Im modernen Einzelhandel geht es darum, eine Destination zu sein, weniger um den reinen Genuss. Du gehst zu Anthropologie, um eine Tasse zu kaufen und kommst mit einem Kleid raus.

Anthropologie eröffnet nun einen Laden in Amsterdam. Was sind die Erwartungen an den niederländischen Markt auf kurze Sicht?

Ich denke, unsere Erwartungen sind hoch, denn bei den Niederländern müssen wir die Marke nicht auf die gleiche Weise einführen. Alle sprechen Englisch, jeder versteht das Konzept. Aufgrund der Sprache besteht kulturell nicht so eine Distanz, wie für Deutsche oder Franzosen. Es ist etwas, das die Niederländer sofort verstehen werden.

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Bild: Anthropologie Laden in Düsseldorf

Ist der neue niederländische Laden anders als beispielsweise derjenige in Düsseldorf?

Alle unsere Filialen sind komplett verschieden, wir gestalten sie alle von Grund auf neu. Wir versuchen, die von uns verwendete Architektur anzupassen. So wird der Laden anders sein als alle unsere bisherigen Läden und auch viele lokale Elemente mit einbeziehen.

Das Düsseldorfer Geschäft ist eine große weiße Box, ein etwas moderneres Gebäude. Mit seiner Architektur wirkt das niederländische Geschäft in Amsterdam ein wenig mehr wie eine Boutique. Wir haben hier einen stärkeren Mix an Home-Artikeln, in Deutschland ist der Store stärker auf Mode ausgerichtet.

Wo in Europa wird Anthropologie seinen nächsten Store eröffnen?

Anthropologie wächst ziemlich schnell. Wir haben Läden in Barcelona, Düsseldorf, Paris und Amsterdam. Wir suchen eine Fläche in Madrid, aber wir haben dort noch nichts. Der nächste Laden, der in Europa nach Amsterdam eröffnet, ist in Hamburg.

Welches sind die nächsten größeren Schritte in der europäischen Expansion von Anthropologie?

Oft ist es nur eine Frage dessen, wo die richtige Immobilie auftaucht. Auf die größeren Märkte Deutschland und Frankreich haben wir einen stärkeren Fokus. In Deutschland streben wir nach natürlicher Expansion, wir haben nun Hamburg und schauen jetzt auf Berlin.

Wir haben Pläne in der gesamten EU und es geht nur um die Frage, ob ein Land vielleicht fünf bis sechs Geschäfte braucht um es abzudecken oder nur ein oder zwei. Bis man den ersten Laden aufmacht, ist das schwer zu verstehen. Es geht darum, den richtigen Deal und den richtigen Ort zu finden.

Wir sind früher als wir dachten nach Amsterdam gekommen, weil wir einfach das Gefühl hatten, dass die Lage an der Leidsestraat perfekt war. Es ist schwer, die richtige Kombination zu finden. In der heutigen Zeit mögen wir es nicht, zu sehr auf den ausgetretenen Pfaden zu sein. Wir wollen nicht neben all den günstigen Geschäften sein, also brauchen Sie eine wirklich belebte Straße, die ziemlich hochwertig ist. Ich denke, dass das eine seltene Kombination ist und ziemlich schwer zu finden.

Anthropologie will Europageschäft verdoppeln: nächste Station Hamburg

Gibt es international noch andere Pläne für Anthropologie?

Nun, wir werden weiterhin stark in Europa expandieren, wir hoffen, die Größe des Geschäfts hier innerhalb von drei Jahren zu verdoppeln. Im Moment streben wir auch digital nach Asien. Wir haben gerade Websites für Singapur, Hongkong und Südkorea übersetzt und gestartet. Also, wir expandieren langsam weltweit, aber international ist Europa unsere Priorität.

Wie konkurriert Anthropologie in einer immer stärker digitalen Einzelhandelswelt?

In einer zunehmend digitalisierten Welt hat Anthropologie etwas, das die Kunden begeistert, weil es das Gegenteil der hochdigitalen, hochautomatisierten Welt ist. Wir haben eine durchschnittliche Verweildauer von 40 Minuten, unsere Kundenaltersgruppen sind breit gefächert. 65 Prozent unserer Kunden sind jünger als 35 Jahre. In vielerlei Hinsicht binden wir die jüngeren Menschen wieder in den physischen Einzelhandel ein. 35 Prozent unserer Verkäufe finden online statt, es läuft also gut für uns.

Das heißt der erste Berührungspunkt mit der Marke Anthropologie kommt durch den stationären Laden zustande und dann kaufen die Kunden weiter online ein. Denken Sie, dass stationäre Läden weiter eine eigene Existenzberechtigung haben?

70 Prozent des Marktes findet weiterhin stationär statt. Es ist immer noch der Ort, an dem ein Kunde sein möchte. Ich denke, dass sich die DNA unserer Marke um diese wunderbaren Geschäfte dreht, die zum Erkunden einladen. Ich denke daher nicht, dass wir genauso betroffen sind wie andere von der digitalen Revolution.

Dieses redigierte Interview entstand mithilfe von Weixin Zha.

Bild: Anthropologie

 

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