Do-it-yourself-Marktplatz Dawanda schließt Ende August

Zusammen mit dem US-amerikanischen Konkurrenten Etsy Inc. zählt das Berliner Unternehmen Dawanda zu den Pionieren im Online-Handel mit selbstgefertigten Produkten. Nun steht die Plattform, die in Deutschland und Europa zu den führenden Anbietern in ihrem Segment zählt, nach knapp zwölf Jahren vor dem Aus. Am 30. August werde der Internet-Markplatz geschlossen, erklärte die Dawanda GmbH am Samstag in einer Mitteilung. Die „strategische Entscheidung“ sei von der Geschäftsführung und den Gesellschaftern gemeinsam getroffen worden, heißt es dort. Die Mitarbeiter seien „bereits über die Schließung der Firma informiert, die sich aus der Beendigung des Geschäftsbetriebes ergibt“. Sie sollen nun ein Abfindungspaket erhalten. Ein Großteil sei bereits freigestellt.

„Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, in Dawanda steckt viel Herzblut“, erklärte Geschäftsführerin Claudia Helming, die das Unternehmen zusammen mit Michael Pütz im Dezember 2006 gegründet hatte. „Gemeinsam mit unserer Community haben wir Do-it-yourself in den vergangenen zwölf Jahren in Europa salonfähig gemacht und handgemachte Produkte als neue Kategorie im E-Commerce etabliert. Auf diese Leistung können wir stolz sein!“, so Helming.

Tatsächlich hatte der Online-Marktplatz, auf dem Anbieter ihre selbst gemachten Waren anbieten können, im Geschäftsjahr 2017 seinen Umsatz um rund 21 Prozent auf 16,4 Millionen gesteigert und nach Umstrukturierungen und Stellenstreichungen den operativen Verlust deutlich reduziert. Im vierten Quartal habe das Unternehmen sogar erstmals „kostendeckend“ gearbeitet, teilte Dawanda im Februar mit.

Dawanda will den Anbietern den Umzug zu Etsy erleichtern

Für eine langfristige Zukunft reichten die Fortschritte aber offenbar nicht. Die Geschäftsführung habe sich „in den letzten Jahren zunehmend eingestehen“ müssen, „dass es uns alleine nicht gelingen wird, das Wachstum weiter voran zu treiben“, räumte Helming ein. „Darum müssen wir jetzt handeln – um unseren Verkäufern auch langfristig das Bestehen ihrer Unternehmen, ihre Einkommen und weiteres Wachstum zu sichern.“

Den betroffenen Anbietern legt Dawanda nun den Wechsel zu Etsy nahe. „Wir teilen eine gemeinsame Vision sowie gleiche Ziele und Werte“, erklärte Helming. So schlossen beide Marktplätze eine Vereinbarung, die den Händlern den Umzug erleichtern soll. „Gemeinsam wird aktuell ein Tool entwickelt, mit dem Dawanda-Verkäufer ihre Shops einfach, bequem und kostenfrei umziehen können – inklusive aller aktuellen Angebote und Shop-Bewertungen“, teilte Dawanda mit. Das Tool soll in den kommenden Tagen verfügbar sein.

Bei Etsy freut man sich bereits auf die Neuzugänge und ihre Kunden. „Wir heißen die leidenschaftliche Dawanda-Community auf unserem internationalen Marktplatz herzlich willkommen und freuen uns darauf, unseren deutschen und weltweiten Käufern noch mehr einzigartige Produkte aus Deutschland anbieten zu können“, erklärte Linda Findley Kozlowski, COO von Etsy, in einer Mitteilung.

Foto: Dawanda Facebook-Page
 

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