Mode- und Schuhhändler befürchten tausende Geschäftsschließungen

Der stationäre Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel in Deutschland verliert jede Woche Millionen Euro an Umsatz und während andere Branchen nach Ende des Lockdowns die verlorenen Umsätze oftmals wieder aufholen oder sogar von Corona profitieren konnten, bleibt der Mode-, Schuh- und Lederwarenhandel weiterhin deutlich unter den Vorjahreszahlen. Dies beklagen die Handelsverbände für Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE), die tausende Geschäftsschließungen befürchten. Sie fordern daher mehr Unterstützung für den stationären Handel in Deutschland.

„Im Juli und August sind die Umsatzverluste zwar geringer geworden, im Gesamtjahr 2020 wird die Branche aber sicherlich massive Verluste erleiden“, berichtet Rolf Pangels, Hauptgeschäftsführer des BTE Handelsverband Textil und bezieht sich damit auf die aktuell vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, laut denen der Umsatz des „stationären Einzelhandels mit Bekleidung“ im ersten Halbjahr um 30,5 Prozent fiel. Schuhhäuser und Lederwarengeschäfte verzeichneten ein Umsatzminus von 30,1 Prozent beziehungsweise 25,3 Prozent.

Tausende Geschäftsschließungen in Deutschland befürchtet

In vielen Fällen konnten die Kosten der Händler wie Mieten, Gehälter und Waren nicht oder nicht ausreichend angepasst werden - zahlreiche Unternehmen stehen daher in Deutschland auf der Kippe, da die durch die Corona-Pandemie entstandenen Kosten und Umsatzeinbußen das Eigenkapital und damit auch die Altersversorgung vieler mittelständischer Händler massiv angegriffen oder sogar aufgezehrt haben. „Wenn hier keine weiteren Hilfen oder Entlastungen kommen, rechnen wir in den nächsten Monaten mit tausenden Geschäftsschließungen“, prognostiziert Pangels.

Das Problem sehen die Handelsverbände vor allem in der Ungleichbehandlung von stationärem Fachhandel und Online-Verkäufern durch den Gesetzgeber, die zu „massiven Marktverschiebungen“ geführt habe: Während Mode-, Schuh- und Lederwarengeschäfte im März/April ihre Türen schließen mussten, durfte der Onlinehandel weiterhin Hemden, Taschen, Sneaker und ähnliches verkaufen.

Der Bereich Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren legte deshalb im ersten Halbjahr um 10,2 Prozent zu. „Die Schere zwischen stationärem und Online-Handel ist durch politische Entscheidungen weiter auseinander gegangen“, warnt Pangels.

BTE, BDSE und BLE fordern deshalb weitere konkrete Hilfen von Bund, Ländern und Gemeinden speziell für den innerstädtischen Handel, der vor allem von Mode-, Schuh- und Lederwarengeschäften geprägt ist. Sinnvolle Maßnahmen sehen die Handelsverbände in diesem Zusammenhang in der Stärkung der Innenstädte durch die Eindämmung des Flächenzuwachses außerhalb der Innenstädte, einer guten Erreichbarkeit auch mit dem PKW, Investitionen in die Aufenthaltsqualität in punkto Optik und Sicherheit, unbürokratischen Möglichkeiten zur Durchführung verkaufsoffener Sonntage sowie einer effizienten Vermarktung der Innenstädte.

„Wenn die Politik auch künftig noch lebenswerte Innenstädte mit einem attraktiven, steuerzahlenden und Arbeitsplätze schaffenden Einzelhandel wünscht, muss sie ihre Hilfen und Fördermittel deutlich steigern“, fordert Pangels.

Foto: Mehdi Taamallah/NurPhoto via AFP

 

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