100 Models fordern Victoria's Secret auf, gegen sexuelles Fehlverhalten vorzugehen

2019 scheint nicht das Jahr der US-amerikanischen Wäschemarke Victoria’s Secret zu werden: Erst will das Unternehmen seine alljährliche Laufstegshow nicht im Fernsehen übertragen, dann wird sie ganz abgesagt. Das erste transsexuelle Model wird eingestellt; der Marketingchef geht. Am Dienstag haben 100 Models - darunter Christy Turlington Burns, Erin O'Connor, Doutzen Kroes, Gemma Ward, Edie Campbell und Carolyn Murphy - einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie Victoria’s Secret auffordern, gegen sexuelles Fehlverhalten in den eigenen Reihen vorzugehen. Der Brief wurde auch von der Time’s Up-Organisation unterschrieben, die Anfang letzten Jahres im Zuge der #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung entstand.

„Wir schreiben Ihnen heute, um unsere Besorgnis über die Sicherheit und das Wohlbefinden der Models und jungen Frauen zum Ausdruck zu bringen, die danach streben, für Victoria's Secret zu modeln. In den letzten Wochen haben wir zahlreiche Vorwürfe wegen sexueller Gewalt, angeblicher Vergewaltigung und Sexhandel mit Models und angehenden Models gehört. Auch wenn diese Behauptungen nicht direkt gegen Victoria's Secret gerichtet waren, ist es klar, dass Ihr Unternehmen eine entscheidende Rolle bei der Behebung der Situation zu spielen hat“, heißt es in einem an Victoria’s Secret-Chef John Mehas adressierten und am Dienstag auf der Website der Model Alliance veröffentlichen Brief.

Er erwähnt auch spezielle Vorwürfe gegen Victoria’s Secret: „Von den Schlagzeilen über Leslie Wexners engen Freund und Partner Jeffrey Epstein bis hin zu den Behauptungen über sexuelles Fehlverhalten der Fotografen Timur Emek, David Bellemere und Greg Kadel ist es zutiefst beunruhigend, dass diese Männer ihre Arbeitsbeziehungen zu Victoria's Secret genutzt zu haben scheinen, um ungeschützte Mädchen anzulocken und zu missbrauchen.“

Models fordern Schutz vor sexueller Belästigung

Die Models fordern das Unternehmen auf, sich dem RESPECT-Programm der Model Alliance anzuschließen, einer Nonprofit-Organisation, die sich für die faire Behandlung, Chancengleichheit und nachhaltige Praktiken in der Modebranche einsetzt.

„Das RESPECT-Programm ist das einzige bestehende Programm zur Bekämpfung sexueller Belästigung, das von und für Models entwickelt wurde. Die unterzeichnenden Unternehmen verpflichten sich verbindlich, von ihren Mitarbeitern, Agenten, Verkäufern, Fotografen und anderen Auftragnehmern die Einhaltung eines Verhaltenskodexes zu verlangen, der die Sicherheit aller am Arbeitsplatz schützt und die Anfälligkeit der Models für Misshandlungen reduziert“, heißt es weiter in dem offenen Brief.

Zudem haben Models Zugang zu einem unabhängigen, vertraulichen Beschwerdemechanismus, der schnell und fair auf Beschwerden reagiert und angemessene Folgen für Missbraucher bestimmt. Teil von RESPECT ist auch ein Trainingsprogramm, das Models und andere in der Branche Arbeitenden über ihre Rechte und Pflichten aufklärt und zur Prävention von sexuellem Fehlverhalten beiträgt.

„Unternehmen neigen dazu, die Aufdeckung von Missbrauch als zu bewältigende PR-Krise zu behandeln und nicht als Menschenrechtsverletzung. Das RESPECT-Programm bietet Victoria's Secret die Möglichkeit, nicht nur die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, sondern auch auf Prävention hinzuarbeiten“, kommentierte Model Sara Ziff, Gründerin und Geschäftsführerin der Model Alliance.

„Zu oft sind Frauen in allen Branchen gezwungen, sich zu entscheiden, ob sie sich über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz äußern oder ihre Karriere vorantreiben wollen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir über Mechanismen wie das RESPECT-Programm der Model Alliance verfügen, um sicherzustellen, dass Arbeitnehmer Missbrauch sicher melden und vor Vergeltungsmaßnahmen geschützt sind“, sagte Rebecca Goldman, Interims-CEO von Time's Up.

„Wir sind immer um das Wohlergehen unserer Models besorgt und wollen weiterhin den Dialog mit der Model Alliance und anderen führen, um sinnvolle Fortschritte in der Branche zu erzielen“, äußerte sich ein Victoria’s Secrets Sprecher gegenüber Elle.com und Glamour.

Die im Brief erwähnten Fotografen bestreiten bislang jedwedes Fehlverhalten beziehungsweise Emek antwortete bis jetzt nicht auf eine Aufforderung zu kommentieren, so WWD. Eine mit der Situation vertraute Quelle gab jedoch an, Emek sei nie von Victoria’s Secret eingestellt worden, habe Modenschauen aber als freiberuflicher Fotograf besucht. Victoria’s Secret hat nach eigenen Nachforschungen die Zusammenarbeit mit Bellemere und Kadel eingestellt.

„Wir verstehen, dass es sich hierbei um Anschuldigungen handelt. Wir sagen nur, dass Victoria's Secret bei so vielen Anschuldigungen gegen mehrere Victoria's Secret-Fotografen und die New York Times, die über den offensichtlichen Zusammenhang zwischen L Brands' CEO und Jeffrey Epstein berichten, ein Problem hat“, sagte Ziff über das Dementi der Fotografen. Und wie das angeschlagene Wäschelabel mit diesem Problem umgehen wird, bleibt abzuwarten.

Foto: Jewel Samad / AFP

 

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