Unverkaufte Kleidung: Was tun mit Überschussbeständen?

In Frankreich sind seit mehr als einem Monat alle Läden abgesehen von Lebensmittelgeschäften geschlossen, um die Ausbreitung der Covid-19-Epidemie einzudämmen. Diese beispiellose Situation stellt Bekleidungsketten und -geschäfte vor neue Herausforderungen, darunter auch die der Lagerung unverkaufter Waren.

Das Problem der Lagerbestände verdeutlicht das bisherige Tempo der Produktion von Kollektionen, das besonders Fast-Fashion-Unternehmen hart trifft. Aber es betrifft auch die kleine Unternehmen. Nur diejenigen, die auf intersaisonale Produkte gesetzt haben, sollten, wie es scheint, besser damit zurechtkommen. Viele dieser Produkte werden später in der Saison, ab September 2021, verkauft werden können, so Xavier Aujard, Gründer von Prêt Pour Partir.

Laut Raffy Kassardjian, CEO der Parker Lane Group, ist die Frage der unverkauften Lagersbestände zu einer Priorität der Branche geworden: „Covid-19 hat gezeigt, dass die Sicherheit der Einzelhändler in Zukunft von einer soliden Notfallplanung für unverkaufte Bestände und der Sicherung alternativer Absatzwege jenseits der großen Märkte abhängen wird“, wie er in einer E-Mail an FashionUnited sagte. Die Parker Lane Group ist ein in Großbritannien ansässiges Unternehmen, das sich auf die Verwaltung von Retouren spezialisiert hat, mit den Marken Kiabi und Cache Cache arbeitet und Kunden bei der Verwaltung von Überschussbeständen unterstützt.

FashionUnited hat eine E-Mail an Julie Hutchinson, Sprecherin der Parker Lane Group, geschickt, um mehr darüber zu erfahren, welche Möglichkeiten Modeunternehmen zur Verfügung stehen. Laut Julie gibt es zwei wichtige Maßnahmen, die ergriffen werden müssen.

Neuen Strategie zur Verwaltung unverkaufter Bestände und eine Neubewertung der Lieferkette

Das Hauptziel ist es, den Wert der unverkauften Bestände zu maximieren, was neue Verhandlungen mit Lieferanten zur Umsetzung einer neuen Managementstrategie für unverkaufte Bestände einschließt. Während bisherige Verträge vorsehen, dass Einzelhändler ihre Kaufverpflichtungen einhalten müssen, benötigen sie heute mehr denn je einen "Just in Case"-Plan für die Bestandsverwaltung im Falle einer Schließung ihrer üblichen Verkaufskanäle.

„Traditionell wurden unverkaufte Lagerbestände absichtlich in die Einzelhandelsstrategie einbezogen, um sicherzustellen, dass die Kundennachfrage erfüllt werden kann. Sie machten in der Regel drei bis fünf Prozent des Umsatzes aus, aber sie sind jetzt zum Hauptproblem der Einzelhändler geworden", so Hutchinson.

Das Räumen der Lager und der Resale-Markt

„Im Vereinigten Königreich und in Europa ist es sicher, dass die Frühjahr/Sommer-Saison 2020 gelaufen ist“, sagt Julie Hutchinson. „Einzelhändler können Überbestände auf ihren Primärmärkten durch Verkäufe auf Sekundärmärkten, die von Covid-19 weniger betroffen sind, ausgleichen.“/p>

Laut Julie Hutchinson trägt dies dazu bei, die Betriebskosten einiger Einzelhändler zu verbessern und ermöglicht es ihnen auch, die Lagerbestände in den Ländern zu verteilen, in denen die SS20-Saison erst beginnt, während sie gleichzeitig ihr Markenimage in ihren Hauptmärkten schützen.

Um Unternehmen bei der Bewältigung des Problems der unverkauften Lagerbestände zu helfen, gibt es mehrere spezialisierte Organisationen. Da ist zum Beispiel die Captiva GmbH, ein Retourenhandelsunternehmen mit Sitz in Neuss, Deutschland, Optoro, ein amerikanisches Unternehmen, dessen Tätigkeitsfeld dem der Parker Lane Group ähnlich ist und das unter anderem daran arbeitet, unverkauften Waren dank des Kreislaufwirtschaftsmodells ein zweites Leben zu schenken. In Frankreich sammelt Eco-TLC, eine gemeinnützige Organisation, gebrauchte Stoffe mit dem Ziel, sie wieder in eine Kreislaufwirtschaft einzuspeisen.

Die nachhaltige Richtung, die die Modeindustrie seit mehreren Saisons eingeschlagen hat, ist daher ein Element, das bei der Verwaltung der unverkauften Artikel zum Tragen kommt. Das Gesetz zur Bekämpfung von Überproduktion und Kreislaufwirtschaft, einschließlich des Verbots der Vernichtung unverkaufter Non-Food-Artikel, wurde am 11. Februar 2020 im französischen Amtsblatt veröffentlicht und soll 2022 in Kraft treten. Es soll insbesondere Unternehmen ermutigen, den Lebenszyklus der auf den Markt gebrachten Produkte zu optimieren. Die aktuelle Herausforderung der Überschussbestände kann daher als ein Vorgeschmack und ein erzieherischer Schritt hin zu einem nachhaltigeren Modell gesehen werden..

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Photo : Inditex

 

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