Workinfashion: Tipps und Tricks für Video-Calls beim Bewerbungsgespräch

Vieles, was früher in Person geschah, findet jetzt digital statt. Das gilt auch für den Bewerbungsprozess in der Modebranche. Statt persönlich von Angesicht zu Angesicht, stehen sich Bewerber und Recruiter jetzt eher von Bildschirm zu Bildschirm gegenüber. Vieles was bei einem Bewerbungsgespräch zu beachten ist, gilt übrigens auch für andere wichtige Video-Gespräche.

Technik vorab testen

Zuerst ist es wichtig, herauszufinden mit welchem Video-Programm der Gesprächspartner arbeitet. Der Bewerber oder die Bewerberin sollte sich Zeit nehmen die Software einzurichten und am besten mit einem gewissen Vorlauf, sagt Nabila Staschel, Senior Executive Search Consultant bei der Mode-Personalberatung Deeken HR in Berlin. “Da kann man ein, zwei Tage vorher damit schon beginnen und einen Testanruf machen.” Beim Test sollten die Bewerber darauf achten, ob die Kamera und das Mikrofon funktionieren. Sie rät auch, sich nicht auf eingestellte Tests der Programme zu verlassen, sondern einen richtigen Testanruf zu machen. Wenn die Technik stehe, komme man auch weniger leicht in Unsicherheiten während des Gesprächs.

Tageslicht

Der zweite wichtige Punkt beim Videocall ist das Licht. Der Bewerber muss dafür sorgen, dass er oder sie im Video gut zu sehen ist und nicht im Dunkeln sitzt. “Da empfehlen wir immer so gut es geht, ein Tageslicht zu nutzen”, sagt Nabila Staschel. Das heißt den Laptop oder die Kamera so auszurichten, dass sie gegen das Tageslicht fällt. Also, dass man vom Tageslicht angescheint wird.” Wenn man mit dem Rücken zum Tageslicht sitzt, kann es schnell so aussehen, als ob man selbst einen “Heiligenschein” habe, außerdem kann es auch den Gesprächspartner blenden.

Der Hintergrund

”Wir sind jetzt ja alle in unseren privaten Gemächern und da ist die Frage, was wir alles preisgeben wollen”, sagt Staschel. “Es kann sein, dass der Schreibtisch im Schlafzimmer steht, aber dann würde man den Kleiderschrank sehen und vielleicht auch den Hundekorb daneben. Da kann man sich überlegen: Möchte ich das und wie seriös wirkt das?” Das bedeutet nicht, dass jeder eine strahlend weiße Wand hinter sich braucht oder sich ein Bürozimmer einrichten muss.

Wichtig sei es einen Hintergrund zu finden, der seriös wirkt und keine Unruhe reinbringt, rät Staschel. Zum Beispiel eignet sich ein Bücherschrank gut als Hintergrund, oder auch eine Fotowand. Mit dem Hintergrund sollte man sich wohl fühlen und man kann vorher testen, ob es seriös und ansprechend aussieht. “Da raten wir auch immer zu einer gewissen Authentizität”, sagt Staschel. “Wir brauchen uns jetzt kein Whiteboard aufstellen, wo wir Notizen draufschreiben. Es geht darum, zu sehen, ob ich mit dem Hintergrund den Einblick gebe, den ich geben möchte.”

Kleidung

“Am Ende sage ich den Kandidaten immer: Fühlt euch so, als ob ihr zu einem persönlichen Bewerbungsgespräch geht. Das gilt auch bei der Kleidung”, rät sie. Auch bei einem Videogespräch sollten die Bewerber alles anziehen, was sie bei einem Bewerbungsgespräch sonst auch tragen würden. Bedeutet das aber, das man jetzt mit einem Anzug zuhause vor dem Computer-Screen sitzen sollte? “Es kommt darauf an”, sagt Staschel. “In der Mode-, Konsumgüter oder Lifestyle-Branche sind klassische ‘Anzug-Gespräche’ - außer etwas mehr im Luxusbereich - gar nicht mehr so gängig. Es geht vielmehr um ein Modebewusstsein.”

Mit einem dreiteiligen Anzug vor einem Bücherschrank zu sitzen, sei wahrscheinlich nicht authentisch. “Es geht darum, sich wohlzufühlen. Jeder muss sich mit einem Kleidungsstil identifizieren”, erklärt sie. Männern rät sie bei etwas formellen Gesprächen zu einem Sakko mit einem schicken Rollkragenpullover, oder sogar nur zu einem gut sitzenden Rollkragenpullover. Frauen können eine Bluse anziehen und das Jacket weglassen. “Es ist für viele vielleicht ungewöhnlich in seinen eigenen Wänden ein Sakko zu tragen. Man kann es ausprobieren und wenn es nicht passt, auch ablegen.”

Es kommt auch auf die Position und den Sektor innerhalb der Modebranche an. Bei den meisten Video-Bewerbungsgesprächen, die Staschel seit der Ausbreitung des Coronavirus bisher selbst begleitet hat, wurde kein Anzug getragen und auch die Krawatte weggelassen, dafür eher ein Hemd, Sakko oder Rollkragenpullover von Männern getragen oder eine Bluse von Frauen. Wie auch sonst bei der Kleiderwahl beim Bewerbungsgespräch rät Staschel: “Um Sicherheit zu bekommen, sollten sich Bewerber fragen bei welchem Unternehmen sie sich bewerben. Was drücken sie aus, wie stehen sie am Markt, was ist ihre Mode? Wie sind deren Kollektionen und was kann ich davon authentisch repräsentieren?” Am Ende gehe es darum ein “New Normal” zu schaffen, die Werte des Unternehmens zu verkörpern, wie bei einem persönlichen Bewerbungsgespräch auch.

Technische Probleme

Alles stimmt, der Hintergrund, das Licht und das Outfit, aber dann macht einem doch die Technik trotz des vorigen Tests einen Strich durch die Rechnung. Sollten Kandidaten Probleme bei der Internetverbindung, oder mit dem Mikrofon sofort ansprechen? “Unbedingt”, sagt Staschel. “Wenn die Verbindung nicht funktioniert, nicht nervös werden. Das ist Technik, die funktioniert meistens nicht sofort. Direkt ansprechen und bitten das Video nochmal zu starten. Die Zeit wird da sein, denn die Situation ist ja für alle neu.” Schlimmer wäre es, wenn man technische Probleme nicht anspricht und die Qualität von Gespräch nicht führen kann, die man ohne schlechte Verbindung gehabt hätte, findet Staschel. “Lösungsorientiert und Kommunikation sind gerade aus meiner Sicht das A und O.”

Bild: Anna Shvets / Pexels

 

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