Mit einem jährlichen Wachstum von 7 Prozent und einem Exportvolumen für Bekleidung und Schuhen von 9 Milliarden US-Dollar (knapp 8 Milliarden Euro) hängt Kambodschas Schicksal stark von seiner Bekleidungsindustrie ab. Daher trifft den achtgrößten Bekleidungsexporteur der Welt die jüngste Entscheidung der Europäischen Union besonders stark, dem Land den präferenziellen Zugang zum europäischen Markt im Rahmen des „Everything but Arms“-Programms (EBA) teilweise zu entziehen. Durch den Ausbruch des Coronavirus (Covid-19) ist die Bekleidungs- und Textilindustrie des Landes zusätzlich bedroht, da die Lieferungen von Rohmaterialien aus China verzögert oder ganz gestrichen sind. Bis zu 160.000 Bekleidungsarbeiter und -arbeiterinnen könnten bis zum Ende des Monats mit der Schließung ihrer Fabriken rechnen müssen.

Bis Ende Februar hatten zehn Bekleidungsfabriken den Betrieb eingestellt; bis Ende März könnten es aufgrund des Rohmaterialmangels bis zu 200 Fabriken sein, schätzt Heng Sour, ein Sprecher des kambodschanischen Arbeitsministeriums, laut der Nikkei Asian Review. Er vermutet, dass dies im schlimmsten Fall 160.000 Bekleidungsarbeiterinnen und -arbeiter treffen könnte.

Leider sind die Maßnahmen begrenzt, die das Land ergreifen kann, zumindest kurzfristig, da Kambodscha mehr als 60 Prozent seiner Textilien aus China bezieht. Die Beschaffung der Rohstoffe aus einem anderen Land, wie zum Beispiel Indien, könnte laut Ken Loo, dem Generalsekretär des Verbands der Bekleidungsproduzenten Kambodschas (GMAC), nicht schnell genug erfolgen, um die Auswirkungen abzufangen.

Zusammen mit den 90.000 Beschäftigten, die schätzungsweise ab August von wieder eingeführten Zöllen für den EU-Markt betroffen sein könnten, könnten 250.000 Beschäftigte die Auswirkungen der beiden Maßnahmen spüren; dies wäre ein Viertel aller Textil- und Bekleidungsarbeiter Kambodschas von rund einer Million. Jetzt bleibt abzuwarten, wie das südostasiatische Land die Auswirkungen beider Entwicklungen abfangen kann.

 

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