IWF: EBA-Entscheidung der EU könnte Kambodschas Wachstum verlangsamen

Das Wirtschaftswachstum Kambodschas könnte sich 2020 verlangsamen, wenn die Europäische Union (EU) das Handelsprogramm Everything But Arms (EBA) zurückzieht, so der Internationale Währungsfonds (IWF) in einer Pressemitteilung der letzten Woche.

„Die wirtschaftlichen Aussichten Kambodschas sind mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet. Die laufende Überprüfung des EBA durch die EU, Kambodschas Hauptexportpartner, könnte im Laufe des nächsten Jahres zu einer Aussetzung des präferenziellen Handelszugangs führen, was große negative Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit haben könnte“, führte der IWF darin aus.

Derzeit profitiert Kambodscha von dem 2001 eingeführten „Everything but Arms“-Handelsabkommen (EBA), das 49 der ärmsten Länder der Welt im Rahmen des umfassenderen Allgemeinen Präferenzsystems (APS) der EU zollfreien Zugang zu EU-Märkten gewährt. Die EU hatte am 11. Februar letzten Jahres angekündigt, dass Kambodscha seinen Status wegen Verstößen gegen grundlegende EU-Standards verlieren könnte und einen 18-monatigen Prozess eingeleitet, der zur Wiedereinführung der Zölle im August 2020 führen könnte. Bemängelt wird etwa der harte politische Kurs von Premierminister Hun Sen, der das Land auf den Weg zum Einparteienstaat bringt, aber auch die weit verbreitete Korruption.

Dies hätte schwerwiegende Folgen für die Bekleidungsindustrie des Landes, Kambodschas größten Arbeitgeber mit 700.000 Beschäftigten und einem Exportvolumen von 7 Milliarden US-Dollar (3,36 Milliarden Euro) jährlich, von denen die Exporte in die EU im Jahr 2018 45 Prozent ausmachten. Diese Zahl schrumpfte bereits, nachdem die EU einen Prozess eingeleitet hat Laut Ken Loo, Generalsekretär des Verbands der Bekleidungsherstellers Kambodschas (GMAC), gingen die Exporte in die EU im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bereits um rund 600 Millionen US-Dollar (rund 545 Millionen Euro) zurück.

Der IWF erwartet, dass Kambodschas Wirtschaft im diesem Jahr um 6,8 Prozent wachsen wird, etwas weniger als 7 Prozent in Jahr 2019, angetrieben von einem anhaltenden Exportwachstum und einer starken Bautätigkeit. Sollte die Zollfreiheit für Bekleidung und Schuhe für den EU-Markt gestrichen werden, würde dies einen Anstieg der Zölle auf diese Produkte um 12 beziehungsweise 16 Prozent bedeuten.

Grund genug für viele europäische Auftraggeber, ihre Bekleidungs- und Schuhproduktion in ein anderes Land zu verlagern, etwa nach Thailand oder Vietnam. Am stärksten betroffen wären diejenigen am untersten Ende der Lieferkette: die Bekleidungsarbeiter, die meisten von ihnen Frauen. Rund 90.000 von ihnen (fast 13 Prozent) könnten ihren Arbeitsplatz verlieren und würden wahrscheinlich „in der Unterhaltungs- oder Dienstleistungsbranche, in Bars und Massagesalons landen und der sexuellen Ausbeutung ausgesetzt sein“, so Khun Tharo, Programmkoordinator des Center for Alliance of Human and Labor Rights. Arbeitnehmerrechtsgruppen fordern deshalb die EU auf, ihre Entscheidung mit all ihren Konsequenzen gut zu überdenken.

Foto: Bekleidungsarbeiterinnen in Kambodscha / ILO

 

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