Zara-Mutter Inditex meldet hohen Verlust im ersten Quartal

Der spanische Bekleidungshändler Industria de Diseño Textil SA (Inditex) ist im ersten Quartal 2020/21 tief in die Verlustzone gerutscht. Das geht aus vorläufigen Zahlen hervor, die der Mutterkonzern der Marken Zara, Pull & Bear, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius, Oysho und Üterque am Mittwoch veröffentlichte. Schuld waren nach Angaben des Unternehmens Umsatzeinbußen infolge der Corona-Krise sowie Einmalbelastungen im Zuge der „Optimierung“ des Filialnetzes.

In den Monaten Februar bis April belief sich der Konzernumsatz auf 3,30 Milliarden Euro. Damit lag er um 44,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresquartals. Das Unternehmen begründete den Rückgang mit der angeordneten Schließung zahlreicher Stores aufgrund der Schutzmaßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie. So waren Ende April lediglich 965 der weltweit rund 7.400 Filialen des Konzerns geöffnet. Für einen Lichtblick sorgte das eigene Online-Geschäft, dessen Quartalsumsatz um fünfzig Prozent stieg.

Die Folgen der Corona-Krise und Belastungen im Zuge des Konzernumbaus sorgen für einen Fehlbetrag von 409 Millionen Euro

Durch gezielte Sparmaßnahmen konnte Inditex die Betriebskosten im Berichtszeitraum um 21 Prozent sinken. Trotzdem schrumpfte das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) um 71,1 Prozent auf 484 Millionen Euro. Unter dem Strich standen tiefrote Zahlen: Der Nettoverlust nach Minderheitenanteilen belief sich auf 409 Millionen Euro, nachdem im ersten Quartal des Vorjahres noch ein Überschuss in Höhe von 734 Millionen Euro erzielt worden war. Zum hohen Fehlbetrag trugen Rückstellungen für geplante Ladenschließungen im Umfang von 308 Millionen Euro bei. Ohne diesen Sondereffekt hätte der Quartalsverlust bei 175 Millionen Euro gelegen, erklärte der Konzern.

Aufgrund der Lockerungen von Schutzmaßnahmen in zahlreichen Märkten konnte Inditex seit Anfang Mai zahlreiche Filialen wieder eröffnen. Am 8. Juni seien bereits 5.743 Stores in 79 Ländern wieder in Betrieb gewesen, erklärte der Konzern. Die Umsätze im Mai und in den ersten Juniwochen lagen jedoch weiterhin deutlich unter dem Vorjahresniveau. Nun hofft der Bekleidungshändler auf eine weitere Erholung: Bis Ende des Monats würden die Läden „in den meisten Schlüsselmärkten“ wieder geöffnet sein, erklärte das Unternehmen.

Inditex kündigt weitere Modernisierungsmaßnahmen an – bis zu 1.200 Filialen werden geschlossen

Zudem kündigte Inditex weitere Modernisierungsmaßnahmen an. So plant das Unternehmen, in den kommenden beiden Jahren insgesamt eine Milliarde Euro in digitale Innovationen zu investieren. Beispielsweise soll das übergreifende IT-System „Inditex Open Platform“, das die enge Verzahnung von stationärem und digitalem Geschäft ermöglicht, ausgebaut werden. Auch den eigenen E.-Commerce will der Konzern in diesem Zusammenhang weiter stärken: Ende 2020 soll sein Anteil am Gesamtumsatz auf über 25 Prozent gesteigert werden. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte er bei 14 Prozent gelegen.

Gleichzeitig plant das Unternehmen, den laufenden Umbau seines Filialnetzes fortzusetzen. Es setzt dabei weiterhin auf große, moderne Stores in Toplagen, die voll in das Digitalsystem integriert sind und hohe Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Vorgesehen sind neben der Erweiterung bestehender Filialen, die diesen Kriterien entsprechen, auch etwa 150 Neueröffnungen pro Jahr.

Im Gegenzug sollen zahlreiche ältere Filialen in den kommenden beiden Jahren geschlossen werden. Dabei handele es sich vor allem um „kleinere Einheiten“, die „am Ende ihres Lebenszyklus“ stünden, erläuterte Inditex. Betroffen sind demnach etwa 1.000 bis 1.200 Standorte. Rückstellungen in Höhe des Buchwertes dieser Läden verbuchte der Konzern im abgelaufenen Quartal. Die durch die Schließungen entfallenden Umsätze sollen durch Zuwächse in benachbarten Stores ausgeglichen werden.

Fotos: Inditex

 

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