Um den Trickle-Down-Effekt von Mode zu veranschaulichen, nehmen wir den Häkeltrend als Beispiel. Auf dem linken und mittleren Bild sehen Sie die Häkelmode von Anna Sui auf dem Laufsteg. Bild: Anna Sui SS22 via CatwalkPictures. Auf der rechten Seite sehen Sie gehäkelte Bademode von Calzedonia. Bild: Calzedonia Beachwear-Kampagne SS22 via UPR Belgien.
HINTERGRUND - Was genau ist eigentlich Mode? Und was beeinflusst sie? Welche Rolle spielen Modewochen? Wie entstehen Trends und wie finden sie ihren Weg in unsere Garderoben? FashionUnited erklärt die Dynamiken der Modewelt in diesem Artikel.
Ein Hype ist ein Phänomen in der Mode, bei dem eine Idee oder ein Produkt schnell Aufmerksamkeit erregt, aber auch ebenso schnell wieder verschwindet.
Ein Trend entwickelt sich, wenn ein Mode-Phänomen sich über mehrere Saisons hält, es verschiedene Versionen davon gibt und es in mehreren Preiskategorien existiert.
Manche Trends halten sich über Jahre hinweg und definieren so Mode. Trends werden erst dann zu Mode, wenn die Mehrheit der Leute den Trend aufgreift. Dabei ändert sich Mode ständig, denn es gibt fortwährend neue Trends, aus denen sich Mode-Erscheinungen ableiten.
Manchmal existiert ein Mode-Phänomen innerhalb einer spezifischen, gesellschaftlichen Gruppe, die man dann als Subkultur bezeichnet.
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Mode: Vom Laufsteg in den Kleiderschrank
Die Influencer:innen Linda Tol und Pernille Teisbaek trugen während der SS20-Modewochen verschiedene Bestseller-Items von Bottega Veneta – die gepolsterte Casette-Tasche aus der Herbstkollektion 2019 und die Lido-Sandalen mit Absatz aus der Pre-SS20-Kollektion. Bild: Bottega Veneta. Von diesen (und anderen) Bottega-Veneta inspirierte Accessoires werden auch 2022 noch in Mode sein.
Pantoletten mit Absatz von &Other Stories für 99 Euro und La Redoute für 64,99 Euro, inspiriert von den begehrten geflochtenen und gepolsterten Sandalen mit Absatz von Bottega Veneta (sieh oberes Foto). Die italienische Luxusmarke erreichte unter der Leitung des ehemaligen Kreativdirektors Daniel Lee einen wahren Kultstatus in der Modeszene. Bild: La Redoute SS22-Kollektion via MMBSY und &Other Stories SS22 Kapsel-Kollektion via UPR Agency.
2. Trends und die Annahme von Trends
Je nachdem wann Menschen und Labels Trends aufgreifen, können sie in vier Gruppen unterteilt werden.
Innovators: diejenigen, die dem Zeitgeist voraus sind
Trendsetters: diejenigen, die Trends aufgreifen und etablieren
Trend followers: diejenigen, die sich dem Trend anschließen, wenn er den Mainstream erreicht hat
Non-followers: diejenigen, die Modeerscheinungen nicht folgen
Die Theorie der Diffusion durch Innovation (DOI), eine der ältesten sozialwissenschaftlichen Theorien von E.M. Rogers aus dem Jahr 1962, berücksichtigt fünf Stufen der Akzeptanz, die die Verbreitung eines neuen Produkts oder einer Idee (oder einem Trend im Fall von Mode) erklären.
”Innovators”, diejenigen, die Produkte, Ideen oder Trends als Erstes ausprobieren wollen, machen 2,5 Prozent der Bevölkerung aus
An zweiter Stelle folgen die “Early Adopters” (auch Pioniere genannt), die circa 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen.
Darauf folgt die “Early Majority” (oder Wegbereiter), die 34 Prozent der Bevölkerung ausmachen.
Anschließend erreichen die Trends die “Late Majority” (auch als Nachläufer bezeichnet), die ebenso 34 Prozent der Bevölkerung ausmachen.
Schlussendlich folgen die “Laggards” (auf Deutsch Nachzügler), die circa 16 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Diese Stufe der Akzeptanz “zeigt an, dass der Trend eine Sättigung erreicht hat oder veraltet”, erläutert das Analyse-Unternehmen für den Einzelhandel Edited in einer Veröffentlichung vom Juni über den Trendzyklus.
Nicht alle Trends folgen dieser Abfolge von Akzeptanz und nicht alle Trends kommen bei der breiten Masse an (wie in Abschnitt 1 nachzulesen ist).
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Die französische Modeschöpferin Gabrielle “Coco” Chanel hatte großen Einfluss auf die Frauenmode. Zwei Hauptthemen, die Chanel in ihren Designs immer wieder aufgriff, waren das Kleine Schwarze und Zweiteiler aus Tweed. Insbesondere die Tweed-Jacken sind nach wie vor in Mode. Bei der Einzelhandelskette H&M tauchen Jacken und Blazer aus strukturiertem, gewebten Material beispielsweise in den FW22-Kollektionen auf. Bild: Victoria & Albert Museum.
3. Was (oder wer) beeinflusst Mode?
Nachdem Mode und Trends erklärt wurden, ist es wichtig zu wissen, was Mode beeinflusst.
Einfluss auf die Mode haben viele. Allen voran beeinflussen Modehäuser und Modeschöpfer die Mode (mehr dazu in den Abschnitten 4 und 5), aber auch Trendbeobachter:innen, Stoffmanufakturen, Mode-Fachzeitschriften und Einzelhändler, beziehungsweise deren Einkäufer:innen. Hinzu kommen Medien, Prominente, Menschen aus dem Umfeld der Konsument:innen und man selbst (in dem man darüber entscheidet, was man trägt).
Darüber hinaus wird die Mode indirekt durch gesellschaftliche Entwicklungen wie kulturelle Trends, Technologie, Politik und Gesetzgebung, das Wetter, die Umwelt, soziale Phänomene und Kunst beeinflusst.
4. Welche Rolle spielen Modewochen?
Das Konzept der Modewoche, wie wir sie kennen, mit einem vollen Programm, bei dem mehrere Designer:innen und Modehäuser ihre Kollektionen präsentieren, geht auf das Jahr 1943 zurück.
Während des Zweiten Weltkriegs erkannte die amerikanische Journalistin Eleanor Lambert, dass es für Designer:innen unmöglich war, europäische Trends in den Vereinigten Staaten zu etablieren. In diesem Problem sah Lambert eine Chance: Sie wollte einheimischen Talenten die Möglichkeit geben, ihre Arbeiten und Projekte auf einer Veranstaltung namens Press Week zu präsentieren. Die erste Ausgabe der Veranstaltung war ein großer Erfolg und wurde anschließend in jeder Saison in New York wiederholt. Die Stadt machte sich bald einen Namen als eine Modemetropole– und begann nur wenige Jahre später damit, ihre eigenen Modewochen zu veranstalten.
Die ursprüngliche Idee hinter der Press Week, war es, den Designer:innen die Möglichkeit zu geben, ihre Kollektionen Modejournalist:innen und potenziellen Kund:innen vorzustellen um Sichtbarkeit zu erlangen und ihre Designs zu verkaufen. Dasselbe Prinzip gilt noch für die heutigen Modewochen – bei den Veranstaltungen geht es letztlich darum, Geschäfte zu machen.
Modedesigner:innen und Labels veranstalten Modewochen, um Begeisterung und Begehrlichkeit für die Stücke zu schaffen, die in ihren Geschäften erhältlich sein werden. Viele Designer:innen zeigen bei ihren Laufsteg-Präsentationen extravagante Versionen ihrer Kleidung, die anschließend für den Verkauf im Einzelhandel oft vereinfacht werden.
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