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Farbenfroh und kuschelig: Sechs Trends der Pariser Männermodewoche

Von Ole Spötter

25. Jan. 2022

Mode

Rick Owens FW22 | Foto: Catwalkpictures

Der Herbst/Winter 22 in Paris wird nicht kalt und grau, zumindest wenn es um Herrenmode geht. Statt der üblichen erdigen, dunklen Farbpalette erstrahlen die Laufstege der französischen Hauptstadt in sommerlichen Tönen.

Von regenbogenartigen Farbverläufen über Materialmix bis zu bedruckten Anzügen mit bunten Motiven zeigen Brands wie Y/Project, Louis Vuitton und Kidsuper, dass der Winter auch anders kann. Große Schals und flauschige Mäntel sorgten für die nötige Wärme und Geborgenheit.

Anzüge als Leinwand

Als Teil der klassischen Herrenmode setzen Sakkos meist auf einen guten Schnitt, eine geeignete Materialauswahl und auch mal eine besondere Farbnote. Drucke und kunterbunte Muster zählen eher weniger zum Repertoire. Das scheint sich in dieser Saison geändert zu haben und so geben verschiedene Labels wie Louis Vuitton, Kidsuper und Gravalot dem Kleidungsttück einen neuen Anstrich.

Gravalot zeigt verschiedenfarbige, gestreifte Anzüge, aber auch ein blaues Modell mit goldenen Streifen und Leoparden. Die Raubkatzen tigern über das ganze Sakko und die passende Hose. Henrik Vibskov setzt bei einem Zweiteiler auf eine Kombination aus floralem Muster und Karos. Kidsuper nutzt die gesamte Fläche des Anzugs um eine Liebesszene zu platzieren, das im Original mit Wachsmalstiften gezeichnet wurde. Außerdem brachte das New Yorker Label einen Schachspieler auf einen braunen Cordanzug. Auch die letzte Louis-Vuitton-Kollektion des verstorbenen Designers Virgil Abloh setzte eine malerische Kulisse auf einem Anzug in Szene. Das Besondere dabei ist, dass das Kunstwerk nicht einfach auf den Anzug gedruckt wurde, sondern Teil des groben Gewebes ist.

FW22-Kollektionen (von links nach rechts): Louis Vuitton, Gravalot (via Catwalkpictures), Kidsuper (via Catwalkpictures)

Farbverläufe

Für noch mehr strahlende Effekte sorgen die bunten Farbverläufe, die sich bei Taakk durch die ganze Kollektion ziehen und für Jacken, Hosen und Hemden eingesetzt werden. Namesake zeigt einen langen Rock mit vielen Farbklecksen und Logos, die zusammen ein Gesamtkunstwerk ergeben.

Y/Project schickt seine Looks durch den Bodyscanner und bringt Oberkörper-Drucke auf Tops, Hemden und Kleider auf den Laufsteg. Diese erinnern an Kollektionen von Jean Paul Gaultier aus den 90ern. Passend dazu ist Y/Project-Designer Glenn Martens für die nächste Haute-Couture-Kollektion von Gaultier zuständig, die am Mittwoch in Paris gezeigt wird. Kidsuper setzt Farbverläufe für seidige Tops und Kleider ein. Études mischt Braun- und Orangetöne auf einem Strickpullover. Dazu gibt es die passende Mütze. Yohji Yamamoto spielte mit dunkleren Tönen, die an das Papier einer alten Schatzkarte erinnern.

FW22-Kollektionen (von links nach rechts): Taakk, Y/Project und Yohji Yamamoto | Fotos: Catwalkpictures

Patchwork

Auch Patchwork wurde vermehrt auf den Laufstegen gesichtet, darunter bei Acne, Jil Sander und Kolor.

Kenzo und Kidsuper bringen verschiedene Tartan-Muster in ihren Looks zusammen. Außerdem kombiniert der japanische Designer Nigo für seine erste Kenzo-Kollektion Streifen, Punkte und florale Prints. Jil Sander zeigt eine weiße Weste mit verschiedenen plüschigen und gestrickten Texturen. Acne Studios präsentiert gleich eine ganze Reihe an Patchwork-Looks, bei denen verschiedene Muster, Farben und Stoffe aufeinander prallen. Kolor nutzt neben dem Mix aus Materialien auch verschiedene Schichten und Längen, die ein collagenartiges, leicht chaotisches Bild ergeben. Auch Kidill spielt mit einer Mischung aus Stoffen und Texturen. Das Label setzt auf verschiedenen florale Muster, die mit Schleifchen, Netz und anderen Strukturen zusammengebracht werden. Auch Rick Owens, White Mountaineering und Louis Vuitton zeigen Looks mit Patchworks.

FW22-Kollektionen (von links nach rechts): Kenzo, Kolor und Kidill

Verformte Silhouetten

Silhouetten lassen sich auf vielen Wegen verändern. Ein besonderes Styling kann eine neue Form erzeugen, aber auch ein besonderes Objekt oder ein statisches Material. Yoshio Kubo und Loewe verformen ihre Looks mit runden Objekten, wodurch eine gewisse Dynamik entsteht.

Bei Yoshio Kubo kommen mehrere dünne Reifen mit Plisseefalten zum Einsatz, die um die Hüfte und den Hals gestylt werden. Loewe-Designer Jonathan Anderson verformt T-Shirts und kurze Hosen, als hätte er die Endpunkte bei Photoshop verzogen. GmbH setzt einen besonderen Fokus auf die Schultern. Der obere Brustbereich eines schwarzen Oberteils wirkt bei dem Berliner Label fast schon wie eine Skulptur, die aussieht als hätten die Designer das Schlüsselbein extrem herausgearbeitet.

FW22-Kollektionen (von links nach rechts): Yoshiokubo (via catwalkpictures), GmbH und Loewe (via catwalkpictures)

Schutz im Schal

Was bei der Mailänder Männermodewoche die hohen Rollkragen und Mützen mit Ohrenklappen waren, sind in Paris die großen Schals. Lukhanyo Mdingi zeigt eine bodenlange Patchwork-Version, Hed Mayner einen passenden Puffer-Schal zum Mantel und Études eine Ergänzung zum weißen Strick-Look. Außerdem präsentiert Rhude einen großen Fußballschal mit Logo und Bluemarble vereint Strickmütze mit Ohrenklappen und Schal in einem Accessoire

FW22-Kollektionen (von links nach rechts): Lukhanyo Mdingi, Bluemarble und Hed Mayner | Fotos: catwalkpictures

Pelzmäntel

Auch wenn Echtpelz immer weniger genutzt wird, scheint die Optik total im Trend zu liegen. Kein Style war häufiger auf dem Laufsteg der Pariser Herrenmodewoche zu sehen als die Pelzjacke in verschiedenen Fellen und Ausarbeitungen.

Egonlab und Ernest W. Baker zeigt klassische Mäntel in dunklen Tönen. Georges Wendell präsentiert eine kürzere Jacke mit Reverskragen. Sankuanz schickt einen knielangen Coat auf den Laufsteg und setzt Pelz-Elemente als Futter für Jacken in Schlangenleder-Optik ein. Auch GmbH, System und Rick Owens nutzen Elemente mit Felloptik für ihre Jacken.

FW22-Kollektionen (von links nach rechts): GmbH, Sankuanz, Egonlab (via catwalkpictures)