EBA-Entscheidung der EU: Dokumentarfilm beleuchtet Sorgen von Näherinnen in Kambodscha

Seit Bekanntgabe der Europäischen Kommission am 11. Februar dieses Jahres, Kambodscha möglicherweise den Handelsstatus "Everything but Arms" (Alles außer Waffen, EBA) zu entziehen, haben rund 800.000 Näherinnen und Näher in Kambodscha Existenzängste. In einem kurzen, dokumentarischen Film hat der gemeinnützige Think-Tank Mekong Future Initiative (MFI) jetzt Einblick in den Lebens- und Arbeitsalltag einer Näherin ermöglicht, sowie die Ängste über ihre Zukunft, über die im Europäischen Parlament entschieden wird.

Kambodscha darf - wie etliche andere Entwicklungsländer auch - derzeit über die EBA Regelung zur Wirtschaftsförderung zollfrei Waren in die EU einführen. Sie kann ausgesetzt werden, wenn Länder in grundlegenden Bereichen gegen EU-Standards verstoßen, wie in Kambodschas Fall etwa der politische Kurs von Ministerpräsident Hun Sen, der zunehmend härter wird und das Land auf den Weg zum Ein-Parteien-Staat bringt, aber auch die weit verbreitete Korruption.

Die Auswirkungen einer EBA-Aufhebung würden vor allem die einfache Bevölkerung treffen, da diese zu einem Großteil im Textilsektor tätig ist. Dass keine Zölle und Einfuhrkontingente anfallen, macht den Import von Textilien, Schuhen und Fahrrädern aus dem südostasiatischen Land besonders attraktiv für europäische Staaten - derzeit macht der Anteil der EU am Exportvolumen von 8,5 Milliarden US-Dollar (rund 7,2 Milliarden Euro) von Textilien und Schuhen 46 Prozent aus und ist damit der wichtigste Markt für Kambodscha.

Da eine Näherin mit ihrem Gehalt nicht nur bis zu vier Familienmitglieder unterhält, sondern auch zum Lebensunterhalt von Busfahrern, Lebensmittelhändlern, Lehrern und anderen Dienstleistern aus ihrem Umfeld beiträgt - wären also weit mehr als die 800.000 Textilarbeiter betroffen, nämlich Millionen von Menschen wie der Film darstellt.

„Kambodscha hat sich in den letzten 25 Jahren seit Ende des Bürgerkrieges schnell positiv entwickelt, auch mit Unterstützung der EU. Die Sorge der Wirtschaft und der Bevölkerung ist es nun, dass dieser Fortschritt durch einen EBA-Entzug zunichte gemacht wird“, heißt es in einer Pressemitteilung der Mekong Future Initiative vom Donnerstag. Ziel der NGO ist es, Handel, Investitionen und Unternehmertum zu fördern, um den Bürgern der Mekong-Region bessere Lebensstandards zu ermöglichen und Perspektiven zu bieten.

Das Video zeigt einen Ausschnitt des Lebens von Sek Hong, Näherin seit 1997. Sie hat vor sechs Monaten von dem möglichen Entzug des EBA-Statuses durch die EU gehört und macht sich seitdem Sorgen, dass dies die Schließung ihrer Bekleidungsfabrik bedeuten würde. Für sie persönlich, die mit einem Gehalt von 230-240 US-Dollar (206-215 Euro) pro Monat Schulden in Höhen von 150-160 US-Dollar (135-143 Euro) sowie Haushaltsführungskosten und Schulgeld und andere Ausgaben für ihren Sohn bestreitet, würde dies tiefe Einschneidungen, Knappheit am Nötigsten und weitere Schulden bedeuten, da sie sich Geld von Freunden für den täglichen Lebensunterhalt leihen müsste. Einen neuen Job zu finden wäre schwierig.

Angesichts der berechtigten Bedenken der EU hinsichtlich anhaltender Missachtungen von Menschen- und Arbeitnehmerrechten in Kambodscha und dem Entzug des EBA-Handelsstatus, der die Schwächsten der Lieferkette - die Näher und Näherinnen treffen würde - scheint guter Rat teuer. Auf jeden Fall sollte zunächst der Dialog mit Akteuren wie internationalen und lokalen Gewerkschaften, dem Verband der Bekleidungshersteller Kambodias (GMAC), Programme wie Better Factories Cambodia und anderen gesucht bevor drastische Maßnahmen getroffen werden.

Foto: Standbild aus dem Film

 

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