Gucci schwächelt, Adidas jubelt und Plünderungen erschüttern Europas Händler – was die Woche bewegte

Adidas erzielte im dritten Quartal mit 7,25 Milliarden Euro den höchsten Quartalsumsatz seiner Geschichte, während Gucci bei Kering auf vergleichbarer Basis um sechs Prozent einbrach. Hermès und Zegna wuchsen dagegen kräftig. In Frankreich und Italien zerstörten Ausschreitungen zahlreiche Geschäfte, allein in Mailand schätzt der Handelsverband Confcommercio den Schaden auf über 700.000 Euro. Auf den Laufstegen der Frühjahr/Sommer-Saison 2027 fiel der Abschied von Anthony Vaccarello bei Saint Laurent auf. Beim Hyères Festival gewann mit Yui Chen erstmals eine chinesische Designerin den Grand Prix.

Business

Der Luxuskonzern Kering erzielte im dritten Quartal 3,35 Milliarden Euro Umsatz, auf vergleichbarer Basis ein Minus von einem Prozent. Gucci sank auf 1,29 Milliarden Euro, getragen wurde der Konzern von Schmuck mit einem Plus von zwölf Prozent und von Brillen mit sechs Prozent. Kering schloss bis Ende September 128 Geschäfte und eröffnete 23 neue. Hermès steigerte den Quartalsumsatz dagegen um 5,5 Prozent auf knapp 4,1 Milliarden Euro, vor allem dank Lederwaren mit einem Plus von 12,4 Prozent. Ready-to-wear und Accessoires verloren 1,4 Prozent, belastet durch die Nachfrage in Festlandchina.

Die Prada Group setzte in den ersten neun Monaten 4,54 Milliarden Euro um, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Organisch, also ohne Versace, das 441 Millionen Euro beisteuerte, wuchs der Umsatz nur um vier Prozent. Die Moncler Group kam auf 1,90 Milliarden Euro, ein Plus von drei Prozent. Im dritten Quartal stagnierte sie währungsbereinigt, weil der eigene Einzelhandel der Hauptmarke an Tempo verlor. Die Ermenegildo Zegna Group steigerte den Quartalsumsatz um 8,9 Prozent auf 433,8 Millionen Euro. Die Hauptmarke Zegna wuchs um 13,8 Prozent, Thom Browne verlor 5,9 Prozent.

Der spanische Konzern Puig steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 7,2 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro, das stärkste Wachstum seit Anfang 2025. Make-up legte vergleichbar um 16,1 Prozent zu, die Hautpflege schrumpfte zum zweiten Mal in Folge. True Religion erwartet in diesem Jahr 550 Millionen US-Dollar Umsatz nach 470 Millionen US-Dollar im Vorjahr und will binnen fünf Jahren eine Milliarde US-Dollar erreichen. Sportswear und Accessoires machen inzwischen mehr als die Hälfte des Sortiments aus. Geschäftsführer Michael Buckley bezeichnet die Marke nicht mehr als Denim-Label.

Im Sportbereich hob Adidas die Prognose für das Betriebsergebnis 2026 von 2,3 auf 2,5 Milliarden Euro an. Der Quartalsumsatz stieg um neun Prozent auf 7,25 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um 37 Prozent auf rund eine Milliarde Euro, unterstützt durch rund 200 Millionen Euro erstattete US-Zölle. Björn Borg meldete Rekordwerte bei Umsatz und Betriebsgewinn: Der Nettoumsatz wuchs um 2,8 Prozent auf 27,70 Millionen Euro. Geschäftsführer Henrik Bunge tritt nach zwölf Jahren bis Ende März 2027 zurück. Die Sport 2000 Group International bündelt ihr gesamtes Retail-Portfolio auf einer neuen B2B-Website. Die Gruppe zählt rund 3.000 Geschäfte in 17 Ländern.

Mode

Die Schauen für Frühjahr/Sommer 2027 zeigten eine Phase der Konsolidierung: Jonathan Anderson nahm bei Dior den strengen Codes die Härte, Demna Gvasalia fand bei Gucci seine eigene Sprache, und Celine galt vielen als stärkste Show. Der wirtschaftliche Druck bleibt jedoch hoch. Anthony Vaccarello verlässt Saint Laurent nach einem Jahrzehnt, Seán McGirr geht bei McQueen, und Veronica Leoni scheidet bei Calvin Klein Collection aus.

Beim Hyères Festival gewann Yui Chen als erste chinesische Designerin den Grand Prix. Die Absolventin der Parsons Paris zeigte die Unisex-Kollektion „Food Cover“, die auf Studien zu architektonischen Volumen, Transparenzen und Pastellfarben beruht. Fünf Finalisten arbeiteten außerdem mit Leinen der Alliance for European Flax-Linen & Hemp. Brais Albor Rodriguez erhielt den Publikumspreis, Dieter Vlasich Obermann den Prix Métiers d’Art für seine Experimente mit Leinen, Erde und Chiasamen.

Die Taipei Fashion Week zählte über 29.000 Besucherinnen und Besucher, 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Taiwanische Designer suchen den Weg in den internationalen Handel, weil die Textil- und Bekleidungsexporte 2025 um 7,6 Prozent auf 6,22 Milliarden US-Dollar sanken. Die internationalen Einkäufer zeigten sich zurückhaltend.

Auf der Trendseite nennt Future Snoops für Herbst/Winter 2028/29 knallige Blockfarben, Pink als neuen Neutralton und Braun als Farbe der Entschleunigung. Die Brautmode für Herbst/Winter 2027 setzt auf Buttergelb und Puderrosa als Alternativen zu Weiß, dazu auf betonte Hüften und skulpturale Spitze.

Zwei Kollaborationen kamen in den Handel. Crocs und Kiko Kostadinov bringen zwei Varianten des Modells Vaals für 200 Euro heraus. Das Münchner Label MCM präsentiert gemeinsam mit Adidas und dem FC Bayern eine Kapselkollektion aus Reisegepäck, Bekleidung und Schuhen.

Die Designerin Anna Teurnell startet das schwedische Label Teurn nach der Insolvenz neu. Die Kollektion ist kleiner, der eigene Onlineshop soll Mitte November starten, der Großhandel folgt im Januar und Februar in Paris.

Personalien

Bei Puma wird Dennis Tao nach dem Einstieg von Anta Sports Vorsitzender des Aufsichtsrats. Zudem wird Arne Arens neuer Chief Commercial Officer des Unternehmens. Skechers macht den früheren Snipes-Geschäftsführer Dennis Schröder zum Verantwortlichen für die Region Europa, Naher Osten und Afrika.

Zalando ernennt Tom Christenson zum Leiter des B2B-Geschäfts. ASOS holt den KI-Experten Nick Goodchild von Tommy Hilfiger.

Calvin Klein ernennt Ayub Mohamed zum neuen globalen Produktchef. Lululemon beruft die frühere Produktchefin Tara Poseley in den Vorstand. Bei der dänischen Radsportmarke Pas Normal Studios übernimmt Sune Nicolajsen die Leitung des Großhandels für Europa, den Nahen Osten, Afrika und Amerika. Der interne Aufsteiger ist seit 2017 im Unternehmen und verantwortete bislang den Großhandel in Asien-Pazifik und Amerika.

Chanel-Manager Bruno Pavlovsky wird Co-Vorsitzender von The Fashion Pact.

Einzelhandel

Nach den Ausschreitungen in Frankreich zählt FNH-Präsident Pierre Talamon rund 1.500 beschädigte Unternehmen und rät unabhängigen Händlern, Ware zu schützen und Geschäfte vorerst zu schließen. Allein auf 800 Metern in Paris zählte er etwa 30 verwüstete Läden. In Mailand beziffert Confcommercio die Schäden auf über 700.000 Euro. Betroffen waren unter anderem Nike, Footlocker, Levi’s, Under Armour und Rinascente. Der Modehändler Apropos ruft den Handel zu einer Kampagne gegen Gewalt in Innenstädten auf. Anlass sind auch Protestkundgebungen, zu denen für den 31. Oktober in deutschen Städten aufgerufen wird.

Massimo Dutti kehrt sieben Jahre nach der Schließung an der Fifth Avenue mit einem Flagship-Store im New Yorker SoHo zurück und zeigt dort eine Ausstellung über Patti Smith. Es ist das zweite Geschäft der Marke in den USA. Schiaparelli eröffnet im Kaufhaus Hankyu Osaka eine Boutique mit thematischen Salons für Ready-to-wear, Lederwaren und Schmuck. Das Schuhlabel Copenhagen Studios eröffnet seinen ersten niederländischen Store auf rund 85 Quadratmetern in Amsterdam.

Der Bestand an stationären Geschäften in Deutschland sinkt nach Prognose des Handelsverbands Deutschland 2026 erstmals seit der Wiedervereinigung unter 300.000. Felix Börner von der Agentur Derse Germany plädiert in einem Gastbeitrag dafür, dass Marken mit Erlebnissen neue Besuchsanlässe schaffen. Als Beispiel nennt er den Stadthof Hanau, der in einem leerstehenden Kaufhof-Gebäude 21 Stores mit Begegnungsflächen verbindet und beim BrandEx Award 2026 Gold gewann.

Dieser Artikel entstand mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI)


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