Pitti Uomo, Lieferketterisiken und Unternehmensdramen – was die Woche bewegte
Diese Woche stand ganz im Zeichen der Pitti Uomo 110 in Florenz, wo über 730 Marken ihre Frühjahr/Sommer-2027-Kollektionen präsentierten. Parallel sorgte das Münchner Modehaus Ludwig Beck mit dem angekündigten Börsenrückzug nach der Übernahme durch Alfons Doblinger für Aufsehen. Im Handel eskalierte der Tarifstreit weiter: Verdi rief erneut bundesweit zu Warnstreiks auf, während Sparzwang und Rabattflut den Druck auf die Branche erhöhten. Das französische Label Coperni wurde unter Zwangsverwaltung gestellt, und die Frasers Group weitete ihre Übernahmeaktivitäten auf Australien aus.
Business
Der Tarifkonflikt im deutschen Handel spitzt sich zu. Die Gewerkschaft Verdi rief in dieser Woche erneut zu Warnstreiks auf – bundesweit im Einzel- sowie im Groß- und Außenhandel. Bereits in Stuttgart hatten Beschäftigte zuvor mit einem Protest für sieben Prozent mehr Lohn demonstriert; die Arbeitgeber bieten bislang gestaffelte Erhöhungen von zwei und 1,5 Prozent über zwei Jahre an.
Der Streikdruck trifft eine Branche, die ohnehin unter Konsumzurückhaltung leidet. Laut aktuellen Daten wird bei Kleidung und Gastronomie am meisten gespart, was Händler zu einer ausgeprägten Rabattflut veranlasst, deren Folgen für Margen und Markenwahrnehmung zunehmend diskutiert werden.
Gleich zwei Unternehmensdramen dominierten die Branchennachrichten. Das Pariser Label Coperni wurde vom Pariser Handelsgericht unter Zwangsverwaltung gestellt; Hintergrund sind nicht beglichene Zahlungen des Mehrheitsgesellschafters Tomorrow Ltd., der im März von der italienischen Gesellschaft Progetto 11 übernommen worden war. Bei Ludwig Beck folgte nach der Übernahme durch Immobilienunternehmer Alfons Doblinger die nächste Konsequenz: Das Modehaus plant den Rückzug aus dem Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse und hat eine entsprechende Delisting-Vereinbarung mit der Bayerischen Gewerbebau AG geschlossen.
Die britische Frasers Group intensiviert derweil ihre Expansionsstrategie: Nach dem Übernahmeangebot für Hugo Boss startete das Unternehmen um Mike Ashley ein Barangebot für die australische Accent Group, die als wichtige Retail- und Distributionsplattform im asiatisch-pazifischen Raum gilt. Das Angebot zu 0,65 australischen Dollar je Aktie läuft vom 30. Juni bis zum 30. Juli.
Zwei Themen beschäftigen die Branche auch mit Blick auf Lieferketten. Gespräche zwischen den USA und dem Iran verzögern sich, und die Modebranche beobachtet die Schifffahrt in der Straße von Hormus aufmerksam. Gleichzeitig rückt Hitzestress als reales Lieferkettenrisiko in den Fokus – ein Faktor, den die Modebranche bislang zu wenig in ihrer Risikobewertung berücksichtigt hat.
Der Streetwear- und Urban-Fashion-Händler Defshop meldet nach dem abgeschlossenen Insolvenzverfahren eine positive Geschäftsentwicklung. Die s.Oliver Group treibt ihre Retail-Expansion mit einem neuen Joint Venture mit PTH voran. Tennis Point verlängert seine Partnerschaft mit dem Internationalen Tennisverband ITF. Im E-Commerce warnen Experten vor einer wachsenden Welle von Fake-Shops, die tausende Kunden schädigen. Ein Reportage-Beitrag beleuchtet, wie drei britische Marken den wachsenden Farm-to-Fashion-Trend anführen – von der Baumwollproduktion auf dem Feld direkt in den Kleiderschrank. Auch das Anti-Fast-Fashion-Gesetz rückte erneut in die Diskussion: Ein Kommentar fragt, ob Europa endlich bereit ist, seine regulatorischen Interessen gegenüber Anbietern wie Shein durchzusetzen.
Mode
Die Pitti Uomo 110 in Florenz prägte die modischen Impulse der Woche. Auf der Messe stellte Seidensticker seine neue Premium-Hemdenkollektion unter dem Namen „1919" vor – eine Referenz an das Gründungsjahr der Marke. Abseits der Messestände lieferte der Streetstyle der Pitti Uomo ein Bild der aktuellen Menswear im Praxistest bei sommerlichen Temperaturen.
Eine besondere Perspektive auf Männlichkeit brachte Simone Rocha mit ihrer Kollektion ein: Zwischen Anzug und Schürze hinterfragte die Designerin klassische Vorstellungen von Männlichkeit und schuf damit einen der meistdiskutierten Aufsätze der Woche.
Personalien
Simone Heift, zuletzt Chief Merchandising Officer der KaDeWe Group, wechselt zu Peek & Cloppenburg. Ab dem 1. September verantwortet sie als Geschäftsführerin für Einkauf und Merchandising die entsprechenden Bereiche beider P&C-Gesellschaften in Düsseldorf und Wien und wird zugleich Mitglied des Verwaltungsrats der JC New Retail AG. Beim selben Unternehmen scheidet Tewe Maas als Brand Director aus – eine Stelle, die nach 17 Jahren intern neu besetzt werden muss.
Primark hat Keiron Birch zum Director of Womenswear Design ernannt; er bringt Erfahrung von Calvin Klein und Tommy Hilfiger mit. Bei Nike tritt John Rogers Jr. vom Aufsichtsratsgremium zurück und übernimmt künftig eine Rolle als strategischer Berater. Im Zuge der Übernahme durch Alfons Doblinger trat Bruno Salzer mit sofortiger Wirkung als Aufsichtsratsvorsitzender von Ludwig Beck zurück; sein Mandat als Aufsichtsratsmitglied endet zum 30. September.
Einzelhandel
Die Otto Group setzt künftig auf Künstliche Intelligenz von Google – von der Produktentwicklung bis hin zum Kundinnen- und Kundenservice. Die Zusammenarbeit soll die Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette beschleunigen. Konzerntochter Bonprix baut gleichzeitig ihr Plattformgeschäft außerhalb der Otto Group aus und weitet die Kooperation mit About You aus.
Mehrere Händler verkündeten Expansionsschritte. Das Modehaus Wöhrl eröffnet im Herbst seine erste Filiale in Chemnitz. Walbusch expandiert nach Wildau bei Berlin. Fabletics feiert im Berliner KaDeWe die Eröffnung seines bislang größten Stores in Europa mit rund 160 Quadratmetern Verkaufsfläche auf der vierten Etage. Die schwedischen Labels Filippa K und Oscar Jacobson eröffnen gemeinsam einen Duo-Store. Sport 2000 bringt ein neues Store-Format nach Münster, und Eyes + More erklärt, warum sein Metropolitan Store in Köln als Blaupause für die weitere Expansion gilt. Braun Hamburg lancierte zudem einen neu gestalteten Onlineshop.
Messen
Die Pitti Uomo 110 in Florenz zog mit über 730 Marken ins 110. Kapitel der wichtigsten Menswear-Messe. Der Tenor des Auftakts: laute Bässe, leise Kollektionen – eine Branche, die sich sicherere Wege sucht, während das Thema Pool als saisonales Leitmotiv den Ton angab. Den Startschuss gab ein energetischer Messeauftakt, der trotz eines Umsatzrückgangs der italienischen Menswear von 2,2 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro im Jahr 2025 eine zuversichtliche Stimmung zeigte. Mustang nutzte den zweiten Pitti-Auftritt, um erste Messekontakte in konkrete Partnerschaften zu überführen und die internationale Expansion der Denim-Marke voranzutreiben.
Dieser Beitrag wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz verfasst.
ODER ANMELDEN MIT