Vernichtungsverbot, Luxuswachstum und Personalkarussell – was die Woche bewegte

Die Luxusbranche meldete in dieser Woche überraschend starke Zahlen: Richemont übertraf die Erwartungen deutlich, und auch bei Burberry deutet vieles auf eine Trendwende hin. Zugleich tritt am 19. Juli das Vernichtungsverbot für unverkaufte Neuware in Kraft – die Reaktionen aus der Branche fallen gespalten aus. Im Personalkarussell drehte sich diese Woche einiges: Olivier Rousteing übernimmt die Kreativdirektion von Rabanne, und Kering fand einen neuen Geschäftsführer für Bottega Veneta. Im deutschen Einzelhandel sorgt derweil nicht nur die Stimmungslage für Diskussionen – auch die Dauerdebatte um Sonntagsöffnungen bekommt neuen Schwung.

Business

Gute Nachrichten kamen aus dem Luxussegment: Richemont steigerte den Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 um 17 Prozent auf 6,33 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analyst:innen deutlich – getragen vom Schmuckgeschäft mit Cartier und Van Cleef & Arpels, das um 21 Prozent zulegte. Auch Burberry setzte seine Trendwende fort. Der Einzelhandelsumsatz stieg im ersten Quartal um fünf Prozent auf 455 Millionen Britische Pfund (534 Millionen Euro), erstmals seit drei Jahren wuchsen alle Produktkategorien. Die Frasers Group, die derzeit mit ihrem Übernahmeangebot für Hugo Boss für Schlagzeilen sorgt, steigerte ihren Jahresumsatz dank kräftigen Wachstums im Ausland um 8,7 Prozent auf rund 5,3 Milliarden Britische Pfund (6,3 Milliarden Euro).

Regulatorisch beginnt für die Branche eine neue Ära: Ab dem 19. Juli dürfen große Unternehmen unverkaufte Textilien, Schuhe und Retouren nicht mehr ohne vorherige Prüfung vernichten. Das Vernichtungsverbot gilt für Unternehmen ab 250 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Der Gesamtverband textil+mode kritisiert das Gesetz als praxisfern und bürokratisch, während Umweltschutzorganisationen das Inkrafttreten begrüßen.

Wenig erfreulich sind die Signale von der Konsumseite: Laut einer Untersuchung von Innofact im Auftrag des Modeverbands GermanFashion informieren sich inzwischen 40 Prozent der Deutschen nicht aktiv über Mode – 2022 waren es noch 29 Prozent. Auch Nachhaltigkeit spielt beim Kauf eine geringere Rolle. Angespannt bleibt zudem die Lage in der Tarifrunde des Einzelhandels. Die Arbeitgeber:innenseite legte die Verhandlungen in Bayern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Berlin-Brandenburg vorerst auf Eis. Verdi fordert Lohnerhöhungen von sieben Prozent, die Arbeitgebenden hatten zuletzt 3,5 Prozent bei zwei Jahren Laufzeit angeboten.

Frisches Kapital gab es für das niederländische Herrenmode-Label Mr Marvis. Neben den bestehenden Anteilseigner:innen beteiligen sich unter anderem Emanuel Chirico, der frühere Chef des PVH-Konzerns, und der ehemalige Tommy-Hilfiger-Geschäftsführer Martijn Hagman. In Sachen Markensichtbarkeit setzte sich Adidas an die Spitze: Mit einem Media Impact Value von 1,9 Milliarden US-Dollar überholte die Marke im ersten Halbjahr den Rivalen Nike (1,7 Milliarden US-Dollar) – vor allem dank Lionel Messi, der bei seiner voraussichtlich letzten Weltmeisterschaft die wertvollsten Platzierungen lieferte.

Einen ungewöhnlichen Aufstieg vollziehen derzeit Barfußschuhe. Einst als Öko- oder Gesundheitsschuh belächelt, greifen inzwischen Häuser von Chanel über Louis Vuitton bis Tamaris den Trend auf. Der Markt zählt mittlerweile mehr als 150 Anbieter, und mit der Barefoot European Shoe Fair in Offenbach hat das Segment bereits eine eigene Fachmesse.

Mode

H&M kündigte seine Rückkehr auf die London Fashion Week im September an und will gemeinsam mit dem Starfotografen Nick Knight und dessen Plattform ShowStudio das Erlebnis einer Modenschau neu definieren. Knight arbeitete in seiner Karriere unter anderem mit Yohji Yamamoto, John Galliano und Alexander McQueen zusammen.

Bei den Trends rückt die Handtasche in den Fokus der Herrenmode: Von Erling Haalands Hermès-Auftritten bei der Weltmeisterschaft bis zur Bottega-Veneta-Sammlung des Schauspielers Jacob Elordi zeigen die Daten der Saison SS27, dass Männertaschen derzeit jede andere Kategorie übertreffen. Für die Resort-Kollektionen 2027 setzen Designer:innen angesichts des unsicheren Klimas auf Investment-Pieces: Bouclé-Kostüme im Chanel-Stil, verspielte Strickmuster für nostalgische „Kidults" und vielseitige Karos prägen die Stoff- und Mustertrends.

Bei den Kollaborationen sticht Ottolinger hervor: Die Berliner Marke interpretiert für eine Kapselkollektion das Archiv des spanischen Unternehmens Desigual neu – eine Zusammenarbeit, die an die Anfänge der Gründerinnen anknüpft, die einst Desigual-Vintage-Stücke zerlegten und neu gestalteten. Ganz andere Wege geht Aldi: Der Discounter bringt ab dem 18. Juli mit „Aldi Studio" seine erste Capsule-Kollektion in Frankreich auf den Markt – zehn Sommerartikel zu Preisen zwischen 1,99 und 5,99 Euro. Sportlich wird es bei Lscn by Lascana: Die junge Untermarke der zur Otto Group gehörenden Wäschemarke lanciert ihre erste Pilates-Kollektion, die sich gestalterisch am klassischen Ballett-Look orientiert.

Rückenwind für den Modestandort Berlin kam aus Japan: Im Interview erklärte Shuhei Iwasa, Einkäufer des traditionsreichen Premium-Kaufhauses Takashimaya, warum die Berlin Fashion Week mit ihrem Fokus auf Nachhaltigkeit für ihn eine einzigartige Identität besitzt und welches Potenzial er in Berliner Labels für den japanischen Markt sieht.

Personalien

Der meistbeachtete Wechsel der Woche: Rabanne ernannte Olivier Rousteing zum neuen Kreativdirektor. Der 40-Jährige, der Balmain nach 14 Jahren verlassen hatte, tritt bei dem zum Puig-Konzern gehörenden Modehaus die Nachfolge von Julien Dossena an; seine erste Show ist für März 2027 geplant. Auch Joop! besetzte einen Kreativposten neu. Dennis Kwasny, zuletzt in führender Rolle für Boss Womenswear tätig, übernimmt am 1. September die kreative Leitung der Damenmode.

Auf den Chefsesseln der Luxusbranche gab es ebenfalls Bewegung: Kering ernannte Romain Spitzer zum Geschäftsführer von Bottega Veneta. Der Manager kommt vom Konkurrenten LVMH und tritt am 1. September die Nachfolge von Bartolomeo Rongone an. Ebenfalls zum 1. September übernimmt der frühere Gucci- und Valentino-Manager Alessio Vannetti die Führung von La Perla Atelier – die Personalie ist Teil der Relaunch-Strategie unter den neuen Eigentümer:innen Kristen und Peter Kern.

Gleich mehrere Konzerne besetzten zentrale Funktionsposten neu: PVH holte Alexis Rollier, zuletzt bei der LVMH-Tochter Sephora tätig, als neuen Finanzchef. Puma ernannte die frühere Nike-Managerin Marcia Dos Santos zur Leiterin des neu geschaffenen Core-Bereichs, und der Outdoor-Schuhanbieter Lowa komplettierte mit Giuseppe De Biasi als General Manager Operations seine runderneuerte dreiköpfige Geschäftsführung.

Im deutschen Handel und Mittelstand standen zwei Namen im Fokus: Breuninger ernannte Simon Jäger zum Buying Director für die Bereiche Sport, Schuhe, Lederwaren und Accessoires. Beim Wäschespezialisten Hanro endet eine Ära. Benjamin Isenheim, zuvor mehr als 18 Jahre bei der S.Oliver Group, folgt auf Stephan Hohmann, der das Unternehmen nach über zwei Jahrzehnten in den Ruhestand verlässt.

Sehr persönlich wurde es im Gespräch mit Kilian Kerner: Der Designer sprach über seine gesundheitliche Krise zu Jahresbeginn, neue Grenzen, die er sich seither setzt, und warum er sich heute selbst mehr liebt als seinen Job.

Einzelhandel

Die Stimmung im deutschen Einzelhandel hat sich laut einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) weiter verschlechtert: 63 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer schlechteren Geschäftslage im ersten Halbjahr, die Stimmung liegt auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns. Als größtes Problem nennen 79 Prozent die Kaufzurückhaltung.

Neuen Schwung erhielt die Debatte um Sonntagsöffnungen: DIHK-Präsident Peter Adrian sprach sich für eine Grundgesetzänderung aus, um die Rechtslage für verkaufsoffene Sonntage dauerhaft zu klären. Unterstützung kam vom E-Commerce-Verband Bevh, dessen Hauptgeschäftsführerin Alien Mulyk starre Regelungen als nicht mehr zeitgemäß bezeichnete.

Trotz der schwierigen Lage wird kräftig expandiert. New Yorker eröffnete zwei Stores in Malta und setzt damit seine internationale Expansion nach dem Griechenland-Debüt im April fort. Lululemon wagt den Schritt nach Österreich und eröffnet am 4. September seinen ersten Store des Landes in der Wiener Kärntner Straße. Der Outdoor-Ausstatter Arc'teryx feierte im Ingolstadt Village die Premiere seines ersten deutschen Outlet-Stores auf 249 Quadratmetern, und LeGer Studio by Lena Gercke startet mit der Vertriebsagentur Lexson auf dem niederländischen Markt.

Zwei Geschichten rückten den stationären Handel im Kleinen in den Fokus: Das Berliner Label Richert Beil eröffnete zwölf Jahre nach der Gründung seinen ersten eigenen Laden – untergebracht in einer 135 Jahre alten ehemaligen Apotheke in Kreuzberg, die Atelier und Verkauf vereint. Und in Kempen am Niederrhein zeigt die Ellenstraße, wie inhaber:innengeführte Boutiquen, ein autofreies Zentrum und gelebte Nachbarschaft eine starke Einzelhandelskultur schaffen.


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